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Polizei: Spezielle Ausbildung im Kampf gegen häusliche Gewalt

200 weitere Polizisten erhalten eine spezielle Ausbildung.
200 weitere Polizisten erhalten eine spezielle Ausbildung. ©APA/BARBARA GINDL
Ab 2021 soll es für 200 weitere Polizisten eine spezielle Ausbildung im Kampf gegen häusliche Gewalt geben. Diese hat sich während der Coronakrise verstärkt.

Im vergangenen Jahr hat die Polizei 11.652 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen und 9.689 Gefährder weggewiesen. Deren Anzahl ist im ersten Jahr der Coronakrise deutlich gestiegen: 2019 waren 8.254 Gefährder weggewiesen worden, teilte das Innenministerium mit. Ab 2021 soll der Kampf gegen häusliche Gewalt u.a. durch mehr speziell ausgebildete Polizeikräfte ausgebaut werden.

Weitere 200 Polizisten erhalten spezielle Ausbildung

"Derzeit verfügen mehr als 500 Polizistinnen und Polizisten über eine spezielle Ausbildung als Präventionsbeamte", hielt das Innenministerium fest. "Diese Zahl wird ab 2021 auf mehr als 700 erhöht werden."

Am 1. Jänner 2020 trat die Novelle des Gewaltschutzgesetzes in Kraft, die der Polizei mehr Möglichkeiten einräumte, um gegen Gewalt in der Privatsphäre vorzugehen. Das Betretungsverbot wurde um ein Annäherungsverbot erweitert, das Betroffene auch außerhalb der Wohnung und unabhängig vom Aufenthaltsort schützen soll. Ein Vergleich der Anzahl der Betretungsverbote 2019 mit jener der Betretungs- und Annäherungsverbote 2020 ist nicht möglich, da seither die Zählung anders erfolgt.

Gewaltschutz soll auch nach Corona Priorität haben

Wie im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 wurde beim OGM-Institut eine Untersuchung über die Entwicklung häuslicher Gewalt während der Ausgangsbeschränkungen im November und Dezember des vergangenen Jahres beauftragt. Die Ergebnisse sollen noch im Jänner präsentiert werden.

"Gewalt hat weder in der Öffentlichkeit noch im privaten Lebensraum einen Platz", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) in einer Aussendung und versicherte: "Gewaltschutz wird daher auch nach Corona und den Lockdowns für uns Priorität haben." Er wolle "die Leiden der Opfer in den Fokus der öffentlichen Diskussion" bringen. Die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Untersuchung aus den beiden Lockdownphasen sollen in die Arbeit der Polizei und die Zusammenarbeit mit Gewaltschutzzentren, Interventionsstellen und Beratungseinrichtungen einfließen. Ein weiterer wichtiger Schritt sei die Einführung der verpflichtenden Beratung von Gefährdern ab 1. September dieses Jahres.

Raab mit Appell an Umfeld der Betroffenen: Zivilcourage zeigen

"Wir müssen vermitteln, dass es sich dabei keineswegs um eine Privatsache der Frauen und Familien handelt, sondern um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", sagte Frauen- und Familienministerin Susanne Raab (ÖVP). "Mir ist dabei besonders wichtig, dass jeder Frau bewusst ist, dass es für sie und ihre Kinder einen Zufluchtsort gibt. Denn auch im Jahr 2021 fließt ein Großteil des Frauenbudgets in den Gewaltschutz." An das Umfeld Betroffener richtete sie einen Appell: "Wer Anzeichen von psychischer oder physischer Gewalt wahrnimmt, den bitte ich, Zivilcourage zu zeigen und sich an Beratungsstellen oder im Ernstfall direkt an die Polizei zu wenden."

(APA/Red)

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