Rapid rechnet mit EC-Einnahmen von 500.000 Euro

Nicht nur aus sportlicher Sicht ist für Rapid der Aufstieg in die dritte Runde der Champions-League-Qualifikation ein Muss.

Auch im Hinblick auf die Vereins-Finanzen wäre ein Weiterkommen gegen Anorthosis Famagusta wichtig, schließlich sind laut Präsident Rudolf Edlinger im Budget für die laufende Saison 500.000 Euro an Einnahmen aus Europacup-Spielen eingeplant.

Diese Summe kann im Falle des Einzuges in die Gruppenphase der Königsklasse (Edlinger schätzt die Netto-Einnahmen in diesem Fall auf gut fünf Millionen Euro) weit übertroffen werden. Die halbe Million wandert aber auch dann in die Rapid-Geldbörse, wenn sich die Grün-Weißen gegen den zypriotischen Meister durchsetzen, weil die Hütteldorfer in diesem Fall noch zumindest zwei garantierte Heimspiele (bei einem Out in der dritten Quali-Runde geht es in der ersten UEFA-Cup-Hauptrunde weiter) haben. “Aber wenn wir gegen Anorthosis ausscheiden, haben wir immer noch 100.000 Euro verdient”, meinte Edlinger.

Außerdem könnte ein möglicher Verlust von Europacup-Einkünften zum Teil durch die Millionen aus dem Verkauf von Ümit Korkmaz an Eintracht Frankfurt wettgemacht werden. Die Kritik, dass man mit einem Verkauf des Flügelflitzers hätte warten und nach der EURO 2008 mehr hätte kassieren können, lässt Edlinger nicht gelten. “Das glaubt vielleicht der kleine Maxi, aber ich bin überzeugt, dass wir auch nach der EM keinen höheren Preis für ihn bekommen hätten”, sagte der ehemalige Finanzminister und wies darauf hin, dass Rapid im Falle eines Weiterverkaufs von Korkmaz am Transfererlös beteiligt ist.

An der Budgethöhe von zwölf Millionen Euro änderte auch der für Rapid angeblich mit über drei Millionen Euro versüßte Abgang des Publikumslieblings nichts. Außerdem, so Edlinger, musste im Sommer unter anderem für Stefan Maierhofer eine Ablöse an Fürth bezahlt und wegen der Erkrankung von Helge Payer mit dem Deutschen Georg Koch ein neuer Goalie geholt werden. “Unser Budget ist ausfinanziert, allerdings mit dem Gebot der Sparsamkeit. Aber damit sind wir auch in der Vergangenheit nicht schlecht gefahren. Immerhin sind wir 2005 und in der letzten Saison trotz finanziell übermächtiger Gegner Meister geworden”, betonte Edlinger.

Dass die Austria nach dem Abschied von Frank Stronach fast aus dem Stand einen Etat von 14 Millionen Euro aufstellte, lässt den Rapid-Chef kalt. “Es interessiert mich nicht, was andere Vereine für ein Budget haben, man kann es auch nicht überprüfen. Außerdem hört man ja, dass Stronach weiterhin Spieler der Austria bezahlt.”

Da man sich keinem einzelnen Geldgeber ausliefern wolle, seien die Möglichkeiten auf eine massive Budget-Aufstockung beschränkt, meinte Edlinger. “Wenn wir heute noch weitere Sponsoren auftreiben, frage ich mich, was wir ihnen anbieten sollen. Unsere Leiberl, Stutzen und Hosen sind voll. Wir werden uns, was das Sponsoring betrifft, nicht viel weiterentwickeln können als wir jetzt sind, bei acht bis zehn Millionen Euro.” Zusätzliche Einnahmen könnten laut dem Rapid-Boss aber noch aus dem Merchandising oder aus einer höheren Anzahl an verkauften Tickets erzielt werden.

In diesem Zusammenhang wäre ein zumindest moderater Ausbau des Hanappi-Stadions wünschenswert, konkrete Pläne dafür gibt es aber offenbar nicht. “Wir versuchen, innerhalb einer Zeitschiene von zwei, drei Jahren Veränderungen vorzunehmen, aber in erster Linie ist das Sache des Eigentümers (Anm.: die Stadt Wien)”, sagte Edlinger.

Für Partien in der Champions-League-Gruppenphase wäre die Arena im Westen Wiens jedoch so oder so zu klein. Schon in der laufenden Qualifikation ist ein Ausweichen ins Happel-Stadion angedacht, sollte Rapid nach dem möglichen Aufstieg über Anorthosis auf einen Kontrahenten wie Barcelona oder Liverpool treffen. “Wenn wir einen Gegner bekommen, der uns das Happel-Stadion füllt, werden wir sicher dort spielen”, kündigte der Vereinschef im Hinblick auf die dadurch weit höheren Einnahmen an.

Extra-Geld gibt es in diesem Sommer auf jeden Fall aufgrund der EURO 2008. Mit rund 400.000 Euro, die allerdings für das Budget der vergangenen Saison verbucht werden, darf der Rekordmeister an Abstellungsprämien von der UEFA rechnen, schließlich stellten die Grün-Weißen mit Korkmaz, Erwin Hoffer, Markus Katzer, Jürgen Patocka und dem nur kurz nach Kärnten verliehen gewesenen und mittlerweile zurückgekehrten Martin Hiden fünf EURO-Teilnehmer. “Aber dennoch war die EM für uns wirtschaftlich nicht wirklich ein Gewinn”, betonte Edlinger auch mit dem Hinweis, dass durch den verlängerten Urlaub vieler Teamspieler die Vorbereitung auf die neue Saison deutlich beeinträchtigt wurde. “Doch natürlich ist es für jeden Verein auch eine Ehre, viele Teamspieler zu haben”, sagte der Rapid-Boss.

Dem neuen Teamchef Karel Brückner bescheinigte Edlinger, “sicher ein hervorragender Fachmann” zu sein. Mit der Art und Weise der Bestellung des Tschechen hatte der 68-Jährige aber keine Freude. Als “nicht sehr kommunikativ” bezeichnete er die Vorgehensweise von Liga-Präsident Martin Pucher, die Vereinsbosse drei Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe am vergangenen Freitag quasi vor vollendete Tatsachen zu stellen. “Außerdem war es falsch zu sagen, die Bundesliga-Präsidenten hätten einhellig zugestimmt. Pucher hat seinen Bericht abgeliefert und wir haben ihn zu Kenntnis genommen. Wäre es zu einer Abstimmung gekommen, hätte ich mich enthalten, aber nicht wegen der Person Brückner, sondern wegen der Art der Nominierung.”

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