Petritsch wünscht sich einen "Dayton-Plus"

Der ehemalige internationale Bosnien-Beauftragte Wolfgang Petritsch (1999-2002) hat sich für einen "Dayton-plus"-Prozess eingesetzt, welcher den Beitritt des Balkanlandes zur Europäischen Union zum Ziel hätte.

Die Situation in
Bosnien sei immer schlechter, nicht nur wegen politischer Gründe und
ungelöster Verfassungsfragen, sondern auch wegen der
Wirtschaftskrise. Diese wirke sich zunehmend auf Bosnien aus, was den
Staat, aber auch die Arbeit der internationalen Staatengemeinschaft
schwäche, sagte der österreichische Diplomat für die Tageszeitung
“Dnevni avaz” (Donnerstag).

Es sei höchste Zeit, dass sich alle verantwortungsbewussten Kräfte
in Bosnien und darüber hinaus zusammensetzten, präzisierte Petritsch
unter Hinweis, dass er damit die internationale Staatengemeinschaft,
die Nachbarstaaten und die bosnischen Akteure im Sinne hat. Die
einzigartige Fortsetzung der Dayton-Konferenz wäre laut dem
österreichischen Diplomaten ein Gremium, das sich vorwiegend mit
Wirtschaftsproblemen befassen würde. Bosnien müsste einen
einheitlichen Wirtschaftsraum haben. Es gelte, die bürokratischen
Hindernisse sowohl im Land als auch in der Region zu beseitigen,
präzisierte Petritsch. Der Weg zu einem funktionsfähigen Staat führe
über die Verfassungsreform, auf die man in Bosnien schon zu lange
warte, betonte er.

Der dreieinhalbjährige Bosnien-Krieg wurde Ende 1995 mit der
Dayton-Friedenskonferenz beendet, die den komplizierten Staat auf die
Beine stellte. Entsprechend dem Dayton-Abkommen setzt sich das Land
aus zwei Landesteilen, der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der
Republika Srpska, zusammen. Während Politiker in Sarajevo immer
wieder die Abschaffung der Repbulika Srspka fordern, drohen führende
bosnisch-serbische Politiker immer wieder mit einer Trennung der
kleineren Entität bzw. einem Unabhängigkeitsreferendum. Für die
bosnischen Serben sei Serbien ihre Heimat, Bosnien-Herzegowina werde
dagegen als eine Verpflichtung akzeptiert, da es Teil eines Abkommens
sei, unterstrich der bosnisch-serbische Premier Milorad Dodik heute
wieder einmal.

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