Prostitution im Stuwerviertel "permanentes und zunehmendes Problem"

Prostitution im Wiener Stuwerviertel: Das ist ein "permanentes und zunehmendes Problem", sagt Peter Goldgruber, Leiter der sicherheits- und verkehrspolizeilichen Abteilung. Die Freier schreien quer über die Straße

Wobei die Zahlen, nicht zuletzt jahreszeitlich bedingt, stark schwanken. “Manchmal stehen nur vier bis fünf Prostituierte in dem Grätzel, manchmal sind es 20.”

Weil das Problem sich vergrößere, sei es notwendig, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Goldgruber: “Das Einschreiten gegen Prostituierte allein hat sich als nicht sinnvoll erwiesen.” Gegen diese geht die Exekutive vor, weil es sich “zum Großteil” um nicht registrierte, also illegale Gunstgewerblerinnen handelt. “In den Lokalen ist das Verhältnis zwischen legalen und Geheimprostituierten in etwa ausgeglichen.”

Mit dem Problem der illegalen Prostitution tauchen auch alte Probleme wieder auf. “Wir beobachten einen Anstieg der Fälle bei bereits erledigt geglaubten Geschlechtskrankheiten”, sagte Goldgruber. Laut dem zuständigen Ambulatorium der Stadt Wien gibt es in Wien etwa 1.800 Prostituierte mit Kontrollkarte. Schätzungen zufolge gehen zwischen 3.000 und 5.000 Frauen der Sexarbeit in der Bundeshauptstadt nach. Die Dunkelziffer ist hoch. Goldgruber zufolge gibt es eine hohe Fluktuation: “Viele Prostituierte sind auch nur einmal anzutreffen.”

Im Stuwerviertel beginne das Problem schon in den Mittagsstunden, sagte der Exekutivbeamte. “Da sind Schulen und Kindergärten noch in Betrieb.” Geändert hat sich aber die Struktur des Strichs in dem Grätzel: Die in früheren Jahren dort beobachteten Phänomene wie Drogen- und Kinderprostitution hat sich Goldgruber zufolge in andere Teile Wiens, etwa rund um den Westbahnhof oder zum Teil auch in Richtung Karlsplatz verlagert.

Indem man die Zuhälter und die Kunden der Prostituierten nun verstärkt mit Sanktionen bedroht, hofft die Exekutive das Problem nun in den Griff zu bekommen. Die Argumentation: Im Stuwerviertel ist die Prostitution nach dem entsprechenden Wiener Gesetz eigentlich zur Gänze verboten. Wer die Frauen anspricht, veranlasst sie zur Begehung einer Verwaltungsübertretung oder erleichtert ihnen dies zumindest, was unter Strafe steht. Wer einen RSA-Brief nach Hause bekommt, werde es sich in Zukunft vielleicht überlegen, in das Viertel zu fahren.

Doch Rechtsexperten erscheint die Rechtsansicht der Polizei unvertretbar. Das Ansprechen von Prostituierten sei “ganz klar nicht strafbar”, erklärte Rechtsanwalt Helmut Graupner vor kurzem. Denn Prostituierte würden durch das Ansprechen nicht zum Anbahnen veranlasst, wie es im Paragraf 7 Verwaltungsstrafgesetz unter Strafe gestellt wird, so der Advokat. “Die stehen bereits dort und bahnen bereits an, lassen bereits erkennen, dass sie die Prostitution ausüben wollen. Ansonsten könnten sie nicht angesprochen werden und (zuvor) als Prostituierte erkannt werden.”

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