RAUCHFREI-ZONE TEIL II

Der Missbrauch ist „programmiert”, erkannte Max von Merlot ein Nicht- Qualmer vor dem Herrn!

Sogar: in einigen Lokalen und Beisl steht der Zigarettenautomat mitten im Nichtraucherverbot! Oder man kann jetzt viel öfters und auch laut folgende Monologe erhören: „Kann man die Tür zumachen? Der Qualm zieht herüber.” Die Frage sorgt im Restaurant Adam für Verwunderung. Dass Nichtraucher darauf pochen, dass die Glasflügeltür, die ihren Bereich vom Raucherteil trennt, tatsächlich geschlossen wird, scheint der Kellnerin nicht oft zu passieren. „Da muss ich den Chef fragen.” Der sitzt nebenan in der Raucherzone und schließt selbst die Tür: „Kein Problem.” Aber nicht lange: Immerhin befinden sich WC, Küchenzugang und „Drogenfilterautomat” im Nichtraucherteil. Schließlich wird ein Flügel geöffnet. Weil: Die Raucher, die direkt vor der Tür saßen, seien weg. „Das geht so, oder?”
Bei einem anderen Lokalaugenschein im ersten Wiener Gemeindebezirk: „Wo ist hier der Nichtraucherbereich?” ist angesichts der sehr dezenten Beschilderung und der Tatsache, dass nur ein Durchgang die Raucher an der Schank und die Nichtraucher im Speisesaal trennt, eine berechtigte Frage. Die knappe Antwort: „Sie sitzen drin.” Das zusätzliche rauchfreie Stüberl ist nämlich grad voll. Punkt. „Wir können im Gewölbe keine Tür einbauen”, sagt die Patronin  „Zu den drei Hacken” auf Nachfrage. Wozu auch? „Die EU plant eh’ ein Verbot” lautet ihr Argument, das man jetzt immer schärfer und rechthaberisch hört. Wobei die sonst freundliche Wirtin Zawadil empfindlichen Gästen theoretisch auch einen Wechsel in ihr neues Lokal 50 Meter entfernt anbieten könnte, da herrscht ja feines 100%iges Rauchverbot.

Was, wenn man ein deklariertes Raucherlokal wie das Café Rochus mit dem Hinweis betritt, man sei sehr rauchempfindlich?
„Wir haben einen Nichtraucherbereich.” Die Kellnerin zeigt freundlich auf einige Tische, die räumlich nicht vom (recht verrauchten) Rest des Lokals getrennt sind. Man sei aber wirklich empfindlich, und da ziehe schon viel Rauch herüber. Die Kellnerin stimmt zu: „Vielleicht der Tisch da ganz hinten? Da spürt man am wenigsten” und erklärt weiter: „Ein separater Nichtraucherbereich sei erst 2010 vorgeschrieben.”
Bis dahin: „Übergangfrist”, sprich: Alles wie gehabt. 90 Prozent der Rochus-Gäste seien Raucher, so die Geschäftsführung. Dennoch werde man, wie gesetzlich vorgeschrieben, einen räumlich getrennten Nichtraucherbereich schaffen. „Nicht übermorgen”, sagt Jappel, „aber rechtzeitig bis Juni 2010.”
In der kleinen LoosBar sind die Verhältnisse klar: „Raucherlokal” steht auf einem großen silbernen Schild neben dem Eingang. Drinnen kann der Barkeeper das Anliegen – gibt es hier rauchfreie Plätze? – nicht nachvollziehen. „Zu einem Drink”, sagt er überrascht, „wollen die Gäste eine Zigarette.” Nachsatz: „Sogar die Touristen aus den USA.” Und wie ist das mit dem geltenden Rauchverbot? Die geduldige Erklärung: „Als Lokal mit weniger Fläche als 50 m kann man weiter ein reines Raucherlokal bleiben.” Stimmt. Und umgekehrt? Was passiert, wenn man sich in einer Nichtraucherzone einfach eine Zigarette anzündet (wofür – theoretisch – eine Geldstrafe fällig wäre, siehe unten)? In der Oper-Aida lässt es die aufmerksame Kellnerin gar nicht so weit kommen. Kaum greift man in der Rauchverbotszone zur Zigarettenpackung, ruft sie ein aufgeregtes „Hallo! Hier ist Nichtraucherbereich” durch das Café, eilt herbei und tippt auf das „Rauchen-verboten”-Pickerl, das auf dem Tisch klebt. „Aber da drüben dürfen Sie rauchen”, sagt sie und zeigt auf den Raucherbereich, der hier nahtlos anschließt und auch in der Nichtraucherzone für entsprechend verrauchte Luft sorgt.

Auch in den 26 Aida-Konditoreien ist man über das schwammige Rauchverbot nicht glücklich. Filialen unter 50 m werden als Raucherlokale weitergeführt, für die größeren hat man Umbaupläne eingereicht. „De facto wird sich bei uns aber nichts ändern ”, heißt es. Weil das „nicht leistbar” sei. Und weil man auch bei Aida mit einem EU-weiten Rauchverbot rechnet und sich davor keine teuren Umbauarbeiten antun will.
Komplett rauchfrei, und das schon seit 24 Monaten, ist das Café Griensteidl. Das Zigarettenpackerl am Tisch übersieht der Ober dezent, erst als man die Zigarette anzünden will, schreitet er freundlich ein. „Rauchfrei, das sind wir hier”, wegen der Touristen! So auch seit Anfang 2008 hat der Wirt Schreiner in der Westbahnstraße komplettes „Nicht” ausgerufen, die Genusssüchtigen können aber im Innenhof ihre Lieblingsdrogen genießen und siehe da, es klappt ganz einfach rauchfrei! Es funktioniert ja in anderen Ländern auch, dort wurden gleich die Regeln ohne „Ausweich-Rauch-Ecken” eingeführt, streng kontrolliert!
Österreich raucht wieder einmal anders, aber hier wird mit Sicherheit bald die Zigarette ausgehen und ein klares „rauchfreies” Gesetz fallen, glaubt, hofft und beschwört Genussmensch und  rauchfreier Weggeher Herr Merlot.

Text: max von merlot mit Auszügen aus „Die Presse”


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