Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush - Kritik und Trailer zum Film

Der deutsche Regisseur Andreas Dresen hat die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau verfilmt: Rabiye Kurnaz hat über Jahre darum gekämpft, ihren Sohn Murat aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba zu befreien, wo er nach dem 11. September ohne Anklage festgehalten wurde. Dresen porträtiert dank seiner Hauptdarstellerin Melten Kaptan die Mutter nun als einfühlsame, witzige und schlagfertige Frau, die wie eine Löwin um ihr Kind kämpft. Kaptan gewann für ihre schauspielerische Leistung einen Silbernen Bären der Berlinale.

Am 3. Oktober telefoniert Rabiye Kuraz aus Bremen mit Sohn Murat und sagt ihm, dass er zum Essen kommen soll. Doch der steht am Flughafen und will nach Pakistan. Es ist das letzte Mal für die nächsten 1.786 Tage, dass sie etwas von ihm hört. Dazwischen spannt sich die Leidensgeschichte einer Mutter, die Deutschlands vielleicht einfühlsamster Regisseur Andreas Dresen in "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" als Verbeugung vor einer starken Frau erzählt. Ab Freitag im Kino.

Rabiye Kuraz gegen George W. Bush - Kurzinhalt zum Film

Es ist die reale Geschichte des deutschen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz, die Dresen hier erzählt, und doch ist der Stern, um den in diesem Film alles kreist, Mutter Rabiye. Diese wird gespielt von der deutschen Kabarettistin Meltem Kaptan, die für ihre erste Hauptrolle bei der Weltpremiere des Films auf der heurigen Berlinale mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin geehrt wurde.

Ihre Figur ist eine einfache, bodenständige, aber kluge Frau. Mit blondierter Dauerwelle und mit ihrem Mercedes rauscht sie durch die Stadt, quält sich ins Fitnessstudio und stäubt ordentlich Puderzucker auf den Apfelkuchen. Sie scheut sich nicht, auf eigene Faust nach einem Anwalt zu suchen, auch nicht zum türkischen Justizminister zu fliegen, als sich die deutschen Behörden für ihren inzwischen von den USA im Straflager Guantánamo auf Kuba festgehaltenen Sohn Murat unzuständig erklären.

Von ihrem Elan mitgerissen, wird der Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke (gespielt von Alexander Scheer, der bereits in Dresens Liedermacherporträt "Gundermann" die Titelfigur verkörperte), der Reisen in die USA einfädelt und den Fall schließlich einer Sammelklage vor dem dortigen Supreme Court anschließt. Doch die US-Regierung unter Präsident Bush findet einen Ausweg, ohne Verfahren auf Guantánamo inhaftierte Menschen, die nicht die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen, weiter unter Folterbedingungen festzuhalten.

Vier lange Jahre dauert der Kampf, und immer wieder droht den Beteiligten die Kraft auszugehen. Einmal zieht Docke Rabiye mit, dann ist es wieder umgekehrt. Die Medien sind in diesem Kampf für Gerechtigkeit, aus dem sich die deutsche und türkische Politik feige heraushalten, ihre wichtigste und wirksamste Waffe.

Nach fünf Jahren des Ringens, der Erschöpfung und Verzweiflung, kommt Murat Kurnaz schließlich frei. Dank seiner Mutter, die wie eine Löwin für ihn gekämpft hat. Und als die Familie den Sohn nach dessen Freilassung mit dem Auto abholt, will dieser kurz aussteigen und den Himmel betrachten. Er wolle kurz allein sein. "Versteh' ich", sagt seine Mutter: "Ich komm' mit".

Rabiye Kuraz gegen George W. Bush - Die Kritik

Dresen ("Halt auf freier Strecke") zeichnet Rabiye als gewitzte Frau und schafft den unglaublichen Drahtseilakt, dass trotz aller Dramatik gelacht werden kann. Der Film erinnert aber auch daran, von welch enormen rechtsstaatlichen Defiziten die USA nach wie vor geprägt sind. Weiterhin werden 39 Menschen ohne Anklage im Straflager Guantánamo gefangen gehalten, heißt es im Schlussroller lapidar.

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(APA/Red)

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