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Präsident von Venezuela in der Arena

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Cool: Während die anderen Staatschefs des EULAC-Gipfels fein im Schloss Schönbrunn dinierten, fuhr Hugo Chavez in die Wiener Arena, um seine Fans und Unterstützer zu besuchen. Die mussten allerdings lange auf ihn warten.

„Uh, ah, Chavez no se va” – „Uh, ah, Chavez geht nicht weg”, skandierten die Anhänger des venezolanischen Präsidenten am Freitagabend. Hunderte von ihnen waren in die Wiener Arena gekommen, um ihr Idol zu hören. Dabei schien es zunächst, als ob Hugo Chavez nicht einmal kommen würde. Bundespräsident Heinz Fischer hatte zur gleichen Zeit zu einem Galadiner der Teilnehmer des EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfels, an dem der Präsident teilnimmt, ins Schloss Schönbrunn geladen.

Doch der Staatschef weiß, wann der richtige Zeitpunkt für seinen Auftritt ist. Gerade als die geduldigen „Fans” – zumeist Jugendliche – nach mehr als zweieinhalb Stunden Wartezeit zu pfeifen beginnen und erste „Wo bleibt Chavez”-Rufe erschallen, kommt es aus dem Lautsprecher: „Freunde, der venezolanische Revolutionär Hugo Chavez ist auf dem Weg hierher.”

Rechtzeitig werden noch rote Flaggen mit weißem Chavez-Konterfei in die Zuhörermenge geworfen. Dort wehten bisher nur welche mit dem schwarzen Bild „Che” Guevaras. Und als Präsident nach kurzer Zeit tatsächlich an die Rampe der Tribüne tritt, können die Anhänger schließlich „Chavez, amigo, Viena esta contigo” – Chavez, Freund, Wien ist mit dir” rufen.

Der „Comandante” enttäuscht die Erwartungen der Gekommenen nicht. „Guten Abend. Ich liebe euch alle”, grüßt er auf Deutsch und löst einen ersten Beifallssturm aus. Verbale Attacken gegen den Erzfeind USA fehlen in seinen ausgedehnten Ausführungen genauso wenig wie Würdigungen von Kubas bald 80-jährigem kommunistischen „maximo lider” Fidel Castro.

In seine Aufrufe, der Übermacht des US-amerikanischen Imperialismus etwas entgegen zu setzen und sich in weltweiter Solidarität zu vereinigen, mischt er ein Mal eine Anekdote aus seiner Jugend, ein anderes Mal Lektüre-Tipps. Sogar ein heimatliches Lied über den Mond streut der Präsident singend ein und erntet den eingeplanten Jubel. „Dieses Jahrhundert ist das Ende des nordamerikanischen Imperialismus”, macht er Mut und appelliert an den Kampfesgeist.

Thomas (18) und Robert (19), zwei eingefleischte Chavez-Unterstützer, sind eigens aus Leoben gekommen. „Wir solidarisieren uns mit den verarmten Bauern und Arbeitern Lateinamerikas”, sagen sie. Chavez sei der erste, der „dem imperialistischen Amerika Widerstand bietet”. Der Präsident habe das von ausländischen Unternehmen okkupierte Venezuela den rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben – dem Volk.

Die 20-jährige Lesia ist von noch weiter angereist. Sie gehört zu einer Gruppe von 32 Linksaktivisten aus der Ukraine. Auch sie ist nur wegen Chavez gekommen. „Wir unterstützen diese Veränderungen (…) Wir unterstützen alles, was links ist. Chavez gibt dem Volk gerade das, was es braucht”, meint Lesia, die ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift „Anti-Capitalista” mit Buchstaben im Stil des Coca-Cola-Logos trägt.

Auch Christine Brych (70) hält von Chavez „sehr viel”. „Er versucht die Schere zwischen Armen und Reichen nicht so klaffen zu lassen und zeigt Solidarität mit anderen Ländern”, so die Leiterin eines Wiener Sozialprojekts, das Geld für Spitäler in Kuba sammelt. Die 18-jährige Viktoria ist nicht unbedingt wegen Chavez in die Arena gekommen, sondern weil sie nach einem sechsmonatigen Lateinamerika-Aufenthalt „weiß, was da so abgeht”. Sie meint zum Beispiel die schlechten Arbeitsbedingungen oder die Straßenkinder oder den unfairen Handel: „Ich finde Chavez gut, nicht weil er Sozialist ist, sondern, anders als andere Politiker in Lateinamerika, darauf aufmerksam macht.”

Unter den Zuhörern ist auch der Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky (S), Peter. Europa und die USA hätten Verantwortung für schreiende Ungerechtigkeiten in Südamerika über Jahrhunderte, so der Sozialökonom. Endlich gebe es „autonome Entwicklungen”. „Bis jetzt war keine soziale und ökologische Alternative zugelassen”. Ein “überfälliger Aufbruch von Menschen, die sich als Demokraten verstehen” in Richtung Sozialdemokratie finde statt, kommentiert er die politischen Entwicklungen in der Region.

Während der Rauch von Joints in den Nachthimmel steigt und sich Haschisch-Duft verbreitet, senkt der Kern der anwesenden Aktivisten seine „Che” Guevara-Flaggen an langen Stangen immer deutlicher. Ein letzter inbrünstiger Aufruf von Chavez, für die gemeinsame Sache zu kämpfen. Kurz vor Mitternacht endet er dann unter Beifall: Er wisse, die letzte U-Bahn gehe bald.

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