Raubkunst: Seit elf Jahren wird geforscht

Das Universalmuseum Joanneum war eines unter den rund 20 österreichischen Museen und Sammlungen, die nach 1938 um den Erhalt von Objekten aus jüdischen Kunstsammlungen konkurrierten.

Erste Recherchen Ende der 1990er-Jahre haben ergeben, dass im Wesentlichen drei Sammlungen des Universalmuseums Joanneum in Graz von der Thematik betroffen sind: Kulturhistorische Sammlung, Neue Galerie und Alte Galerie.

Zur Klärung der Fragen der Erwerbungen und Rückstellungen aus jüdischem Besitz zwischen 1938 und 1945 im Universalmuseum Joanneum wurde im April 1998 eine interner Arbeitskreis des Museums gegründet. Diesem gehören Mitarbeiter der Alten Galerie, der Neuen Galerie und der Kunstgewerblichen Sammlungen an. Seither beschäftigt sich diese Arbeitsgruppe damit, das Aktenmaterial der NS- und Nachkriegszeit in Bezug auf bedenkliche Erwerbungen von Sammlungsobjekten zu sichten und auszuwerten.

Ende 1999 wurde der Steiermärkischen Landesregierung erstmals ein rund 400 Seiten umfassender Forschungsbericht vorgelegt. Neben bekannten Namen wie jenen der Familien Rothschild, Gutmann und Bondy als Opfer werden in diesem Bericht auch anonyme Erwerbungen über den Kunsthandel, die Auktionshäuser und staatliche Organisationen (Gestapo und ihre Unterabteilungen) aufgezählt.

Im März 2000 wurde auf Grundlage des Forschungsberichtes vom steirischen Landtag ein Landesverfassungsgesetz zur Rückgabe fraglicher Erwerbungen aus jüdischem Besitz beschlossen. Seitdem konnten mit Hilfe der Anlaufstelle der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien einige Erben ausfindig gemacht und ihnen ihr rechtmäßiges Eigentum restituiert werden. 2003 wurde im Universalmuseum Joanneum eine eigene Stelle für Restitution und Provenienzforschung installiert. Ihre Aufgabe ist die Fortführung der Forschungsarbeiten in landesinternen und externen Archiven, Ergänzungsarbeiten zum bestehenden Forschungsbericht aus dem Jahre 1999 und das Verfassen von Dossiers zu einzelnen Problemstellungen.

Das Joanneum war das erste Landesmuseum in Österreich, das Objekte von zweifelhafter Herkunft auch im Internet publiziert hat: Aktuell sind rund 50 derartige Objekte auf der Website http://www.museum-joanneum.at/de/joanneum/ueber-das-joanneum/restitut ion verzeichnet.

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