Ravidass-Prozess fortgesetzt

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15. Bezirk, 1150 Wien Rudolfsheim-Fünfhaus -  Am Freitag sind im Wiener Straflandesgericht im Prozess um die Schießerei in einem Tempel der Ravidass-Gemeinschaft in Wien-Rudolfsheim vom 24. Mai 2009 die ersten Zeugen vernommen worden.
Prozessauftakt nach Schießerei
"Kann mich an nichts erinnern"
Vorbericht: Schüsse in Sikh-Tempel
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Gurbhej Singh, der Vereinsobmann des Sikh-Tempels in der Langobardenstraße in Wien-Donaustadt, schwächte seine bisherigen, die Angeklagten teilweise belastenden Angaben ab. Staatsanwältin Nina Weinberger drohte dem 51-Jährigen daraufhin mit einem Verfahren wegen falscher Zeugenaussage.

Bei den tumultartigen Auseinandersetzungen in dem Ravidass-Tempel in der Pelzgasse waren die aus Indien angereisten Gurus Sant Rama Nand und Sant Niranjan Dass getötet bzw. schwer verletzt wurden. Hintergrund der Bluttat, deretwegen sich nun sechs Sikh wegen vollendeten und versuchten Mordes vor Geschworenen verantworten müssen, sollen religiöse Meinungsverschiedenheiten gewesen sein.

So soll der Obmann des Sikk-Tempels in der Langobardenstraße, wo angeblich strengreligiöse Sikh verkehrten, den Ravidass-Obmann wenige Tage vor dem geplanten Auftritt der beiden Gurus telefonisch gewarnt haben. Man möge dafür Sorge tragen, dass das Heilige Buch, das “Guru Granth Sahib”, sich nicht im selben Raum wie die Gurus befinde, da Sikh neben dem Buch keine Konkurrenz dulden. Demgegenüber verneigen sich Anhänger der Ravidass-Gemeinschaft bei religiösen Feiern sowohl vor dem Heiligen Buch als auch vor anwesenden Gurus.

Sikh-Vereinsobmann Gurbhej Singh wollte im Zeugenstand von keiner Warnung mehr sprechen. Er habe vielmehr befürchtet, seinen Glaubensbrüdern könne in dem – für alle Interessierten zugänglichen – Ravidass-Tempel etwas zustoßen. Ihm wären Stimmen zu Ohren gekommen, denen zufolge angeblich geplant war, am 24. Mai anwesenden Sikh “den Bart auszureißen”, sagte der Zeuge. Folglich habe er angerufen und seinen Gesprächspartner bei dieser Gelegenheit daran erinnert, dass es seine Pflicht sei, darauf aufzupassen, dass sich in Gegenwart des Heiligen Buchs niemand vor den Gurus verbeugt.

Der Zeuge wollte – im Unterschied zu seinen bisherigen Angaben – auch den mutmaßlichen Haupttäter Jaspal S., der in der Langobardenstraße öfters gebetet haben soll, nicht mehr wiedererkennen. Dem 35-jährigen Sikh wird Mord und zweifacher Mordversuch vorgeworfen. Er hatte auch den Wiener Prediger Kishan Pal angeschossen, der sich noch schützend vor die niedergeschossenen Gurus stellen wollte. Fünf Glaubensbrüdern im Alter zwischen 29 und 46 Jahren wird Beitragstäterschaft zum Mordanschlag und versuchte absichtlich schwere Körperverletzung angelastet.

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