Rassismus in der Wiener Polizei?

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Weil sie den österreichischen Olympia-Teilnehmer Tuncay Caliskan rassistisch beschimpft haben sollen, hat die Polizei in Wien am Donnerstag vier Polizisten vom Außendienst abgezogen.

Caliskan, der Österreich bei den Spielen 2000 in Sydney und 2004 in Athen im Taekwondo vertrat, war am vergangenen Sonntag in der Früh auf die Margaretner Polizeiinspektion Siebenbrunnengasse gekommen, weil ihn ein Betrunkener seiner Aussage zufolge mit einem Baseballschläger bedroht hatte.

Caliskan war Sonntag früh nach Hause gekommen und suchte in dem Grätzl, in dem er wohnt, einen Parkplatz. Dabei fiel ihm ein Wagen auf, „der uns eine Dreiviertelstunde im Abstand von ein bis zwei Meter verfolgt hat“, sagte er am Donnerstag der APA. Als einmal beide Autos stehen geblieben waren, stieg der Unbekannte aus und kam mit einem Baseball-Schläger auf den Pkw Caliskans zu, wie dieser erzählte. „Offensichtlich war der stockbetrunken.“

Der Sportler – nach einem Kreuzbandriss und drei Operationen arbeitet Caliskan hart an seinem Comeback und hofft auf eine dritte Olympiateilnahme 2008 in Peking – fuhr daraufhin zur Polizeiinspektion Siebenbrunnengasse und hupte ein paar Mal. Einige Beamte kamen auf die Straße, Caliskan schilderte ihnen die Situation und ersuchte sie um Hilfe. Daraufhin soll einer der Polizisten gesagt haben: „Sie brauchen sich nicht in die Hose zu scheißen.“ Caliskan antwortete: „Was soll das, wie reden sie mit mir?“

Der Taekwondo-Athlet stellte das Auto ab und ging mit seiner Frau in die Inspektion, wo die Situation erst so richtig eskaliert sein dürfte. Laut Caliskan, der seine Situation schildern wollte, fielen die Worte: „Sie Oasch, sie Scheißkanak, hoitn’s endlich amoi die Goschn“ und „sie reden dann, wenn ich es ihnen sage“. Einer der Beamten soll den Betrunkenen gefragt haben: „Warum haben sie ihn nicht gleich auf den Schädel geschlagen?“ Auch „Tschusch“ bekamen er und seine Frau seiner Darstellung zufolge zu hören.

Caliskan soll die Dienstnummern der Beteiligten verlangt – einen der fünf Beamten nahm er von den Vorwürfen ausdrücklich aus – und daraufhin zu hören bekommen haben: „Schleicht’s euch raus, es Scheißkanaken.“ Sein Ziel ist: „Sie müssen sich öffentlich entschuldigen, vor meiner Frau.“ Über den Vorfall zeigte er sich auch am Donnerstag fassungslos: „Wie kann man so bösartig sein?“, fragte er.

Laut Oberstleutnant Andreas Wolf, Sprecher des Landespolizeikommandos, habe man die vier beschuldigten Beamten bis zur Klärung der Vorwürfe Dienststellen ohne Parteienverkehr zugeteilt. „Da auf Grund des Ergebnisses der bisherigen Erhebungen strafrechtlich und dienstrechtlich relevante Verdachtsmomente vorliegen und diskriminierende Äußerungen der Exekutivbeamten nicht ausgeschlossen werden können“, hieß es dazu als Begründung.

Außerdem müssen die Beamten in den nächsten Monaten alle von der Polizei in diesem Bereich relevanten Schulungen absolvieren. Das betrifft unter anderem Ausbildungen zur Berufsethik und zu Grund- und Menschenrechten. Noch diese Woche sollen die Ermittlungen des Büros für Besondere Ermittlungen (BBE) abgeschlossen und – was den strafrechtlich relevanten Teil betrifft – eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft abgeschickt werden.

Die betroffenen Beamten bestreiten, dass solche Worte gefallen sind, sagte Wolf. Bestätigt werde, dass es eine heftige und laute Auseinandersetzung gegeben habe, die ihren Ausgang in einem Autofahrerstreit genommen haben dürfte. Caliskan soll laut Polizisten immer wieder von seiner Frau beruhigt worden sein. „Die Worte sind nicht gefallen, sagen die Beamten“, erklärte Wolf. In diesem Sinn soll sich auch jener Autofahrer geäußert haben, der Caliskan gefolgt war. Bei ihm wurde ein erhebliches Maß an Alkoholisierung festgestellt. Ein Baseballschläger sei nicht sichergestellt worden, so der Sprecher des Landespolizeikommandos.

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