Pflanzerei im MUMOK: Schrebergarten mit Hang zur Groteske

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Bunte Pflanzen aus Aluminium verbreiten Frühlingsstimmung im Hof des Museumsquartiers - Köb: "Wenn der Löwenzahn umfällt, erschlägt er dich."

Ein Schrebergarten hat ja per se etwas Groteskes. Lackglänzende Gartenzwerge und zurechtgestutzte Blumenbeete führen die Idee des natürlichen Wachsens ad absurdum. Der österreichische Maler und Bildhauer Thomas Stimm erhebt genau diese unfreiwillig ironische Beschaulichkeit zur Kunstform und hat in den Hof des Museumsquartiers einen übergroßen Schrebergarten aus Aluminium-Blumen gepflanzt.

Tödlicher Löwenzahn

“Wenn der Löwenzahn umfällt, erschlägt er dich”, versuchte MUMOK-Direktor Edelbert Köb bei der Eröffnung heute, Freitag, die fröhliche Frühlings-Stimmung zu unterminieren, die die farbenfrohen Pflänzchen verbreiten könnten.

Wenn der Besucher nicht mit theoretischem Mehrwert gefüttert wird. “Mit diesem Abstrahierungsprozess von Natur wird die künstliche Architektur des Geländes konterkariert”, könnte man mit Köb etwa denken. Oder auch: “Romantisch-illusionistische Fernsicht wird durch desillusionierende Nahsicht ersetzt.”

Harte, metallische Skulptur also, statt sich zart im Wind wiegende Blümchen, Blätter “wie Sägezähne” (Köb), die sich bedrohlich über, statt wie gewohnt, unter dem Wiesenbesucher beugen. Der weitläufige Platz vor dem MUMOK bietet allerdings genug Schutz vor den bunten Kampfpflanzen – “lieber wären uns noch größere Skulpturen gewesen”, so Köb, “alles andere wird auf diesem Platz sofort zur Marginalie.”

Mit sechs Metern Länge deutlich größer als die menschenhohen Pflänzchen im Innenhof wird ein Löwenzahn vor dem Museumsquartier, der auf die Ausstellung aufmerksam machen soll. Leider ist er beim Aufstellen abgebrochen – in ein bis zwei Wochen gibt es ein Wiedersehen. Zu bewundern und zu fürchten gibt es den Schrebergarten mit dem Hang zur Groteske noch bis 4. Mai, dann muss die Kunst zu Köbs Missfallen wieder dem Vergnügen weichen, der Platz im Innenhof wird gebraucht. Deshalb wird die “Out Site”-Reihe des MUMOK, die nun mit Stimm begonnen wurde, jeweils zweimal im Jahr stattfinden – “wenn der Winter ab- und der Sommer noch nicht aufgebaut ist”. Oder umgekehrt.

“Wien war einmal eine Stadt der Bildhauer”, nutzte Köb die Gelegenheit für eine Bestandsaufnahme zur Skulptur nicht nur im öffentlichen Raum. “Heute werden gerade noch Mahn- und Denkmäler aufgestellt”. Junge Bildhauer hätten so wenig Möglichkeiten, ihre Arbeiten zu zeigen, dass man um den Berufszweig insgesamt fürchten müsse. “Leider ist es einfach sehr teuer”, so Köb, “nicht nur die Produktion, sondern auch der Aufbau”. So hat jede der bunten Alu-Pflanzen einen eigenen Biltzableiter eingebaut, Sicherheitsvorkehrungen und Bürokratie machen es der Kunst im öffentlichen Raum doppelt schwer. “Wenn sie gesehen hätten, wie viele MAs und Beamte da waren, um die Ausstellung zu untersuchen, dann hätten sie sich wahrscheinlich sehr gewundert”, so Köb.

Wunderlich sind für den Besucher aber wahrscheinlich vor allem die “nicht betreten”- Schilder rund um das Kunstgras, die es verwehren, sich unter die Blumen zu legen. Vielleicht sollte man ein Warnschild dazugeben, das den Museumsdirektor zitiert: “Wenn der Löwenzahn umfällt, erschlägt er dich.”

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