Post-Aufsichtsrat: Die Zerreißprobe

Die heutige Post-Aufsichtsratssitzung zum Budget 2009 ist eine Zerreißprobe. Denn 13.000 der rund 27.000 Postler sind nicht nur Beschäftigte, sondern auch Aktionäre des Unternehmens, an dem der Staat 51 Prozent hält. Bilder: Proteste der Gewerkschaft in Wien 

Während die Personalvertretung eine “Dividendenpolitik auf Kosten der Mitarbeiter” geißelt, freut sich der Aktionär über das Zubrot. 2007 gab es zur Dividende von 1,40 Euro noch eine Sonderdividende von 1 Euro pro Anteilsschein. Auch für 2008 wurde eine großzügige Dividende angekündigt.

Damit hat die Gewerkschaft bereits zum zweiten Mal ein Problem mit den Aktionären aus den eigenen Reihen. Als die Post AG im Mai 2006 an die Börse ging, lief die Belegschaftsvertretung im Vorfeld Sturm dagegen, die Mitarbeiter hingegen zeigten sich eher weniger davon beeindruckt. Nach Brancheneinschätzung nicht zuletzt deswegen, weil Postchef Anton Wais ein sehr attraktives Beteiligungspaket für die Beschäftigten geschnürt hatte. Von den 49 Prozent der Post, die an die Börse gebracht wurden, befinden sich laut Post AG 11 Prozent in österreichischer Hand, 11 Prozent werden europaweit gehalten, der Rest entfällt großteils auf die USA.

Die Postaktie startete am 31. Mai 2006 mit 19 Euro Ausgabekurs, heute kurz vor 13 Uhr lag der Kurs bei 22,36 Euro (+2,10 Prozent) je Aktie.

Beim heutigen Aufsichtsrat in der Postzentrale im 1. Wiener Gemeindebezirk geht es um das Budget 2009, das laut Post unter drei Vorgaben steht: Wachstum im In- und Ausland, flächendeckende Versorgung und die Neuausrichtung der Infrastruktur. Dies alles soll unter der Vorgabe des Nachfolgemodells des Strategiepapieres 2015 erfolgen, dass in der ursprünglichen Version den Abbau von 9.000 Postlern und 1.000 der 1.300 Postämter vorsah. Nun sollen die Ziele jährlich festgelegt und mittelfristig rund zwei Drittel der Postämter an Postpartner (Greißler, Tankstellen, Gemeindeämter, etc.) abgegeben werden, hieß es zuletzt von Wais. Er betonte, dass zumindest im kommenden Jahr keine Mitarbeiter – abseits der natürlichen Fluktation – abgebaut werden. Nach einer Vorgabe von Bundeskanzler Werner Faymann (S) darf bis Mitte des kommenden Jahres auch kein Postamt geschlossen werden.

Die Post begründet die Sparpläne mit der bevorstehenden Vollliberalisierung des Postmarktes. Derzeit gehört das lukrative Briefgeschäft (bis 50 Gramm) noch dem Ex-Monopolisten Post AG alleine, ab 1. Jänner 2011 muss sich die Post den Kuchen mit privaten Anbietern teilen. Das Unternehmen geht von einem Umsatzverlust von 30 Prozent aus. 2007 steigerte die Post ihren Umsatz um 33 Prozent auf 2,32 (1,74) Mrd. Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) stieg um 32 Prozent auf 162,8 (123,3) Mio. Euro.

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