Pubertäre Sinnsuche: "Mum, ich bin jetzt Grufti"

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Neue Klasse, neue Freunde, neues Styling: Wenn der süße Fratz plötzlich völlig verwandelt in der Tür steht, heißt es für Eltern zunächst tief Luft holen. Trotzdem: "Man muss deswegen nicht das Leiberl werfen", sagte Erziehungsberaterin Martina Leibovici-Mühlberger.
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Es kommt wieder die Zeit, “wo es (das erwachsene Kind, Anm.) sich eine Krawatte umbindet” oder mit geputzten Schuhen antanzt, meinte sie zuversichtlich.

Das wichtigste für die Eltern-Kind-Beziehung in der Pubertät ist, “nicht den Faden zueinander verlieren”. Der tägliche Dialog mit dem Kind ist ganz wesentlich. Fixpunkte oder verbindliche Aktivitäten wie gemeinsames Essen oder Hobbys ermöglichen auf “unspektakulärer täglicher Ebene” sich auszutauschen und den Finger am “Puls” zu haben.

Das größte Problem ist laut der Erziehungsberaterin, dass “wir heute unsere Kinder zu früh loslassen und freisetzen. Ich kenne Fälle aus meiner Online-Beratung, wo Eltern anfragen, ob ihr Kind mit 14 schon auf Interrail gehen darf?”, erzählte sie. Kinder erscheinen zwar früh erwachsen, sind es aber nicht.

Eltern heute haben pubertierende Kinder im Alter von 40 oder 45 Jahren. In einer Lebensphase, wo sich sich selber mit dem Älterwerden auseinandersetzen müssen. “Das erspare ich mir, wenn ich mich mit meinem Kind in einer Art Kameradschaft verbünde”, sagte Leibovici-Mühlberger. “Ich gehe weg von meiner Führungsposition, um selber jung bleiben zu können”. Der Dialog auf der Eltern-Kind-Ebene gerät dann in den Hintergrund. Ist dieser aber gefordert – etwa wenn das Kind plötzlich mit dem neuen Tattoo in der Tür steht – ist es meist zu spät. “Von einem Freund nimmt das Kind keine Weisung mehr entgegen.” Dann zu schimpfen bringt nichts.

Gerät der Sprössling in eine fragwürdige Szene, ist das Elternhaus oft zu Unrecht vorschnell verurteilt. “Da kommen viele Faktoren zusammen. Der hohe Peergruppendruck spielt etwa eine Rolle”, erklärte die Expertin. Eltern dürfen dann nicht aggressiv eingreifen, “dann gelingt der Dialog nicht mehr”. Bekommt die Gleichaltrigengruppe einen dominanten Stellenwert, “und Schule und Familie sind plötzlich nicht mehr wichtig”, dann hat man es mit einem ernstzunehmenden Konfliktpotenzial zu tun. “Mit einer Krise im Kind. Dann ist es Zeit, professionelle Beratung zu holen.”

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