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Paischer will bei EM auch ohne seinen "Beingreifer" glänzen

Als der Internationale Judoverband (IJF) im Vorjahr Regeländerungen beschlossen hat, wurde Ludwig Paischer quasi einer Spezialtechnik beraubt.
Weil Beingreifer mit der sofortigen Disqualifikation bestraft werden sollten, konnte der Salzburger seinen Kata Guruma (Schulterrad) nicht mehr wie gewünscht ausführen und musste einen neuen Wurf lernen. “Auf die EM hin ist es noch ein bisschen zu bald, aber in Hinblick auf London 2012 entwickelt sich die Technik ganz gut. Aber ich glaube, dass ich auch mit dem restlichen Repertoire viel erreichen kann”, sagte der Olympia-Silbermedaillengewinner von Peking 2008, der bei der EM in Wien am Donnerstag seinen Auftritt hat.

Für den 28-jährigen Paischer bedeutet der Verzicht auf den Beingreifer (direktes Fassen oder Blocken unterhalb des Gürtels) eine große Umstellung. “Ich mache das zwanzig Jahre so, das hat sich automatisiert. Ich bin im besten Judoalter, einem 18-Jährigen fällt es leichter, sich umzustellen als einem 28-Jährigen. Die Gefahr, dass ich ihn mache, ist natürlich immer gegeben. Zum Glück passiert es mir im Training ganz selten und im Wettkampf bis jetzt noch nie, und ich hoffe, das bleibt so”, erzählte Paischer im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. Das sofortige Hansokumake (Disqualifikation) findet er allerdings sehr hart und hätte es begrüßt, erst einmal ein Shido (Strafe für kleines Vergehen/Anm.) auszusprechen bzw. schlechte Angriffe zu bestrafen.

Die jetzt verbotenen Techniken waren die europäische Taktik gegen die Japaner, erläuterte Paischer. “Die Japaner haben jahrelang klassisches Judo trainiert und waren auf die Beingreifer nie so spezialisiert. Wir müssen uns jetzt neue Sachen überlegen, wie wir gegen sie ankommen.” Mit den Änderungen wollte sich die IJF wieder deutlicher von anderen Kampfsportarten und Ringertechniken abgrenzen. “Man will weg von Ringen, weg vom Boxen, weg von MMA und sich positionieren”, sagte Paischer. MMA ist die Abkürzung für Mixed Martial Arts (gemischte Kampfkünste) und eine eigenständige, relativ neue Art des Vollkontaktwettkampfes, sie vereint Techniken aus verschiedenen Kampfsportarten.

Cheftrainer Udo Quellmalz weiß, dass “Topleute in der Lage sind, sich relativ schnell an neue Gegebenheiten anzupassen”, dennoch war auch für Paischer die Herausforderung groß. “Er musste sich umstellen, das hat er probiert und hat hart gearbeitet”, sagte Quellmalz, der darauf verwies, dass der zweifache Europameister beim Weltcup in Wien Mitte Februar den dritten Platz belegt hat – auch ohne seine Spezialtechnik. Der neue Wurf, den er gerade erarbeitet, sei noch nicht hundertprozentig sattelfest, sagte Paischer. “Aber ich bin auf einem gutem Weg.”

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