Priklopils zweites Opfer am Montag im Fernsehen

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Jene heute 31-jährige Frau aus Vorarlberg, die nach eigener Aussage als kleines Mädchen von Kampusch-Entführer Wolfgang Priklopil in Strasshof missbraucht wurde, gibt dem ORF ein Interview. Am Montag wird es ausgestrahlt.

Die Vorarlbergerin meldete sich bei den Machern des ORF-Magazins „Thema”, das von ihrem “Landsmann” Christoph Feurstein moderiert wird. „Ihre Betreuerin, bei der sie in Therapie ist, hat angerufen. Ich habe mich dann mit der Frau getroffen und wir haben viele Stunden miteinander geredet”, schilderte Feurstein.

In die Wiese gezerrt

Wie die „VN” bereits in der Donnerstagsausgabe berichteten, soll Wolfgang Priklopil 14 Jahre vor dem Kidnapping das damals kleine Mädchen in Niederösterreich sexuell missbraucht haben. Schon im Sommer 2008 brachte die heute 31-Jährige die Anzeige ein.

Die Vorarlbergerin sagte den Ermittlern, zu Ostern 1985 habe sie die Ferien im Schrebergarten ihrer Eltern in Strasshof in Niederösterreich verbracht. Die damals Siebenjährige sei am letzten Ferientag „von einem Mann auf einem Fahrrad in die Wiese gezerrt und sexuell missbraucht worden”.

Zu den Akten gelegt

Die Frau, die nach wie vor in Vorarlberg lebt, dürfte die Erlebnisse nach Feursteins Einschätzung nicht verarbeitet haben. Die Vorarlbergerin gab den Ermittlern an, sie hätte die fürchterlichen Kindheitserlebnisse mit Priklopil längst verdrängt. Erst als das Konterfei von Nataschas Entführer in den Zeitungen auftauchte, habe sie sich wieder an die Vorkommnisse erinnert.

In phantasievollen Medienberichten äußern sich ungenannte Ermittler der Polizei, Priklopil soll das Mädchen befummelt und sich selbst befriedigt haben. Feurstein – von den „VN” darauf angesprochen: „Ich weiß nicht, woher das stammt. Im Gespräch mit uns sagt sie das jedenfalls nicht.

Über den Inhalt des Interviews will und darf Feurstein überhaupt nicht viel sagen: „Wir haben darüber gesprochen, wie das damals passiert ist, was passiert ist und was die Hintergründe sind.” Jedenfalls sei er im Lauf des Gesprächs zur Überzeugung gekommen, „dass ihre Geschichte sehr ernst zu nehmen ist”. Deshalb will die „Thema”-Redaktion das Interview in ihrer Sendung am kommenden Montag (21.10 Uhr, ORF 2) ausstrahlen.

Medienberichten, wonach die „Vergangenheitsbewältigung” der Frau auf Honorarbasis geschehe, widerspricht Feurstein energisch: „Das ist alles ohne auch nur einen Cent passiert. Wir zahlen nie für Interviewpartner.”

Ermittlungen eingestellt

Und während ORF-Mann Feurstein es „seltsam” findet, dass die Polizei sich nicht mehr für die heute 31-Jährige interessiert habe, ist der Fall für die Behörden erledigt, da verjährt. Und: „Gegen Tote kann nicht ermittelt werden.” Da Wolfgang Priklopil nach Nataschas Flucht im August 2006 den Freitod wählte, bleibt der Staatsanwaltschaft nichts anderes übrig als die Ermittlungen einzustellen.

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