Psychologen: keine EURO-Euphorie bei Sieg gegen Deutschland

Dass Teamchef Josef Hickersberger vor dem Ländermatch gegen Deutschland mit seiner Aussage "Ein Sieg wäre eigentlich unglaublich schlecht für uns" die Motivation der ÖFB-Elf bremsen könne, wird von Psychologen bezweifelt.

Auch, dass dadurch plötzlich eine EURO-Euphorie aufkommen könnte, sei eher nicht zu erwarten, sagte Günter Amesberger, Leiter des Bereichs Sportpädagogik und Sportpsychologie der Universität Salzburg.

“Euphorie ist ein emotionales Gefühl, das man nicht über Monate halten kann. Das wäre schon sehr lustig, wenn ein Land über drei Monate hinweg in euphorischer Fußballlaune wäre. So etwas kommt erst mit den Spielen selbst”, erklärte Amesberger. Also frühestens im Juni.

Ob die Aussage Hickersberger die Motivation oder die Leistung im Vorfeld beeinflussen könne, verneinte der Experte. Der Trainer sei natürlich wichtig, er führt die Mannschaft, bringt Struktur und Strategie hinein, kann aber durch Aussagen kurz vor einem Match die Spieler nicht wirklich beeinflussen.

“Es zeichnet einen Profispieler aus, nicht sofort auf Zurufe von außen zu reagieren. Jeder Spieler hat seine selbstständige Motivation”, sagte der Psychologe. Der Profi hat ein Muster, wie er an ein Spiel herangeht, er muss wissen welche Aufgabe er hat, was seine Rolle ist und wie er das am besten umsetzt. Der Motivationsvorgang von außen ist nicht vorrangig wichtig.

Ein Sieg würde die Erwartungshaltung in Hinblick auf die EURO aber natürlich nach oben katapultieren. Im Fußball zählen Ergebnisse enorm, mehr noch als die Leistung. “Der Gradmesser ist der Erfolg. Und man kann einen knappen Sieg auch mit schlechter Leistung erzielen”, so Amesberger. Im Endeffekt zählt der Erfolg.

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