Peter von Kant - Kritik und Trailer zum Film

Der französische Regisseur François Ozon arbeitet sich in seinem neuem Projekt an einem großen Namen der deutschen Filmgeschichte ab. In "Peter von Kant" setzt er sich mit Rainer Werner Fassbinder auseinander - und mit dessen Film "Die bitteren Tränen der Petra von Kant". Ozons Version handelt allerdings nicht von einer tyrannischen Modeschöpferin, sondern von einem schwierigen Regisseur. Der behandelt seinen Assistenten ziemlich miserabel und verliebt sich in einen jungen Mann.

Im Februar eröffnete François Ozons Neufassung von Rainer Werner Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" die Berlinale. Nun kommt die französische Hommage, die mehr geworden ist als ein Remake mit vertauschten Geschlechterrollen, am Freitag in die heimischen Kinos.

Peter von Kant - Kurzinhalt zum Film

"Jeder tötet, was er liebt", trällert gleich zu Beginn Isabell Adjani als ehemalige Muse Sidonie des erfolgreichen Regisseurs Peter von Kant von der Schallplatte. Und tatsächlich treibt auch sie ein doppeltes Spiel, als sie ihm, den sie outriert verehrt, einen jungen Mann zuführt. In diesen Amir verliebt sich der schwergewichtige Kant, mit dem wohl Fassbinder gezeichnet werden soll, augenblicklich.

Es kommt, wie es kommen muss: Amir wird berühmt, emanzipiert sich von seinem väterlichen Liebhaber und zieht fort. Für von Kant bricht eine Welt zusammen, er beginnt zu trinken und zu kiffen, beschimpft seine nächste Umwelt, schlägt die Wohnung kurz und klein und wartet nur auf einen Anruf des zurückersehnten Amir. Spät geht ihm auf, dass er nicht geliebt hat, sondern besitzen wollte.

Peter von Kant - Die Kritik

Denis Ménochet gibt diesen Peter von Kant mit aller Wucht der Liebe, des Besitzanspruchs, aber auch der Verzweiflung. Der Amir des Khalil Garbia bleibt stets auf Distanz zum Emotionsstrudel, ein narzisstischer Adonis, der großformatig als Heiliger Sebastian eine der Wände im Heim des Regisseurs ziert.

Von Kants geknechteter Sekretär Karl wird von Stefan Crepon zu einer nahezu mechanisch funktionierenden Figur stilisiert. Den ganzen Film über spricht er kein Wort, funktioniert, gehorcht, dient seinem Herrn wie ein Ministrant und muss alles mit ansehen: Die Liebe seines Chefs, die dieser an andere verschwendet und ihn nur zum Abreagieren seiner Frustration benutzt. Und er wird Zeuge des tiefen Lochs, in das von Kant fällt - ohne die Situation für sich auszunutzen. Erst ganz zum Schluss entscheidet er für sich.

Ozon zeichnet ein durchaus aktuelles Bild von Liebe und Enttäuschung, von eiserner Disziplin und totalem Haltverlust, angesiedelt in Köln 1972. Das alles im Milieu derer, die reich und berühmt sind. Mitunter irritiert der französische Film, der in Deutschland spielt, zumal dann auch noch Hanna Schygulla auftritt und "Schlaf Kindlein, schlaf" singt. Im Fassbinder-Urfilm sang sie "Lili Marleen". Doch Ozon geht an das Thema französisch leichter heran, als es wohl Fassbinder tat. "Fassbinder war für mich wie ein großer Bruder", hatte Ozon in Berlin dem Vorgänger seinen Respekt gezollt. Er habe alle seine Filme gesehen und danach seinen eigenen Weg gefunden.

(APA/Red)

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