Positiv-Bilanz: Erstmals seit Weihnachten wieder unter 500.000 Menschen ohne Job

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sprachen über die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt
Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sprachen über die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt ©APA/HELMUT FOHRINGER
Die Zahl der Menschen in Österreich ohne Arbeit ist erstmals seit Weihnachten 2020 unter die 500.000er-Marke gesunken. Auch die Kurzarbeit ist rückläufig.
Arbeitslose: Zahlen leicht gesunken
BIP sackte um 13 Prozent ab

"Wir haben schon die neuen Zahlen von Anfang März, und es hat sich ein positiver Trend verfestigt", sagte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) am Dienstag in einer Pressekonferenz. Zum ersten Mal seit Anfang Dezember sei die krisenbedingte Arbeitslosigkeit unter 100.000 Personen gesunken. Derzeit seien 490.000 Menschen arbeitslos oder in AMS-Schulungen.

Arbeitslosenzahlen und Zahl der Kurzarbeiter gesunken

Mit Stichtag 28. Februar hatte das Arbeitsmarktservice noch 509.000 Arbeitslose vermeldet. Den Regierungsangaben zufolge ist auch die Zahl der Kurzarbeiter gesunken. Derzeit seien rund 478.000 Personen zur Kurzarbeit angemeldet, um 7.000 weniger als in der Vorwoche. Am Wochenende habe man berechnet, dass durch die Öffnungen im Handel vor drei Wochen rund 120.000 Personen aus der Arbeitslosigkeit und aus der Kurzarbeit wieder in die Vollbeschäftigung gekommen seien, sagte Kocher. Gehe man von den Erfahrungen der Vergangenheit aus, so dürften von den 478.000 zur Kurzarbeit angemeldeten Menschen nur ein Teil tatsächlich die Kurzarbeit in Anspruch nehmen.

"Die Krise am Arbeitsmarkt ist leider noch nicht überstanden, das wird noch länger dauern", so Kocher. Aber bei weiteren leichten Öffnungsschritten in den nächsten Wochen werde es eine weitere Erholung am Arbeitsmarkt geben, man dürfe also optimistisch sein.

Schramböck sieht Positiv-Trend

Auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) sieht einen positiven Trend, es habe eine deutliche Wirtschaftsbelebung nach den Öffnungsschritten vor drei Wochen gegeben. "Aber das Bild ist sehr differenziert", so Schramböck: Während die Gastronomie, die Hotellerie und die Eventbranche von der Krise weiterhin stark betroffen seien, hätten Industrie und Gewerbe beinahe schon das Niveau vor der Krise erreicht.

Die vom Wifo geschätzte Wirtschaftsleistung liege aktuell nur mehr 8 Prozent hinter dem Vorjahreswert, und nicht mehr bei einem Minus von 13 Prozent, wie am Ende des harten Lockdowns, geht aus den heute von der Regierung präsentieren Zahlen hervor. Allerdings falle die Erholung schwächer aus als nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020.

Blümel über ausbezahlten Ausfallsbonus

Treiber der Wirtschaftserholung seien der private Konsum und die Zuwächse im Einzelhandel, erklärte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). Die Stimmung der Unternehmen sei nach wie vor angespannt, habe sich aber in der Bauwirtschaft und in der Industrie spürbar verbessert. Beim Ausfallsbonus, der seit 16. Februar beantragt werden könne, seien bisher knapp 30.000 Anträge eingegangen. Davon seien 15.000 von den Unternehmen selbst, also ohne Hilfe von Steuerberatern, gestellt worden, was zeige, wie einfach die Antragstellung sei. Von den bisher beantragten 204 Mio. Euro seien bereits 84 Mio. Euro ausbezahlt worden. Die durchschnittliche Summe pro Antrag beträgt knapp 7.000 Euro.

Eine Erhöhung der Coronahilfen ist nach Ansicht des Finanzministers derzeit nicht notwendig - man habe den Rahmen bereits erhöht, das werde in den allermeisten Fällen reichen. Blümel versuchte auch Gastronomen zu beruhigen, die befürchten, um die staatlichen Hilfen umzufallen, wenn sie nun ihre Gastgärten öffnen. Es gehe nicht um formale Schließungen, sondern darum, wie stark der Umsatzrückgang sei, betonte der Finanzminister. "Die Höhe des Ausfallsbonus und die Höhe des Fixkostenzuschusses bemisst sich ja am Rückgang des Umsatzes."

Lehrlingsbonus wird nicht verlängert

An eine Verlängerung des Lehrlingsbonus sei derzeit nicht gedacht, sagte Wirtschaftsministerin Schramböck. Es seien rund 50 Mio. Euro ausbezahlt und 25.000 Lehrplätze gesichert worden. Das Problem fehlender Lehrstellen sei ein punktuelles in Wien, in allen anderen Bundesländern gebe es zu wenige Lehrlinge.

Auch für Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf geht der Trend in die richtige Richtung, "die Öffnungsschritte im Handel und bei den körpernahen Dienstleistern haben für einen merklichen Rückgang der Arbeitslosen gesorgt", kommentierte er die jüngsten Arbeitsmarktzahlen. "Erst nach weiteren Öffnungen wird es uns gelingen, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit nachhaltig zurückzudrängen."

Branchen noch im Lockdown - Kurzarbeit und Neustartbonus noch nötig

Solange aber noch einige Branchen im Lockdown seien, werde man weiterhin kurzfristig wirksame Maßnahmen wie die Kurzarbeit und den Neustartbonus brauchen. "Für eine raschere Belebung des Arbeitsmarktes sollten wir daher den Neustartbonus verlängern", forderte Kopf.

Denn der Neustartbonus erleichtere es den Unternehmen durch einen Art Kombilohn, Mitarbeiter auch dann aufzunehmen, wenn der Betrieb noch nicht voll ausgelastet sei. Eine Verlängerung um ein Jahr, also bis 30. Juni 2022, wäre ohne budgetäre Mehrkosten möglich: Da aufgrund des neuerlichen Lockdowns ab November der Neustartbonus nur wenig zum Einsatz gekommen sei, seien die zur Verfügung stehenden Mittel von 30 Mio. Euro noch lange nicht ausgeschöpft.

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(APA/Red)

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