Prozess nach Unfall auf Wiener Gürtel: Womöglich falsche Person angeklagt

Der Prozess nach dem Unfall am Wiener Gürtel, bei dem ein Passant getötet wurde, musste vertagt werden.
Der Prozess nach dem Unfall am Wiener Gürtel, bei dem ein Passant getötet wurde, musste vertagt werden. ©APA-FOTO: POLIZEI
Am 6. April 2014 ereignete sich der schwere Verkehrsunfall am Wiener Gürtel, bei dem ein 52-jähriger Passant getötet wurde. Nun musste der Prozess am Wiener Straflandesgericht vertagt werden, da die Staatsanwaltschaft möglicherweise die falsche Person angeklagt hat.
Prozess gegen Alko-Lenker
Passant bei Unfall getötet

Gegen 2.00 Uhr hatte ein Autofahrer am Inneren Mariahilfer Gürtel aufgrund überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Der Pkw kam ins Schleudern, geriet auf den Gehsteig, stieß einen Fußgänger zu Boden und krachte schließlich gegen einen Lichtmasten, der das Fahrzeug in zwei Teile zerriss. Für den Passanten kam jede Hilfe zu spät, die beiden Insassen des Autos – 19 und 35 Jahre alt – erlitten schwerste Verletzungen. Sie mussten mit einer Bergeschere aus dem Wrack befreit werden. Dem 19-Jährigen, der Kopfverletzungen sowie einen Bruch des Oberschenkels, eines Lendenwirbels, des Kreuz- und Schambeins davontrug, rettete eine Notoperation das Leben. Dem 35-Jährigen wurden beide Beine zertrümmert. Er sitzt seither im Rollstuhl. Es ist fraglich, ob er je wieder gehen wird können.

34-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Der Ältere der beiden musste sich nun wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen vor Richterin Claudia Geiler verantworten. Die Anklage legt ihm zur Last, in alkoholisiertem Zustand – ein Alkotest erbrachte einen Wert von 0,87 Promille – die nötige Sorgfalt außer Acht gelassen zu haben. Außerdem besitzt der 35-Jährige keinen Führerschein.

“Im Vorfeld ist hier leider sehr wenig ermittelt worden”, gab Verteidiger Christian Werner gleich zu Beginn der Verhandlung zu bedenken. Es sei nämlich unklar, ob sein Mandant überhaupt am Steuer saß. Dieser könne sich – vermutlich infolge der Schwere des Unfalls – an das Geschehen nicht mehr erinnern.

Nach Unfall am Wiener Gürtel: Fahrer unklar

Bei den Erhebungen zum Unfallhergang war offenbar darauf verzichtet worden, die am Ort des Geschehens tätigen Einsatzkräfte danach zu befragen, welcher der beiden Männer sich am Fahrersitz befunden hatte. Jedenfalls wurden keine entsprechenden Angaben vermerkt. Auch die Einholung eines technischen Sachverständigengutachtens wurde für nicht nötig befunden. Ebenso wurden keine DNA-Untersuchungen durchgeführt. Beim 19-Jährigen wurde auch kein Alko-Test durchgeführt.

“Ich kann mich an den Vorfall nicht erinnern. Falls es wirklich passiert sein sollte, tut es mir schrecklich leid”, sagte der 35-Jährige in seiner Einvernahme. Er finde es jedenfalls “generell eigenartig, dass ich gefahren sein soll”. Grund: Das Auto habe seinem jugendlichen Freund – die beiden hatten einander auf einer Hochzeit kennengelernt und waren danach ab und zu an den Wochenenden gemeinsam ausgegangen – gehört und sei auf dessen Mutter zugelassen gewesen. Für den Burschen sei das Auto “sein Heiligtum” gewesen: “Mit dem ist keiner gefahren.”

Er habe den späteren Unfallwagen nur ein einziges Mal auf einem Parkplatz “ein paar Meter zurück, ein paar Meter vor” bewegt, weil der 19-Jährige beim Erwerb des Autos wissen wollte, ob dieser etwas tauge. Als gelernter Kfz-Mechaniker habe er das beurteilen können, erklärte der 35-Jährige. Seitdem sei er seines Wissens “mit dem Fahrzeug nie wieder gefahren”.

Keine Erinnerung an Unfall

Anschließend wurde der 19-Jährige als Zeuge unter Wahrheitspflicht befragt. Auch er machte eine Erinnerungslücke geltend: “Vom Samstag hab’ ich keine Erinnerung mehr, zum Unfall schon gar nicht”. Als ihm nach der überstandenen Operation die Ärzte und seine Eltern erzählten, was passiert war, sei er “sehr verwundert” gewesen. Das Auto sei “normalerweise von mir benutzt” worden: “Ich weiß nicht, ob er (der Angeklagte, Anm.) es gelenkt hat.” Dass dieser keine Lenkerberechtigung besaß, habe er nicht gewusst. “Selten, aber doch” seien auch andere damit gefahren, verwies der 19-Jährige diesbezüglich auf seine Mutter und einen Arbeitskollegen.

(APA)

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