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Prozess um Wiener Stradivari-Diebstahl

Nach dem aufsehenerregenden Diebstahl einer Stradivari-Geige zu Pfingsten dieses Jahres in Wien müssen sich morgen im Landesgericht Eisenstadt drei Georgier als mutmaßliche Täter vor einem Schöffensenat verantworten.

Dem Trio werden neben dem Diebstahl der wertvollen Instrumente – allein die Stradivari wurde auf rund 2,5 Millionen Euro geschätzt – auch neun weitere Einbrüche sowie die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation zur Last gelegt.

Ein Paket, das aufmerksamen Mitarbeitern in einem Postamt in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus auffiel, hatte Ermittler im Juni auf die Spur der Angeklagten gebracht. Im Paket, das wie auch andere Poststücke mit Diebsgut nach Georgien geschickt werden sollte, befanden sich neben einem Koffer aus der Wohnung des bestohlenen Stargeigers Christian Altenburger auch Beutestücke aus weiteren Einbrüchen.

Dem Trio, das sich in Haft befindet, wird weiters vorgeworfen, bei einem anderen Einbruch Schmuck, Münzen und Kleidung um insgesamt etwa 100.000 Euro mitgenommen zu haben. In anderen Fällen sollen die Männer – zwei 29-Jährige und ein 25-Jähriger – Bargeld, Armbanduhren, Parfüms, Kameras, aber auch Gegenstände wie eine Chirurgenschere mitgehen lassen. Auf dem Müllsack, in welchem der aus der Wohnung des Musikers gestohlene Samsonite-Koffer verpackt war, fanden sich Fingerabdrücke von zwei Angeklagten. Einer der Männer war auch auf einem Bild zu sehen, das mit einer gestohlenen Digitalkamera fotografiert worden war.

In der Wohnung des Geigers wurde der eingemauerte Wandtresor mit einer Trennscheibe aufgeschnitten. Aus dem Stahlschrank wurden die beiden Violinen sowie drei Geigenbögen, Zubehör und Zertifikate über den Wert der Instrumente entwendet. Am Tatort stellten Kriminalisten auf einem Klebeband DNA-Spuren von einem der Männer sicher.

Die Beute aus diversen Einbrüchen sollen die Angeklagten in eine “Bunkerwohnung” in Wien-Hernals gebracht haben, die sie auch bewohnt hätten. Bei den Coups wurden zumeist die Füllungen oder Kassetten der Eingangstüren aufgebrochen, um so in die einzelnen Räumlichkeiten zu gelangen.

Den Diebstahl der Geigen gaben bisher zwei Angeklagte zu, der dritte zeigte sich teilweise geständig. Die Paketversendungen nach Georgien hätten sie im Auftrag einer vierten Person durchführen sollen, rechtfertigten sich zudem zwei der Männer.

Im Fall eines Schuldspruches wegen gewerbsmäßigem schwerem Einbruchsdiebstahl sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung reicht das Strafausmaß bis zu zehn Jahre Haft. Als Zeugen im Prozess wurden neben dem Musiker Altenburger mehrere weitere Einbruchsopfer geladen. Auch die Beiziehung eines Geigenbauers als Sachverständigem wurde beantragt. Dieser soll sich im Verfahren zum Wert der Instrumente äußern.

Im Zuge von Erhebungen nach Einbrüchen wurden neben den drei Georgiern insgesamt rund ein Dutzend Verdächtige von der Polizei gefasst. Dass der Prozess gegen die drei Männer in Eisenstadt und nicht in Wien stattfindet, begründen Juristen mit dem Prinzip der Konnexität. Es sieht vor, dass beim Vorliegen strafbarer Handlungen von mehreren Personen als Beteiligten das Strafverfahren nach Möglichkeit beim selben Gericht zu führen ist. Im konkreten Fall gab es beim Landesgericht Eisenstadt bereits einmal ein Verfahren gegen einen mutmaßlichen Mittäter der drei Angeklagten wegen eines anderen Diebstahls. Dies hatte zur Folge, dass das Landesgericht auch die aktuelle Strafsache übertragen bekam.

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