Prozess um Supermarkt-Überfall in Wien-Favoriten: Kühltruhe vor Gericht

In diese Kühltruhe waren die Opfer gesperrt
In diese Kühltruhe waren die Opfer gesperrt ©BPD Wien
Am Wiener Straflandesgericht hat am Donnerstag der Prozess um einen überaus brutalen Raubüberfall auf einen Supermarkt in Wien-Favoriten begonnen. Mit im Verhandlungssaal: Jene Kühltruhe, in die der Angeklagte zwei Mitarbeiter sperrte - was diese fast nicht überlebt hätten.
Der brutale Überfall

Der Angeklagte hatte am 26. März 2013 einen Überfall auf eine Filiale der Supermarkt-Kette Lidl in der Quellenstraße in Wien-Favoriten begangen. Dabei soll er zwei Mitarbeiter in einen Kühlcontainer gesperrt haben. Die Opfer überlebten den eineinhalbstündigen Horrortrip, bei dem sie in dem luftdichten Raum gefangen waren, nur knapp.

Der Supermarkt-Überfall im Detail

Gegen 5.30 Uhr hat sich laut Staatsanwaltschaft folgendes zugetragen: Zwei Lidl-Angestellte befanden sich in der Filiale, als es am Lieferanteneingang klopfte. Die Frau blickte durch den Spion, sah einen Mann mit Lidl-T-Shirt und öffnete die Tür. Anschließend ging alles blitzschnell: Milos M. verschaffte sich – gemeinsam mit einem bis dato völlig unbekannten Komplizen – gewaltsam Zutritt zu den Räumlichkeiten. Die Mitarbeiter wurden mit einer Waffe bedroht, um den Zahlencode für den Tresor herauszupressen.

Tageslosung erbeutet – Mitarbeiter eingesperrt

Den Tätern gelang es zwar, den Tresor zu öffnen und die Tageslosung in der Höhe von rund 8.000 Euro zu erbeuten, dennoch sperrten sie die beiden Angestellten in eine 1,65 Meter hohe, 65 Zentimeter breite und 1,08 Meter tiefe Kühltruhe und drehten sie mit der Tür zur Wand. Während die Männer flüchteten, spielten sich in der Kühltruhe dramatische Szenen ab. Die beiden Opfer versuchten sich mit allen Mitteln zu befreien, was jedoch lediglich dazu führte, dass der Sauerstoff noch schneller aufgebracht war.

Rettung in letzter Minute – Opfer traumatisiert

Eineinhalb Stunden waren die zwei Lidl-Angestellten in dem luftdicht abschließenden Raum gefangen – und dem Tod bereits sehr nah. Die Rettung erfolgte sprichwörtlich in letzter Minute. Beide sind heute schwer traumatisiert, der junge Mitarbeiter kann seinem Verteidiger zufolge “mit seinem Leben nichts mehr anfangen”.

Verteidiger: “Grauenhafte Tat – er war es nicht”

Für die Verteidigung ist Milos M., der des versuchten Mordes und schweren Raubes angeklagt ist, allerdings unschuldig: “Es ist eine grauenhafte Tat, aber er hat sie nicht begangen.” Es sei nicht nachvollziehbar, warum der Angeklagte mit seinem Mobiltelefon ein Taxi bestellte, um sich just zu jener Lidl-Filiale bringen zu lassen, in der er einst tätig war – und zwar bis August 2012. Dann wurde M. entlassen, weil er Geld aus der Kassenlade abgezweigt haben soll. Es folgte ein Freispruch im Zweifel.

Überdies sei es keine “Flucht” gewesen, die M. nach der Tat Richtung Serbien angetreten habe. Die Reise habe den Zweck gehabt, familiäre Angelegenheiten zu regeln. Außerdem sei es “eigenartig”, warum am Tatort zwar DNA-Spuren des Angeklagten gefunden wurden, beide Täter jedoch Handschuhe trugen.

Der Geschworenenprozess unter Vorsitz von Richter Georg Olschak wurde mit der Befragung der Opfer (in Abwesenheit des Angeklagten) fortgesetzt.

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