Regionalliga Ost: Die Halbzeit-Bilanz

Die Regionalliga Ost macht Winterpause. Im Frühjahr zeichnet sich ein Vierkampf um den Titel ab.

Der SV Horn überwintert als Herbstmeister, dahinter lauern die Wiener Traditionsklubs Vienna und Sportklub, gefolgt von Parndorf. Vienna Online blickt auf die Hinrunde der Regionalliga zurück: Wer verwelkte im Herbst, wer kann im Frühjahr aufblühen?

Teilsolide Profitruppe: Tabellenführer SV Horn
Im Waldviertel formte Trainer Rupert Marko aus einem Riesenkader von 33 Mann rund um Ex-Nationalspieler Gilbert Prilasnig das Herbstmeister-Team. Die Horner arbeiten professionell, wenn auch nicht immer ruhig – so wurde während der Saison Holemar aus dem Kader entlassen und Weiss soll vor dem Abgang stehen. Dass mit Marko offenbar nicht immer gut Kirschen essen ist (siehe die Kontroverse zwischen dem SV Horn und dem Wiener Sportklub über eine angeblich rassistische Äusserung Markos gegenüber Ercan Kayhan – in diesem Zusammenhang sei auf die Statements der beteiligten Vereine verwiesen: Statement Horn | Statement WSK), könnte im Frühjahr noch eine Rolle spielen.

Die Hoffnung lebt: Vienna mit guter Ausgangsposition
Die Blau-Gelben überwintern auf dem zweiten Tabellenplatz, auf Leader Horn fehlen drei Punkte. Trainer Peter Stöger errichtete rund um Kapitän und Spielgestalter Andreas Fading die Torfabrik der Liga: 2,6 Tore erzielten die Döblinger im Schnitt pro Spiel – das ist einsame Ligaspitze. Stürmer Bozkurt traf 14 mal ins gegnerische Netz, so oft wie die gesamte Mannschaft von Aufsteiger Stegersbach. Wenn Stöger im Frühjahr das Gerüst seines Teams (Bozkurt, Fading, Dorta) intakt halten kann, wird die Hohe Warte als Spielort in der Ersten Liga wahrscheinlich. Denn was die “Big Points” betrifft, hat die Vienna als einziges Team der vier verbliebenen Titelaspiranten eine weiße Weste: Horn und Sportklub wurden daheim deutlich geschlagen, gegen Parndorf gab es auswärts ein Remis.

Gelungener Neustart: Überraschung in Schwarz-Weiß
Was hatten Beobachter dem Wiener Sportklub vor der Saison nicht alles prophezeit: Der Kampf gegen den Abstieg war fast immer dabei. Die finanzielle Lage war trist, aus dem Profibetrieb mit Titelambitionen wurde kurzerhand ein Amateurverein mit dem Ziel des Klassenerhalts. Mit ganzen zwei Spielern konnte Trainer Slobodan Batricevic im Sommer fix planen. Doch rund um Cehajic und Szabo fanden sich rasch weitere Regionalliga-“Rebellen” ein, denen Spiel- und Vereinskultur wichtiger waren als gute Verdienstmöglichkeiten. Zwischenzeitlich war der Dornbacher Traditionsklub im Herbst gar Tabellenführer. Wenn es Batricevic im Frühjahr gelingt, die Aufbruchsstimmung zu konservieren und der 19-Mann-Minimalkader von Verletzungen verschont bleibt, bleiben die Hernalser auch im Frühjahr in Sichtweite der Spitze. Ernsthafte Gedanken über den Titel wird man sich an der Alszeile allerdings wenn, dann erst nächstes Jahr machen müssen.

Burgenländische Minimalisten: Parndorf unterwegs nach oben
Erstliga-Absteiger Parndorf hat zur Halbzeit der Meisterschaft das Saisonziel Wiederaufstieg noch im Blick. Der hochwertigen Truppe von Trainer Kurt Garger fehlen 6 Punkte auf Herbstmeister Horn. Mit zwei Brasilianern (Marcelo, Jailson) und den Ex-Bundesliga-Spielern Aganun (Tirol) und Jank (Ried) verfügt Garger über den nominell stärksten Regionalliga-Kader. Dazu haben die Burgenländer die beste Abwehr der Liga, kassierten in der gesamten Herbstrunde (15 Spiele) nur 8 Gegentore. Eine alte und vielzitierte Fußballweisheit besagt, dass die Offensive Spiele gewinnt, die Defensive jedoch Meisterschaften. Wenn es Kurt Garger im Frühjahr gelingt, der routinierten Mannschaft Feuer und dem Angriff Durchschlagskraft zu geben, wird Parndorf im Titelkampf noch eine wichtige Rolle spielen.

Sturm und Drang in Grünweiß: Die wechselhaften Rapid Amateure
Als Tabellensechster überwintern die Amateure Rapids. Die technisch ausgezeichneten Jungrapidler haben einen wechselhaften Herbst hinter sich. Die Jungs von Trainer Andreas Reisinger können an einem guten Tag jedes Regionalliga-Team schwindlig spielen, an einem schlechten auch gegen Abstiegskandidaten verlieren. Von einem Aufstieg will in Hütteldorf ohnehin niemand etwas wissen. Höhepunkte der grünweißen Herbstsaison waren die beiden sensationellen ÖFB-Cup-Spiele gegen die Bundesligisten Altach (2:1) und Mattersburg (5:1), die im Hanappi-Stadion teilweise vorgeführt und mit herben Niederlagen heimgeschickt wurden. Im Cup-Viertelfinale treten die Rapidler nun gegen die Amateure des Erzrivalen Austria Wien an. Reisinger hat zahlreiche Rohdiamanten in seinem Kader, die mit Sicherheit auch in der Frühjahrssonne glitzern werden.

Die Koordination der Kooperation: Magna auf dem Wienerberg
Die Wienerberger spielten eine respektable Halbsaison und sicherten sich einen Platz im Mittelfeld. Trainer Claus Schönberger hat die Aufgabe, die Kooperationsspieler des größeren Bruders aus Wiener Neustadt ein- und aufzubauen. Aufstiegsambitionen gibt es am Wienerberg nicht. An einem guten Tag kann das Team jedem Gegner Paroli bieten. Aber auch im Frühjahr wird es in Favoriten wohl mehr um das große Ganze als um Details wie ein Ligaspiel gehen.

Frust statt Lust: Hausgemachte Krise beim FAC
Zu Saisonbeginn war der FAC als einer der heißesten Titelanwärter gehandelt worden. Nach dem Vizemeistertitel der Vorsaison wurde in den Kader investiert, mit Aigner und Ratajczyk zwei große Kaliber nach Transdanubien geholt. Die Mannschaft fand jedoch nie zu sich selbst, intern rumorte es. Die gezeigten Leistungen ließen kaum Hoffnung auf Besserung. Nach nur vier Runden wurde Trainer Thalhammer beurlaubt, Co-Trainer Seher übernahm interimistisch – mittlerweile ist Andreas Ogris Trainer und Sportdirektor in Personalunion. Die Floridsdorfer überwintern auf Platz 11, im Frühjahr wird es weniger um kurzfristige Resultate als um langfristige Aufbauarbeit gehen.

Schießbude statt Zauberfußball: Aufsteiger Ostbahn XI im Abstiegskampf
Der Aufsteiger startete mit Hoffnungen, die eigene Offensivkraft würde für die nötigen Punkte sorgen. Trotz der Verpflichtung des ungarischen Ex-Teamspielers Ferenc Horvath ging das Konzept nicht nur nicht auf, sondern im Wortsinn nach hinten los: 41 Gegentreffer sind Ligaspitze. Mitte Oktober musste Aufstiegstrainer Horst John gehen, ihm folgte Kurt Jusits von Stadtligist Stadlau. Die Simmeringer liegen nur zwei Punkte vor den Abstiegsrängen und werden im Frühjahr – auch wegen der negativen Tordifferenz – um jeden Punkt kämpfen müssen.

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