Psychisch Kranke prügelte Wiener Frühpensionisten in Favoriten ins Koma - Prozess um Unterbringung

Ein Frühpensionist wurde mit seinen eigenen Krücken ins Koma geprügelt
Ein Frühpensionist wurde mit seinen eigenen Krücken ins Koma geprügelt ©Bilderbox (Symbolbild)
Im Juli 2011 ereignete sich eine schockierende Tat in Wien-Favoriten: Eine psychisch kranke, entmündigte 26-Jährige schlug auf einen 61-Jährigen mit dessen Krücken ein. Der Mann wurde schwer verletzt und geriet in ein Wachkoma. Die Geschworenen entschieden beim Prozess am Montag: Die Frau muss in eine Anstalt.

Mit seinen eigenen Krücken hat eine 26-Jährige im Juli vergangenen Jahres einen 61-Jährigen in Favoriten ins Wachkoma geprügelt. Die junge Frau, die zum damaligen Zeitpunkt bereits unter Sachwalterschaft stand, ist für diese Tat aufgrund ihrer paranoiden Schizophrenie nicht zur Verantwortung zu ziehen. Ein Geschworenensenat im Wiener Landesgericht musste sich am Montag mit der Frage beschäftigen, ob die Angeklagte in einer Anstalt für abnorme Straftäter unterzubringen ist.

Der Vorfall in Favoriten

Die 26-Jährige hatte den Frühpensionisten bereits längere Zeit gekannt und ihn am 26. Juli 2011 in dessen Wohnung nach Favoriten begleitet. Was dort geschah, liegt im Dunkeln, da das Opfer nicht befragt werden kann und die Angeklagte unterschiedliche und vor allem sehr wirre Aussagen bei der Polizei sowie vor dem vorsitzenden Richter Friedrich Forsthuber machte.

Sie habe von ihrem Opfer die “Schlüssel zur Titanic haben wollen”, sagte die junge Frau unter anderem, und dass der kleingewachsene 61-Jährige sie geschlagen und ihr die Nase gebrochen habe. Verletzungen wurden allerdings keine festgestellt. Etwas später gab sie an, gar nicht in der Wohnung gewesen zu sein.

Opfer ebenfalls entmündigt

Das Opfer stand ebenfalls unter Sachwalterschaft, da er aufgrund seines Alkoholismus nicht mit Geld umgehen konnte. Der mit dieser Aufgabe betraute Schwager konnte Aggressionen durch diesen nicht nachvollziehen: “Wenn er sich mit einem zwölfjährigen Schüler angelegt hätte, hätte er den Kürzeren gezogen.” Zudem litt der 61-Jährige unter sogenannten Glasknochen. “Er hat jeden Knochen im Körper schon einmal gebrochen gehabt.” Aufgrund der extrem dünnen Schädeldecke des 61-Jährigen hatten die Schläge mit der Krücke extreme Folgen. Der Pensionist ist zwar aus seinem Koma aufgewacht, kann aber lediglich die linke Hand und das linke Bein unkontrolliert bewegen und völlig unartikuliert sprechen.

Einstimmige Entscheidung der Geschworenen

Der psychiatrische Sachverständige beschrieb die Verwirrtheit, die Wahnideen, Halluzinationen und die fehlende Krankheitseinsicht der 26-Jährigen. Seine Prognose fiel sehr ungünstig aus. Die Geschworenen entschieden nach stundenlanger Beratung einstimmig, dass die 26-Jährige in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher untergebracht wird. Richter Friedrich Forsthuber machte in seiner Urteilsbegründung deutlich, dass man im Verlauf des Prozesses gemerkt habe, dass die Angeklagte noch weit von der Realität entfernt sei. Aufgrund ihrer Wahnvorstellungen und Bedrohungsgefühle sei die Gefahr weiterer Tatbegehungen gegeben. Die junge Frau nahm sich Bedenkzeit, der Staatsanwalt war mit dem noch nicht rechtsgültigen Urteil einverstanden.
(APA)

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