Peter Weibel mit Kokoschka-Preis ausgezeichnet

Weibel für sein Gesamtwerk geehrt
Weibel für sein Gesamtwerk geehrt
Der Medienkünstler, Kunsttheoretiker und Museumsleiter Peter Weibel ist am Freitag für sein künstlerisches Gesamtwerk mit dem Oskar-Kokoschka-Preis ausgezeichnet worden. Der von der Bundesregierung gestiftete und mit 20.000 Euro dotierte Preis wird seit 1980 biennal verliehen, wobei zu den bisherigen Preisträgern VALIE EXPORT, William Kentridge und zuletzt Yoko Ono gehörten.


“Für Peter Weibel ist Kunst eine soziale Konstruktion”, sagte Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst und Jury-Vorsitzender zu Beginn des Festaktes im Wiener MAK, an dem u.a. Kulturminister Ostermayer, Kunstsenats-Präsident Josef Winkler, MAK-Hausherr Christoph Thun-Hohenstein, Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco, Lentos-Direktorin Stella Rollig und Hans-Peter Wipplinger, Direktor der Kunsthalle Krems, teilnahmen. Mit der heutigen Preisverleihung lasse sich “die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst in den Weibel’schen Rückkoppelungsprozess von Meinungen einspeisen”, meinte Bast.

Mit Weibel ehre man einen Künstler, der seit Jahrzehnten mit intellektueller Konsequenz und ästhetischer Schärfe die Kunst in einen Dialog mit gesellschaftlichen Verfasstheiten, ökonomischen Strukturen und wissenschaftlichen Entwicklungen stelle, hatte es in der Jurybegründung geheißen: “Er ist mit seinen Arbeiten, die auch immer wieder die tradierten Grenzen zwischen künstlerischer und theoretischer Produktion ignorieren, stets am Puls der Zeit und hat damit Generationen von Künstlerinnen und Künstlern in ihrem Denken und Schaffen maßgeblich beeinflusst.”

Der Künstler und Kunsttheoretiker Bazon Brock hielt die Laudatio: “Die Bekehrung zum Kunst-Unglauben ist eine zentrale Funktion von Peter Weibel gewesen”, sagte er und wies darauf hin, dass Weibel so viel für die Einbettung der Kunst in die soziale Praxis getan habe wie kein anderer. Weibel sei “immer ein Troublemaker gewesen”: “Always fishing for complications.”

“Er war ein Großmeister des Fakens”, der nachgewiesen habe, dass alles falsch und damit wahr sei: “Also ist Weibel ein wirklich herausragender Künstler-Wissenschafter.” Weibel hat sich nie vereinnahmen lassen – “obwohl er für uns Deutsche ein echter Wiener ist. Wenn er ‘Ja’ sagt, weiß man: Das ist die härteste Form der Kritik! Insofern müssen wir uns hüten, zu ihm ‘Ja’ zu sagen. Wir müssen dich kritisieren, um dich zu würdigen!”

Der Film “Aus dem Multiversum Peter Weibel” gab einen kurzen Rückblick auf das umfangreiche Schaffen Weibels, dem der Preis von Elisabeth Freismuth, Sektionschefin im Wissenschaftsministerium, überreicht wurde. Weibel sprach in seinen Dankesworten von einem “besonderen Moment”, einem “großen Augenblick in meinem Leben”. Schließlich sei ihm 1966 bei einem Ansuchen um Fahrtkostenzuschuss für ein Londoner Symposium beschieden worden, kein Künstler zu sein. Auf die Reklamation, sich als legitimer Erbe der Generation von Klimt, Schiele und Kokoschka zu sehen, habe er die Antwort erhalten: “Sehen Sie, das ist das Problem. Die waren auch keine Künstler.”

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