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Parasite - Kritik und Trailer zum Film

Familie Kim ist bitterarm. In einer schäbigen Kellerwohnung faltet sie Pizzakartons, um über die Runden zu kommen. Da bekommt ihr Sohn Ki-Woo per Zufall Kontakt zu den reichen Parks - und wird prompt als Nachhilfelehrer für deren Tochter engagiert. Als die Parks auch noch eine Kunstlehrerin und Therapeutin für ihren unruhigen kleinen Sohn suchen, schleust er geschickt seine Schwester ein. Immer stärker dringt Familie Kim in das sorglose Leben der Parks ein - mit dramatischen Folgen.

Sozialkritik kann im Kino lähmend bemüht daherkommen. Oder bissig-humorvoll wie bei Bong Joon-hos "Parasite". Der heurige Gewinner der Goldenen Palme in Cannes dokumentiert parabelhaft in Form einer schwarzen Komödie das Auseinanderklaffen der südkoreanischen Gesellschaft. Zwei Familien mit gegensätzlichem, sozioökonomischen Hintergrund prallen ungebremst aufeinander. Ab Freitag im Kino.

Parasite - Kurzinhalt zum Film

Die Aufmerksamkeits- und bis zu einem gewissen Sinne auch Sympathieträger des Films sind die vier Mitglieder der Familie Kim. Vater Ki-taek (Song Kang-ho), seine Frau Chung-sook (Chang Hyae-jin) und die beiden erwachsenen Kinder Ki-woo (Choi Woo-sik) und Ki-jung (Park So-dam) sind allesamt arbeitslos und hausen in einer heruntergekommenen Souterrainwohnung. W-Lan gibt es allenfalls illegal über den Nachbarn in der hintersten Ecke der Toilette, und wenn der städtische Schädlingsbekämpfer seine Runden dreht, öffnet man die Fenster, um das eigene Ungeziefer mitzuvernichten. Ansonsten hält man sich mit Gelegenheitsjobs wie dem Falten von Pizzakartons über Wasser.

Da wirkt es wie ein Lichtblick, dass Sohnemann Ki-woo über einen Freund bei der äußerst gut situierten Familie Park einen Job als Nachhilfelehrer ergattert. Dank eines gefälschten Diploms wird er für die junge Tochter Da-hye (Jeong Ji-so) zuständig. Und was läge da näher, als auch den Rest der Familie mit Domestikenjobs im Park-Haushalt zu versorgen? Schließlich sind der Geschäftsmann Dong-ik (Lee Sun-kyun) und seine Frau Yeon-kyo (Cho Yeo-Jeong) nicht nur steinreich, sondern auch überdies sympathisch. Man muss halt nur zuvor die bestehenden Bediensteten loswerden...

Parasite - Die Kritik

Der 50-jährige Bong Joon-ho spielt dabei seine filmische Metapher, die er zunehmend eskalieren lässt, auf mehreren Ebenen durch. So kleidet er das Geschehen in elegante, von asiatischem Feng-Shui-Bildminimalismus geprägte Bilder, wenn er die Welt der Parks beleuchtet - grundiert von westlicher Klassik als Zeichen einer kühlen Andersartigkeit gegenüber der Existenz der Kims. Die strotzt vor Enge und Schmutz, ist aber zugleich in warme Farben gekleidet. Den Kims hängt dabei der Geruch der Armut an, hat sich gleichsam die Existenz am Rande in ihren Körper gefressen.

Das Kunststück, das "Parasite" gelingt, ist, trotz dieser klar gezeichneten Dichotomie nicht in eine Schwarz-Weiß-Zeichnung zu verfallen. Die Kims sind ausgewiesene Gauner, aber sympathisch. Im Gegenzug sind auch die reichen Parks nicht simple Antipoden, sondern in ihrem Sein gute Menschen. Die Täterschaft ist klar, dennoch muss das Publikum nicht vordergründig eine Seite beziehen.

Neben dem Verdienst von Bong Joon-ho in den Sparten Regie und Drehbuch, ist dies nicht zuletzt dem herausragenden Schauspielensemble zu verdanken. So wurde Song Kang-ho für seinen Part des Kim-Vaters beim Filmfestival Locarno mit dem Excellence Award gewürdigt - als erste Persönlichkeit des asiatischen Films. Parasiten sind eben eine erfolgreiche Spezies.

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(APA/Red)

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