Regierung will am Sonntag über weitere Corona-Maßnahmen informieren

Corona-Maßnahmen: Experten-Statements am Samstag, Regierungs-PK für Sonntag in Aussicht genommen.
Corona-Maßnahmen: Experten-Statements am Samstag, Regierungs-PK für Sonntag in Aussicht genommen. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Der Corona-Lockdown könnte über den 24. Jänner 2021 hinaus verlängert werden - vor allem wegen der neune britischen Coronavirus-Variante. Die Bundesregierung stand ab Freitag im Beratungs-Marathon, für Sonntag ist eine Pressekonferenz geplant.

Die Bundesregierung wird nach Gesprächen mit den Landeshauptleuten, Experten und den Sozialpartnern am Wochenende entscheiden. Für Sonntag ist eine Pressekonferenz zur Information über die weitere Vorgangsweise der Corona-Maßnahmen und einer möglichen Lockdown-Verlängerung in Aussicht genommen.

Regierung berät mit Landeshauptleuten und Sozialpartnern

Freitagabend beriet die Regierung - ausnahmsweise wieder einmal persönlich im Bundeskanzleramt in Wien - mit den Landeshauptleuten, wie es nach dem 24. Jänner weitergeht. Samstagfrüh (ab 8 Uhr) holt sie die Meinung von Experten ein - die dann im Anschluss (ab 9 Uhr) in Pressestatements Auskunft über die Corona-Lage geben. Ab 10 Uhr bespricht die Regierung dann noch die Lage mit den Sozialpartnern.

Weitere Verschärfungen im Gespräch

Die Politik dämpfte zuletzt Erwartungen auf größere Öffnungsschritte ab 25. Jänner, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) rechnete am Freitag gar mit Verschärfungen. Die Bundesregierung will am Wochenende nach Beratungen mit Landeshauptleuten, Experten und den Sozialpartnern eine Entscheidung treffen.

Wie sie ausfällt wird die Öffentlichkeit wohl am Sonntag erfahren, für diesen Tag ist eine Pressekonferenz der Regierung in Aussicht genommen. Morgen, Samstag, werden Experten nach einer Gesprächsrunde im Bundeskanzleramt Pressestatements abgeben. Danach berät die Regierung mit den Sozialpartnern. Freitagabend stand noch eine Gesprächsrunde mit den Landeshauptleuten über die weitere Vorgehensweise am Programm - auch diese übrigens ausnahmsweise wieder einmal persönlich und nicht nur per Video.

Neben dem Verbleib im harten Lockdown wurde - nach Informationen der APA - ursprünglich auch über sanfte Öffnungsschritte disktuiert. Denkbar wäre wohl maximal, dass der Handel aufsperren könnte - freilich unter strengeren Voraussetzungen wie einer Pflicht zu höherwertigen FFP2-Masken und schärferen Abstandsregeln. Auch die Pläne, wonach die Schüler mit 25. Jänner aus dem aktuellen Fernunterricht in den Schichtbetrieb wechseln, wackelten wieder.

Britische Virusvariante in Österreich bestätigt

Denn die Lage verschlechterte sich zusehends: Im steirischen Ausseerland wurde Freitagabend einer der Verdachtsfälle auf die britische Mutation des Coronavirus offiziell bestätigt. Das Land Steiermark erklärte auf APA-Nachfrage, dass die Probe aussequenziert sei und der Verdacht damit labormäßig durch die AGES nachgewiesen wurde. Mittlerweile sind in Österreich rund 100 Verdachtsfälle der neuen ansteckenderen Coronavirus-Variante B 1.1.7. registriert worden.

"Diese sind mehr oder weniger auf ganz Österreich verteilt", erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Endergebnisse der Untersuchungen werden bis Mitte kommender Woche erwartet. Die Mutation könnte auch bereits im Wiener Abwasser ihre Spuren hinterlassen haben, eine in der Wiener Hauptkläranlage entnommene Probe wurde in einer Vortestung positiv auf die neue Variante getestet.

MedUni-Experte warnt vor frühzeitiger Lockdown-Lockerung

Der Leiter des klinischen Instituts für Labormedizin am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH), MedUni-Wien-Vizerektor Oswald Wagner hat vor einer frühzeitigen Lockdown-Lockerung gewarnt. Zum einen sei mit der wesentlich infektiöseren britischen Variante des Coronavirus eine neue Variable ins Spiel gekommen, zum anderen brauche es statt Alleingängen einen Gleichklang bei den Maßnahmen in Europa, sonst drohe ein "Pingpong-Effekt", führte Wagner im Gespräch mit der APA aus.

Beispielsweise würden viele europäische Nachbarländer wie etwa Deutschland oder Tschechien gerade den Lockdown verlängern und nicht lockern. Daher wäre es aus seiner Sicht "gefährlich", wenn Österreich in die andere Richtung ginge und womöglich die "Quelle neuer Infektionen" darstelle, so Wagner, der in diesem Zusammenhang auf die Initiative "Contain Covid-19" verwies. Diese wurde von der Max-Planck-Forscherin Viola Priesemann angestoßen und werde von zahlreichen europäischen Experten und Wissenschaftern unterstützt, die ein synchronisiertes Vorgehen aller europäischen Länder fordern, um das Virus einzudämmen bzw. ein immer neues Einschleppen ("Pingpong-Effekt") zu vermeiden.

Öffnungsschritte kann sich Wagner - sollte es die Sieben-Tages-Inzidenz erlauben - nur mit strikten Maßnahmen vorstellen. Etwa einer FFP2-Masken-Pflicht in geschlossenen Räumen, wenn sich mehr als eine Person darin aufhält. Die Abstandsregel müsse auf zwei Meter ausgedehnt werden und die Bevölkerung müsse wöchentlich mit Schnelltests durchgetestet werden, so Oswald Wagner: "Investitionen in Schnelltests und FFP2-Masken sind billiger als jeder weitere Tag Lockdown."

Er sei ein "massiver Verfechter der Eradikations-Strategie", also des Versuchs der kompletten Auslöschung des Virus: "Mit dem Virus leben lernen" habe als Strategie nicht nur aus medizinischer, sondern auch wirtschaftlicher Sicht katastrophal versagt. Das zeige auch ein Vergleich der ökonomischen Entwicklung mit asiatischen Ländern und Australien. Lichtblick sei die "völlig sichere und erstaunlich effektive Impfung", denn damit könnten in den nächsten Monaten vulnerable Gruppen und à la longue alle jene, die sich impfen lassen, komplett geschützt werden.

(APA/Red)

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