Pessimistische Wachstumsprognosen für Serbien

Experten des Belgrader Wirtschaftsinstituts ("Ekonomski institut Beograd") gehen von deutlich weniger optimistischen Wachstumsprognosen für die serbische Wirtschaft aus als die Regierung.

Demnach wird heuer mit einem minimalen Zuwachs von 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gerechnet, während die Regierung weiterhin von einem 3,5-prozentigen Wachstum ausgeht, berichtete die serbische Tageszeitung “Biznis” am Mittwoch.

Auch bei den Importen rechnet das Institut mit einem stärkeren Rückgang als die Regierung. Demnach sollen die Importe um 10 Prozent zurückgehen, die Regierung rechnet mit 5,4 Prozent. Darüber hinaus soll es zu einer weiteren Reduktion der Hartwährungsreserven um 2,9 Mrd. Euro kommen. Ende Dezember betrugen sie offiziell 8,14 Mrd. Euro. Bereits im Vorjahr schmolzen sie wegen wiederholter Eingriffe der Notenbank zur Stützung der Landeswährung Dinar um 1,49 Mrd. Euro. Heute ist der Euro rund 92 Dinar wert. Im vergangene Sommer hatte man für 1 Euro noch 75 Dinar erhalten.

Die düsteren Prognosen des Wirtschaftsinstitutes stützen sich unter anderem auf die bereits in den letzten Monaten 2008 gesunkene Industrieproduktion. Nur in fünf von 23 analysierten Industriebranchen wurde im vergangenen November ein Zuwachs notiert, teilten Mitarbeiter des Wirtschaftsinstitutes fest. Der äußerst wichtige Stahl- und Eisenexport, der im letzten Oktober zuerst auf 57 Mio. Euro halbiert wurde, sank im November auf nur 34,5 Mio. Euro. US-Steel Srbija hat im Jänner die Produktion wegen der gesunkenen Nachfrage vorübergehend eingestellt.

Nach Meinung von Stojan Stamenkovic vom Belgrader Wirtschaftsinstitut können die derzeitigen Maßnahmen den von der weltweiten Wirtschaftskrise am stärksten betroffenen Exporteuren nicht helfen. Dazu zählt er etwa die Wechselkurs-Politik der Notenbank und den von der Regierung für die Wirtschaft in Aussicht gestellten Hilfsfonds in Höhe von 50 Mrd. Dinar (630 Mio. Euro). Auch der relativ hohe Leitzins von 17,75 Prozent und die rigide Währungs- und Kreditpolitik wären keine geeigneten Mittel im Kampf gegen die drohende Rezession, so Stamenkovic.

Sollten sich die Prognosen des Wirtschaftsinstitutes bewahrheiten, dann würde das Budgetdefizit um weitere 18,5 Mrd. Dinar anwachsen und damit 1 Prozentpunkt über dem geplanten Zuwachs von 1,5 Prozent liegen.

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