Pillen-Trend wird dementiert

Die Aussagen des Obmanns der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, Alois Stöger, über zunehmende Medikamentenausgaben sind nicht stichhaltig.

Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber meint dazu: „Zunächst einmal zum Grundsätzlichen: Die Ärzte verschreiben Medikamente nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil ihre Patienten die Therapien benötigen. Hier von einer möglichen ’Kostenexplosion’ zu sprechen entspricht einfach nicht den Tatsachen!“ Die von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse selbst veröffentlichten Zahlen widerlegen die Argumentation des OÖGKK-Obmanns: Während sich die Medikamentenausgaben der OÖGKK im Jahr 2005 um 2,6 Prozent und 2004 um 4,2 Prozent erhöht haben, sind die Erträge der Krankenkasse um beachtliche 4,8 Prozent (2005) bzw. 5,7 Prozent (2004) gestiegen. Der OÖGKK-Beitrag zum Krankenanstaltenfonds hingegen ist im selben Zeitraum um 5,6 Prozent (2005) bzw. 8,4 Prozent (2004) gewachsen. Huber ergänzt dazu: „Obmann Stöger hat mit keinem Wort erklärt, WIE die prognostizierte Steigerung bei den Medikamenten-Ausgaben zustande kommt. Das sind nicht nur Ausgaben für moderne Therapien. Ein zweiter wesentlicher Faktor ist, dass Behandlungen immer öfter nicht in den Krankenhäusern durchgeführt werden, sondern von niedergelassenen Ärzten und in Tageskliniken. Viele Krankenhäuser versuchen so, ihre steigenden Ausgaben auf die Krankenkassen abzuschieben. Eine Ausgabenverlagerung ist aber keine Ausgabensteigerung, sondern eine Folge unseres intransparenten Finanzierungssystems!“ Die von Stöger zitierten Daten aus einer deutschen Studie, der zufolge von 400 Neuzulassungen lediglich 20 Medikamente Innovationen seien, kommentiert Huber so: „Diese Karte sticht überhaupt nicht: Erstens sind die Erstattungssysteme in Deutschland und Österreich sehr unterschiedlich. Zweitens bedeutet ’Neuzulassung’ in Österreich noch lange nicht, dass die Patienten tatsächlich freien Zugang zu diesen Medikamenten bekommen. Drittens: Will Herr Stöger der Pharma-Industrie etwa verbieten, laufend verbesserte Medikamente bzw. nach Patent-Ablauf neue Generika auf den Markt zu bringen?“ Huber unterstreicht abschließend, dass es in Österreich dringend mehr Transparenz in der Finanzierung des Gesundheitswesens braucht: „Derzeit ist es für die Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar, welcher Anteil der Ausgabensteigerungen im Krankenkassen-Bereich auf erhöhten Bedarf der Patienten oder auf den medizinischen Fortschritt zurückgeht und welcher Anteil auf eine reine Ausgabenverlagerung aus dem Spitalswesen. Übrigens liegen die Industriepreise für Medikamente im viertreichsten EU-Staat Österreich um 17,16 Prozent unter dem EU-15-Schnitt und im Schnitt der EU-25.“

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