Pyrotechnik und Parolen: Tausende Teilnehmer bei Demo gegen Akademikerball

Die Demonstration gegen den freiheitlichen Akademikerball in der Wiener Hofburg ist am Freitag um etwa 21 Uhr friedlich zu Ende gegangen.
Rund 2.500 Teilnehmer bei Demo gegen Akademikerball in Wien
Bei der Schlusskundgebung am Morzinplatz zählten die Organisatoren rund 3.000 Menschen, die Polizei schätzte etwa 2.500. Diese war selbst mit rund 1.200 Beamten im Einsatz. Gröbere Zwischenfälle gab es offenbar keine.
"Wir freuen uns, dass auch nach den Corona-Pausen so viele Menschen gegen den Akademikerball auf die Straße gegangen sind. Damit zählen die Proteste gegen den Burschenschafterball zu den beständigsten Protesten in der Geschichte Österreichs", zog Käthe Lichter, Sprecherin der "Offensive gegen Rechts" in einer Aussendung am Freitagbend Bilanz. Gerade die Pandemie habe gezeigt, dass rechtsextreme Gruppen versuchen würden, die gesellschaftliche Verunsicherung zu nutzen, um antisemitische Verschwörungsmythen erneut salonfähig zu machen. "Die FPÖ unterstützt diese Stimmungsmache und weigert sich auf ihren Kundgebungen, sich von antisemitischen Codes zu distanzieren", so Lichter.
Akademikerball-Demo laut Polizei ohne grobe Zwischenfälle
Größere Ausschreitungen gab es laut Polizeisprecher Markus Dittrich keine. Lediglich wurden ein paar kleinere pyrotechnische Gegenstände gezündet, was eigentlich verboten ist.
Das Platzverbot rund um die Hofburg habe man deshalb so groß gemacht, weil die Erfahrung der vergangenen Jahre gezeigt habe, dass es das brauche, um die beiden Gruppen voneinander abzuschirmen, sagte er während der Demonstration zur APA.
Auch der Wiener Wirtschaftskammer waren bis zum Ende der Demonstration keine Schadensmeldungen bekannt.
Im Vorfeld scharfe Kritik an Wiener Akademikerball
Kritik an dem Ball und seinem Veranstaltungsort kam im Vorfeld von mehreren Seiten. Vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Oskar Deutsch, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der APA: "Heute beschämen wieder verkleidete Kellernazis ganz Österreich."
Und auch die Wiener Grünen zeigten sich empört. Gemeinderätin Viktoria Spielmann findet es "beschämend, dass der rechtsextreme Akademikerball nach wie vor in den repräsentativen Räumen der Republik stattfinden darf". Dass daran FPÖ-Granden wie der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer und Volksanwalt Walter Rosenkranz teilnehmen, sorgte auch bei der SPÖ für Kritik. "Es ist unannehmbar, dass offizielle Vertreter Österreichs und Burschenschafter den Jahrestag des Überfalls Russlands auf die Ukraine tanzend begehen", meinte deren Sprecherin für Erinnerungskultur Sabine Schatz in einer Aussendung.
(APA/Red)