AA

PJ Harvey - A Dog Called Money - Kritik und Trailer zum Film

Mehr als drei Jahre ist es her, dass die britische Musikerin Polly Jean Harvey ihre gefeierte, sehr politisch angelegte Platte "The Hope Six Demolition Project" veröffentlicht hat. In den Monaten davor ließ sie sich ein "gläsernes" Studio im Londoner Somerset House einrichten, womit Fans gegen Eintritt der Künstlerin und ihrer Band ganz genau auf die Finger schauen konnten.

Schon die ursprüngliche Session war vielen zugänglich, nun öffnet sich PJ Harvey erneut: Die britische Musikerin lässt sich in der Dokumentation "A Dog Called Money" bei den Aufnahmen ihres jüngsten Albums "The Hope Six Demolition Project" über die Schulter schauen. Allerdings ist der Film von Seamus Murphy eher kunstvoll angelegtes Essay denn klassisches Musicpic. Ab Freitag im Kino.

PJ Harvey - A Dog Called Money: Kurzinhalt zum Film

Mehr als drei Jahre ist es her, dass Polly Jean Harvey ihre gefeierte, sehr politisch angelegte Platte veröffentlicht hat. In den Monaten davor ließ sie sich ein "gläsernes" Studio im Londoner Somerset House einrichten, womit Fans (gegen Eintritt) der Künstlerin und ihrer Band ganz genau auf die Finger schauen konnten. Nicht nur hier war der irische Filmemacher Murphy mit seiner Kamera anwesend, gemeinsam mit Harvey bereiste er zuvor auch den Kosovo, Afghanistan und Washington DC. Es waren die dort gesammelten Eindrücke, die Harvey in Stücken wie "The Community of Hope" oder "Chain of Keys" verarbeitete.

Wer nun allerdings hofft, mehr über die Hintergründe zu erfahren, wird von "A Dog Called Money" enttäuscht. Als stetig dahinfließende, eher assoziative denn narrativ angelegte Bilderfolge, zeigt Murphy die britische Sängerin bei ihren Schritten durch das hektische Kabul, lässt sie in einem verlassenen Haus im Kosovo wie eine Kriegstouristin wirken oder zeigt sie inmitten schwarzer Jugendlicher in einem Außenviertel Washingtons, wo sie deren Erzählungen lauscht. Gegenübergestellt werden diesen Sequenzen die Aufnahmen mit ihrer Kollegen, wo an einzelnen Tönen und Phrasen gefeilt, einträchtig gelauscht oder herzhaft gelacht wird.

PJ Harvey - A Dog Called Money: Die Kritik

Einen klassischen Erzähler gibt es nicht, auch Harvey selbst ist nur im Gespräch mit den Mitmusikern oder beim rezitieren ihrer Gedichte zu hören. Dabei hätten jene Personen, denen die Musikerin und der Filmemacher auf ihren Reisen begegnet sind, sicherlich viel zu erzählen - zumindest wird das mehr als einmal angedeutet. Ihre Geschichten, ihre Schicksale, auf sie werden nur kurze Schlaglichter geworfen, stattdessen versucht sich Murphy eher an einer emotional aufgeladenen Bildsprache, die die Weite Afghanistans nutzt oder die religiöse Ekstase in den USA sowie dem Kosovo gegenüberstellt. Die Querverbindungen, sie sind offensichtlich, aber Harveys Gedanken dazu bleiben letztlich ganz auf die Songlyrics reduziert.

Während die eigentliche Protagonistin auf diese Weise seltsam entrückt wirkt, wirft auch der Schlussabschnitt einige Fragen auf. Denn der aktuelle US-Präsident Donald Trump war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von "The Hope Six Demolition Project" noch nicht einmal offizieller Kandidat der Republikaner, findet aber mit Aufnahmen von Befürwortern und Gegner Eingang in diesen Film. Murphy zeigt weiters wartende, verzweifelte Flüchtlinge an der griechischen Grenze zu Nordmazedonien. Wenngleich diese Themen das gesellschaftliche wie politische Weltgeschehen in den vergangenen Jahren maßgeblich beeinflusst haben, erscheint die Inkludierung in "A Dog Called Money" eigenartig.

Letztlich bleibt das filmische Porträt einer der prägendsten Popsängerinnen der Gegenwart an der Oberfläche kleben. PJ Harvey ist zweifellos eine große Musikerin und genaue Beobachterin, doch das wusste man schon zuvor - dafür sind ihre Songs und Alben lebender Beweis. Wer hinter diese enigmatische Persönlichkeit blicken will, wird hier jedenfalls nicht fündig. Wer für "The Hope Six Demolition Project" ein optisches Gegenüber sucht, für den sollte "A Dog Called Money" immerhin starke Bilder bieten.

Alle Spielzeiten auf einen Blick

(APA/red)

  • VIENNA.AT
  • Kinostarts
  • PJ Harvey - A Dog Called Money - Kritik und Trailer zum Film
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen