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Präpotenz rächt sich

©APA/HERBERT NEUBAUER
Gastkommentar von Johannes Huber. Österreich ist bisher nicht gut, sondern überheblich und selbstgefällig durch die Krise gestolpert. Wien ist da leider keine Ausnahme.

Im Frühjahr, als zumindest die Bundesregierung meinte, Österreich gut durch die Krise gebracht zu haben, gab es auf der Website des Außenministeriums eine Europakarte, die man nicht vergessen kann: Alle Staaten waren mit geschmackbefreiten Farben zwischen Orange und Rot markiert, was heißen sollte, dass man dort nicht oder unter gar keinen Umständen hinfahren sollte. Es gab nur eine Ausnahme: Österreich. Österreich war grau dargestellt. Laut angeführter Legende sollte das bedeuten, dass es hier einen „guten Sicherheitsstandard“ gibt.

Das war schon damals knapp daneben: In Deutschland waren die Verhältnisse ähnlich, in Teilen sogar viel besser. Ganz zu schweigen von den osteuropäischen Nachbarn, die nicht nur weniger COVID-19-Infektionen, sondern auch weniger Todesfälle vermeldet hatten.

Heute fühlt man sich an diese Grafik erinnert, weil sie eine gewisse Präpotenz zum Ausdruck bringt. Motto: „Wir sind super, alle anderen haben versagt.“ Mittlerweile weiß man jedoch, wie schwachsinnig, ja verhängnisvoll diese Kombination aus Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit gegenüber anderen war und ist: Jetzt sind „wir“ es, gegen die Reisewarnungen ausgesprochen werden. Und zwar zurecht.

Die Bundesregierung, aber auch die Führung der Stadt Wien haben den Sommer verschlafen: Erstere hat das bei der Corona-Ampel eingestehen müssen. Leider. Es wäre gut und vernünftig gewesen, der Allgemeinheit die jeweilige Lage einfach und verständlich zu vermitteln; inklusive allfälliger Maßnahmen, die damit verbunden sind. Nur: Die Ampel, die niemand mehr ernst nimmt, wurde unfertig in Betrieb genommen. Sie ging von überholten Daten aus, die zum Beispiel für Innsbruck ein Nachlassen des Infektionsgeschehens signalisierten, während es sich in Wirklichkeit schon wieder dramatisch zuspitzte. Politische Einflussnahme auf die jeweilige Ampelschaltung tat ihr Übriges: Wer will schon auf Alarmstufe „Rot“ gesetzt werden? Das würde doch bestätigen, dass man nicht alles richtig gemacht hat.

Es kommt noch schlimmer: Kein Mensch kennt sich aus. Christoph Grabenwarter, Präsident des Verfassungsgerichtshofes, hat das in einem „Presse“-Interview nobel umschrieben, indem er erklärte, sich über eifrigen Medienkonsum um einen Durchblick zu bemühen. Martin Kocher, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), führt diverse Disziplinlosigkeiten genau darauf zurück: Man tut, was man will, wenn man sich nicht mehr auskennt.

Und jetzt zu Wien: In den Sommermonaten hat man sich unter Federführung von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) ganz offensichtlich zu sehr darauf konzentriert, zu betonen, dass man die Lage unter Kontrolle habe. Vorbereitungen auf absehbare Wellen wurden vernachlässigt. Sonst hätte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) nicht erst im September verkündet, dass man 1000 Leute anstellen müsse, um die Herausforderungen meistern zu können. Da war es (zu) spät, waren die Herausforderungen schon da, wurde Wien ein sogenanntes „Risikogebiet“.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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