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Reisetagebuch Australien, Südostasien, Teil 1

©Max
Hier könnt ihr mein Reisetagbuch von Australien und Südostasien lesen ...|Und Fotos gibt es auch zu sehen! 

Tao und ich

Reisetagebuch Australien, Südostasien 3.11.- 23.12.2006

 

8.11.2004: Melbourne, Australien

Von den Rialto Towers konnte ich die gesamte Stadt überblicken, der einzige Fleck dieses Landes endloser Weiten, der mir in den wenigen Tagen hier zu entdecken geschenkt wurde. In dem an den heimatlichen Herbst erinnernden Klima kann ich weit hinten den Albert Park sehen, in welchem schon in wenigen Monaten die Motoren der Formel 1- Boliden heulen werden, nun rasten aber noch verträumte Kakadus in den hohen Baumwipfeln .

Die Flugbegleiterin Sandra, durch die ich zu dem Standby-Ticket gekommen war, hatte mich begleitet, doch Marina nicht. Auch der so leidenschaftliche Kuss zwei Nächte zuvor hatte sie nicht dazu bewegen können, sich mir anzuschließen.

Ich hätte sie gern mehr bei mir gehabt, hätte gerne ihre Meinung zu erfahren über die Bewohner dieser Stadt, wie die jenes Verkäufers, der den Gedanken in mir auflodern ließ, mir doch Katmandu anzusehen. Ich kaufte ihm ein T-Shirt ab und fuhr zurück ins Hotel.

„… wenn du erst aus dem Flieger ausgestiegen bist, wird das alles so klein geworden sein, was dich vorher gekümmert hat,“ sagte mir jemand kurz vor Antritt der Reise. Kein einziges Mal dachte ich an diesen Moment. Bis ich zurück war.

 11.11.2004: Singapur verlassen

Eben in den Bus gesetzt, hinaus aus Singapur, weg von der Stadt, hinaus aus der Gefangenschaft einer gerade noch eben so asiatischen Großstadt, bin ich nun, wie glücklicher Weise klimatisiert, unterwegs nach Johor Bahru, erste malayische Festung dieser langen, schwanzförmigen Halbinsel, in das Ende eines langen, vom Schweiße meines schrecklich bleichen Körpers durchtränkten Tages-

musste aber umsteigen, und immer noch ist es kaum erträglich, schon gar nicht wenn ich all die bronzefarbenen Körper beobachte, entspannt und trocken, wie ich selbst noch Stunden zuvor, in einem schweren Ledersofa in der Lobby des vollklimatisierten Meritus Mandarin Hotels sitzend, auf den Aufbruch ins Blaue wartend.

12.11.2004: Johor Bahru, Malaysien

Gestern war ich noch nicht dazu fähig, die Flut an Gedanken festzuhalten, die diese neue Stadt in mir hervorgerufen hat- so kotzübel war mir von dem Essen hier.

Ich muß schon zugeben, Johor Bahru, du triffst mich wie eine Schlag ins Gesicht. Singapur, ein Edelstein verglichen mit dir. Ohne Reiseführer die Grenze dieses Landes zu passieren, war, wie ich mir jetzt eingestehen muss ein großer Fehler. Mir scheint, ich habe instinktiv die widerlichste Spelunke für meine erste Nacht hier gefunden, die es nur zu finden gab. Absolut unaushaltbar ohne Zigaretten und drei Dosen Bier, in Papiertüten eingewickelt, um den muslimischen Anstand zu wahren, um mich nicht genau das treten zu lassen, was sich mir unmittelbar zuvor zu Füßen gelegt hatte…

 So schnell wie möglich entfloh ich diesem Konstrukt aus Betonplatten, von Tausend Füßen getretenen Teppichen und verdächtig kakerlakischen Geräuschen heute morgen, in die Suche nach einer Touristeninformation, mein Niederlage eingestehend, nur um dann festzustellen, dass die Shoppingmalls, welche dort zu finden man mir in schlechtem, doch für mich umso wertvollerem Englisch versichert hat, längst noch nicht geöffnet haben. Falls diese Stadt nicht mehr zu bieten hat, als ich bisher schon bestaunen konnte, möchte ich so schnell wie möglich das Weite suchen, in eine ruhigere Gegend, ans Meer, an den Strand. Luft holen.

Es ist sehr schwer, sich hier zurecht zu finden, die Strassen sind nicht beschriftet, selbst nicht in arabischen Lettern, welche mich von Minute zu Minute in unzähligen, dunkelumrahmten Augen in jeder Ecke herumlungernder Stadtbewohner immer dümmer aussehen ließen…

 Ein Einheimischer, der sich, wie vertraut, Martin nannte, überredete, oder befreite mich dann mehr aus meiner Verzweiflung zu einer Taxirundfahrt, die mich von weißen Tempeln, königlichen Villen mitsamt Warnschildern, auf welchen bei Hausfriedensbruch mit Schußwaffengebrauch gedroht wird, zu muslimischen Friedhöfen und schließlich zum vor Menschen nur so wimmelnden Busbahnhof führte, weiter Richtung Tioman, noch heute.

Ich rechne besser nicht nach, wie viele Banknoten ich ihm hinterlassen habe, um den der englischen Sprache nicht mächtigen Taxilenker zu bezahlen, wie clever, Martin, wie bescheuert, ich selbst.

 21:00: Mersing, vor der Insel Tioman

Hier, in Mersing, da gibt es nicht viel mehr zu sehen, als die Katzen. Katzen, die nach Happen deines Abendessens betteln, Katzen, dich am Strand erwartend, Katzen, die dir den Weg zu lotsen scheinen, für dich vorausgehend, auf dich achtend, als wäre es eine einzige, die für mich speziell existierende Katze, das Tier, welches seine Seele wandern lässt zu meinem Geleit.

 14.11.:Tioman, Abschied

Es ist Ernüchternd, das Paradies eben als nur soweit existent wissend, als man das Gegebene mit den Bildern im Kopf verbindet, den Postkarten, Filmen, Erzählungen. Denn traurig, aber wahr, ich habe die Ahnung, dass mit den Dosen, den alten Flaschen und den Plastikkanistern, die hier genauso zurückgelassen wurden, wie man sie in all den Jahren beiläufig verloren hatte, die hier den Weg genauso säumen, wie wiederum sie von riesenhaften Waranen gesäumt und durchwühlt werden, auch die wundervoll entspannte Mentalität der hier lebenden Menschen nach und nach verloren gehen könnte.

Zum ersten Mal bin ich freilebenden Affen begegnet, die mich heute gleich dem Publikum, dem der Zirkusdirektor seine Artisten ankündigt, auf meinem Weg durch einen schmalen Dschungelpfad nach vielen schweißtreibenden Metern in ihrer Welt zu empfangen schienen. Unfassbar dichte Moskitoschwärme sorgten jedoch dafür, das diese Begegnung nicht von Dauer sein sollte, mir blieb nichts als die Flucht.

So stieß ich auf einen wundervollen, unberührten Strand, nichts als Natur, ein kleiner Müllhaufen und ich, und das dezenten Gefühl, dennoch beobachtet zu werden.

 Fortsetzung folgt … 

Max Schwarzer

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