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Riesiger Umsatzeinbruch: Coronakrise beschert AUA Rekordverluste

Der Umsatz ist um 94 Prozent eingebrochen.
Der Umsatz ist um 94 Prozent eingebrochen. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Die Luftfahrt wurde von der Coronakrise mit voller Wucht getroffen. Bei der AUA fährt man Rekordverluste ein, der Umsatz ist um 94 Prozent eingebrochen.

Die Coronavirus-Pandemie hat die Luftfahrt mit voller Wucht getroffen. Die AUA schrieb allein im zweiten Quartal einen Verlust (Adjusted Ebit) von 99 Mio. Euro, unbereinigt waren es 101 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte die Lufthansa-Tochter zwischen April und Juni noch 46 Mio. Euro Gewinn gemacht. Der Umsatz brach um 94 Prozent auf 35 Mio. Euro ein, teilte die AUA am Donnerstag in der Früh mit.

Geschäft erholt sich seit 15. Juni langsam

"Die weltweiten Reisebeschränkungen haben den Betrieb im zweiten Quartal fast zur Gänze zum Erliegen gebracht. Erst seit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs am 15. Juni erholt sich unser Geschäft langsam", erklärte Finanzchef Wolfgang Jani in der Aussendung. Die Fluggesellschaft hatte am 19. März ihren Linienflugbetrieb für fast drei Monate komplett eingestellt.

Die AUA beförderte im zweiten Quartal nicht mehr als 53.000 Passagiere. "Das haben wir in guten Zeiten normalerweise in eineinhalb Tagen", erklärte eine AUA-Sprecherin auf APA-Anfrage. Im zweiten Quartal 2019 waren rund vier Millionen Menschen mit der AUA geflogen.

Coronakrise sorgt für Rekordverluste

Die Coronakrise wird der AUA heuer Rekordverluste bescheren. Nach sechs Monaten beträgt der operative Verlust bereinigt 235 Mio. Euro, unbereinigt sind es 299 Mio. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter sank bisher von 6.999 auf 6.756. Aufgrund der Kurzarbeit und dem Wegfall der Kerosinkosten im zweiten Quartal reduzierten sich die Gesamtaufwendungen im ersten Halbjahr um 44 Prozent auf 598 Mio. Euro.

Die Coronakrise wird der AUA heuer Rekordverluste bescheren. Nach sechs Monaten beträgt der operative Verlust bereinigt bereits 235 Mio. Euro, unbereinigt sind es 299 Mio. Euro. Um das Überleben der Airline zu sichern, schossen Eigentümer Lufthansa und die Bundesregierung 600 Mio. Euro in Form von Krediten und Kapitalspritzen zu.

Rote Zahlen, Jobabbau - Wie tief die Airlines in der Krise stecken

Den meisten Fluggesellschaften hat die Coronapandemie im abgelaufenen Quartal Rekordverluste eingebrockt. In der besonders hart von den Reisebeschränkungen getroffenen Branche stehen Zehntausende Arbeitsplätze auf der Kippe:

Lufthansa - Die mit milliardenhoher Staatshilfe gestützte Airline-Gruppe flog bei einem Umsatzeinbruch um 80 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro einen operativen Verlust von 1,7 Mrd. Euro ein. Unter dem Strich brockte die Pandemie der AUA-Mutter im ersten Halbjahr rund drei Mrd. Euro Verlust ein. Die Lufthansa erklärte im Mai, voraussichtlich brauche sie 26.000 ihrer knapp 138.000 Mitarbeiter auf Dauer nicht mehr. Durch Personalabbau vor allem im Ausland verließen bereits 8.300 Beschäftigte das Unternehmen. Personalkostensenkungen durch weniger Lohn und mehr Teilzeit sollen die Zahl derjenigen, die gehen müssen, drücken. Bei der AUA sank die Zahl der Mitarbeiter bisher von 6.999 auf 6.756.

Ryanair - Die Pandemie radierte bei Europas Marktführer im Zeitraum April bis Juni 95 Prozent des Vorjahresumsatzes aus. Der Billigflieger aus Irland machte bei einem Erlös von 125 Mio. Euro erstmals in der Firmengeschichte einen Nettoverlust, der mit rund 185 Mio. Euro aber im Branchenvergleich niedrig ausfiel. Die Airline hatte im Frühjahr 3.000 von rund 19.000 Stellen zur Disposition gestellt. Die Beschäftigten können durch Lohnkürzungen um bis zu 20 Prozent und andere Zugeständnisse Arbeitsplätze retten. Bisher verloren gut 250 Büroangestellte ihre Jobs. Die Tochter Laudamotion wurde zum reinen Flugbetrieb degradiert, die Fluglizenz soll von Wien nach Malta verlagert werden.

IAG - Der britisch-spanische Konzern wies bei einer Umsatzhalbierung auf 5,3 Mrd. Euro einen Betriebsverlust von 1,37 Mrd. Euro aus. Belastungen wie das Ausmustern von Jets erhöhten den Verlust auf 2,2 Mrd. Euro netto. IAG hatte im April angekündigt, bei der britischen Tochter British Airways 12.000 Arbeitsplätze zu streichen, mehr als ein Viertel. Mit der Gewerkschaft der rund 4.300 Piloten vereinbarte die Airline Lohn- und Arbeitszeitkürzungen, sodass noch etwa 270 Cockpit-Beschäftigte von Bord gehen müssen über Kündigungen. Die Flotte der spanischen Tochter Iberia wird verkleinert. Wie viele Arbeitsplätze der Krise zum Opfer fallen werden, ist noch unklar. Das gilt auch für den spanischen Billigflieger Vueling. Bei der irischen Tochter Aer Lingus sollen bis zu 500 und damit mehr als zehn Prozent der Beschäftigten gehen. Die österreichische Tochterairline Level Europe mit rund 240 Mitarbeitern wurde in die Pleite geschickt.

Air France KLM - Die französisch-niederländische Gruppe machte bei nur 1,18 Mrd. Euro Umsatz (minus 83 Prozent zum Vorjahr) einen Betriebsverlust von 1,55 Mrd. Euro. Der Nettofehlbetrag summierte sich sogar auf 2,6 Mrd. Euro durch Abschreibungen auf stillgelegte Flugzeuge, Belastungen bei Termingeschäften gegen Ölpreisschwankungen und Rückstellungen für Personalabbau. Air France und die jüngere Schwester Hop! wollen zusammen 7.580 Arbeitsplätze streichen. Bei der Kernmarke sind das 16 Prozent der Stellen, beim Billigflieger mehr als 40 Prozent. Beschäftigte in Frankreich protestierten gegen den Stellenabbau bei der Airline, die der staatliche Eigner mit sieben Mrd. Euro stützt. Bei der niederländischen Tochter KLM sollen bis 2022 bis zu 5.000 der insgesamt 33.000 auf Vollzeit umgerechneten Stellen verschwinden. Der Staat hilft mit dreieinhalb Mrd. Euro Kredit aus der Krise.

Easyjet - Der britische Billigflieger erlitt in den drei Monaten bis Ende Juni umgerechnet knapp 360 Mio. Euro Verlust. Mit nur zehn ihrer 315 Flugzeuge im Einsatz kratzte die Airline sieben Mio. Pfund (7,75 Mio. Euro) Umsatz zusammen (Vorjahresquartal: 1,76 Mrd. Pfund). Im Mai hatte Easyjet gewarnt, 4.500 Jobs sollten verschwinden - das wären 30 Prozent.

Norwegian - Der schon vor Corona angeschlagene Billigflieger aus Norwegen legt Ende August Zahlen vor. Im April wurden Tochterfirmen in Schweden und Dänemark geschlossen. Damit waren 4.700 Stellen in Cockpit und Kabine bedroht.

SAS - Bei der schwedisch-dänischen Airline sind nach früheren Aussagen bis zu 5.000 oder etwa die Hälfte der Stellen gefährdet. Inzwischen haben die Großaktionäre Dänemark, Schweden und die Wallenberg-Stiftung ein Rettungspaket geschnürt.

Wizz - Der ungarische Billigflieger brachte schon ab Mai und damit früh sowie auch relativ mehr Angebot als alle anderen auf den Markt. Von April bis Juni erreichte Wizz damit operativ einen kleinen Gewinn von knapp neun Mio. Euro, machte unter dem Strich aber 57 Mio. Euro Verlust. Jeder fünfte der rund 5.000 Beschäftigten muss um seinen Job bangen.

Condor - Der deutsche Ferienflieger will die Coronakrise ohne Personalabbau meistern, nachdem er durch die Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook im vergangenen Jahr einige hundert Mitarbeiter wegschicken musste. Krisenvereinbarungen mit den Gewerkschaften und Kurzarbeit sollen die Personalkosten der zuletzt knapp 4.200 Beschäftigten ausreichend senken. Geschäftszahlen gibt Condor nicht bekannt.

(APA/Red)

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