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"Ralfs Farben" bei der Viennale: Ohne roten Faden

Ralfs Farben gibt Einblicke in einen schizophrenen Kopf.
Ralfs Farben gibt Einblicke in einen schizophrenen Kopf. ©Viennale
Wie verbringt ein schizophrener Aussteiger auf der Kanareninsel Lanzarote seine Zeit? Der Filmemacher Lukas Marxt geht dieser Frage in seinem Experimentalfilm-Porträt "Ralfs Farben" nach.

Musik und die Bildästhetik des neuen Werks des steirischen Filmkünstlers erinnern stellenweise an Pink-Floyd-Stücke und psychodelische Kunstwerke. Marxt spielt mit oftmals sehr statischen Kameraeinstellungen, den eigentümlichen Begebenheiten auf der windigen Vulkaninsel im Atlantik und Ralfs kryptischen Aussagen, die fast durchwegs aus dem Off kommen.

Marxt, der an dem Film über vier Jahre hinweg in Zusammenarbeit mit dem Künstler Michael Petri gearbeitet hat, unterlegt die Monologe vielfach mit Landschaftsaufnahmen. Der Aussteiger selbst huscht immer wieder durch die Bilder, die jedoch nur selten auf ihn fokussieren. "Ich bin eigentlich noch nicht in dieser Welt angekommen", sagt er einmal, um dann auch sofort in Richtung Weltall abzudriften.

Völlig unverständliche Sprache

Da und dort ist man als Zuseher versucht zu glauben, dass man möglicherweise Schritt halten könnte mit seinen Gedanken - immer wieder wird man dann aber rasch eines Besseren belehrt. Stellenweise erinnern die Ansagen an seltsam entschleunigtes, NLP-gestähltes politisches Drumherum-Gerede. Was aber in der ZIB 2 oder ähnlichen Formaten meist nach ein paar Minuten ein Ende findet, hat in "Ralfs Farben" deutlich mehr Platz.

Der Betrachter sieht ein Paradebeispiel dafür, dass man auch mit präziser Sprache und Wortwahl in mitunter erstaunlich wohlgesetztem Rhythmus trotzdem über weiteste Strecken völlig unverstandlich bleiben kann. Für den Protagonisten selbst und in dem geistigen Kosmos, den er bewohnt, scheint all das irgendwie Sinn zu ergeben. Ein Eindenken in diese Welt scheint auch nach fast 70 Minuten aber höchstens punktuell möglich. All dem auch nur einen dünnen roten Faden an die Hand zu geben, ist von Marxt nicht beabsichtigt.

Kein Psychogramm

Damit gerät auch der Film weniger zum Psychogramm, im Sinne eines Versuchs Ralfs Denken und Handeln einigermaßen nachvollziehbar zugänglich zu machen, sondern bleibt eine zwar ästhetisch anspruchsvolle, aber ebenso abwegig-intellektualisierte Aneinanderreihung mehr oder weniger loser, großteils ruhiger Assoziations- und Bilderketten. Das ergibt einen unsteten Drift, der eigentlich ins Nichts führt und den Betrachter ratlos zurücklässt. Stellenweise könnte man sich in einem Helge-Schneider-Film wähnen, allerdings ist dort der Schwank deutlich ausgewiesen. Im Setting von "Ralfs Farben" schwingt hingegen eine Ernsthaftigkeit mit, der mitunter etwas sehr unvorteilhaft Voyeuristisches anhaftet.

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(APA/red)

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