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Prozess um Diätpillen-Schwindel erneut vertagt

Der nächste Verhandlungstermin ist am 1. September.
Der nächste Verhandlungstermin ist am 1. September. ©APA (Sujet)
Ein Ehepaar soll jahrelang mit falsch deklarierten Diätpillen gehandelt haben. Vor Gericht schoben beide die Schuld auf den Vertriebspartner, der Prozess musste erneut vertagt werden.
Ehepaar flog mit Diätpillen-Schwindel auf

Der Prozess rund um ein Ehepaar, das von Wien aus mit falsch deklarierten Diätpillen gehandelt haben soll, ist am Montag erneut vertagt worden. Der Frau und ihrem deutschen Ehemann wird vorgeworfen, über Jahre hinweg die Kapseln als Naturprodukt angepriesen zu haben, obwohl sie auch Abführmittel enthielten. Beide bekannten sich nicht schuldig und schoben die Verantwortung auf den Vertriebspartner.

Angeklagte wälzten Schuld auf nicht greifbaren Vertriebspartner ab

Dieser Geschäftspartner, der bis heute nicht für die Polizei greifbar ist, hat zunächst den mittlerweile 51-jährigen Deutschen angestellt, damit er sich um der Vertrieb der Diätpillen kümmern konnte. Die Kapseln, die beim Abnehmen helfen sollen, wurden in der Türkei hergestellt und sollten seinen Angaben zufolge ausschließlich pflanzliche Inhaltsstoffe - Grüner Tee, Rosmarin, Fenchel, Heidekraut, Himbeere und Koriander - enthalten.

Nach einigen Jahren lernte der Deutsche jedoch seine spätere Ehefrau in Wien kennen und wollte von München in die Bundeshauptstadt ziehen. Da schlug der Vertriebspartner vor, er solle doch "so schnell wie möglich eine Firma" gründen und den Verkauf der Abnehmpillen von Wien aus abfertigen, berichtete der 51-Jährige dem Richter Johannes Varga.

Mailverkehr zu Bemühen um Pillen-Analyse vorgelegt

2017 kam es dann zu ersten Beschwerden von den vornehmlich weiblichen Abnehmerinnen, sie sprachen von "Herzrasen, Schwindel, Kreislaufproblemen". Es kam zu einer Hausdurchsuchung durch die Polizei. Wie eine chemische Analyse ergab, war den Pillen neben künstlichen Duftstoffen auch Phenolphthalein beigemengt, das früher als Abführmittel verwendet wurde und in dieser Funktion inzwischen nicht mehr gebräuchlich ist, weil es Magen-Darm-Beschwerden verursachen kann.

"Meine Absicht war, niemandem Schaden zuzufügen", sagte der 51-Jährige. Er habe sogar selbst eine Analyse in Auftrag geben wollen, doch Labors in Österreich und in Deutschland lehnten diese ab. Dazu legte der Mann durch seinen Anwalt einen diesbezüglichen Mailverkehr vor. Beruhigung kam dann von seinem Vertriebspartner, der die Pillen in der Türkei testen ließ und das Gutachten wies nur völlig unbedenkliche Inhaltsstoffe aus. "Die Zusammensetzung hat nur der Geschäftspartner gewusst, er sagte, das habe sein Vater vor 40 Jahren entwickelt", gab der 51-Jährige an. Er selbst habe niemals Kapseln befüllt. "Er war immer so nervös, jetzt ist mir klar, welches Spiel er gespielt hat", beschrieb der Angeklagte den Hintermann.

Über 700 Abnehmer: In Österreich 150 Kunden betroffen

Der 51-Jährige fehlte beim Prozessauftakt im Juni. Er war damals in Deutschland, wo er laut seinem Anwalt mit dem Coronavirus infiziert war. Gegen den Mann läuft im Zusammenhang mit den falsch deklarierten Pillen auch in Deutschland ein Ermittlungsverfahren. Über 700 deutsche Abnehmer sollen sich mit den gegenständlichen Pillen beliefern haben lassen. In Österreich waren 150 Kunden betroffen. Für eine Packung mit 30 Kapseln hatten die Angeklagten 50 Euro verlangt. Sie müssen sich nun wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz verantworten.

Beim nächsten Verhandlungstermin am 1. September soll das Gutachten des türkischen Labors übersetzt und jene Zeugen gehört werden, die am zweiten Prozesstag am Montag unentschuldigt dem Gericht fern blieben.

(APA/Red)

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