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Pacult verzichtete auf große Emotionen

Seine Emotionen stellt Peter Pacult nur ungern öffentlich zur Schau. Nicht einmal der Gewinn des Meistertitels konnte den Rapid-Trainer aus der Reserve locken.

So bezeichnete er den Triumph zwar als “großen Tag für die Rapid-Familie”, lehnte es aber ab, nach dem 3:0 am Sonntag im ausverkauften Hanappi-Stadion gegen SCR Altach vom größten Erfolg seiner Trainerkarriere zu sprechen. “Aber es ist ein schöner Tag”, ließ sich der Wiener entlocken.

Eine gewisse Genugtuung konnte Pacult dennoch nicht verbergen, zumal er im Gegensatz zum bisher letzten Rapid-Meistercoach Josef Hickersberger nicht als “Everybody’s Darling” in Wien-Hütteldorf gilt. “Die meisten sagen, dass ich nicht einfach bin, weil ich immer wo anstreife, aber das ist eben mein Naturell. Umso schöner ist es, wenn einem so ein Erfolg gelingt, mit dem man nicht gerechnet hat”, sagte der frühere 1860-München-Coach, der bereits mit den Amateuren der “Löwen” Meister geworden war.

Als Wende im Titelrennen sah Pacult nicht den 7:0-Triumph in Salzburg, sondern schon davor die beiden Erfolge gegen Sturm. “Aus jetziger Sicht waren diese beiden Siege der Knackpunkt, auch wenn wir daheim vielleicht mit ein bisschen Glück, aber mit einem gerechtfertigten Elfer gewonnen.” Danach habe man die Salzburger mit dem Kantersieg am Ostersonntag “geschockt”, so Pacult, der aber auch daran erinnerte, dass die Austria im Herbst phasenweise nah dran war, sich deutlich von der Konkurrenz abzusetzen. “Die Austria hat den Titel auch ein bisschen verspielt.”

Im Gegensatz zu den “Veilchen” legte Rapid mit zuletzt sechs Siegen in Serie ein fulminantes Finish hin. “Unser Endspurt war wichtig”, erkannte auch Pacult. “Vor der Saison haben wir nicht unbedingt zu den Favoriten gezählt, und dann sind wir vor einem Verein mit dem fünffachen und vor einem Verein mit dem doppelten Budget von uns”, meinte der 48-Jährige und lobte seine Spieler. “Die Mannschaft hat sehr gut gearbeitet, einen Schritt nach vorne gemacht und daher denke ich, dass wir ein verdienter Meister sind.”

Kapitän Steffen Hofmann und Markus Heikkinen wurden von Pacult besonders hervorgehoben. “Es war wichtig, dass beide im Laufe des Frühjahrs in Form gekommen sind, am Anfang waren sie noch nicht so gut drauf.” Erfreulich war für den Coach auch, “dass sich der eine oder andere Junge weiterentwickelt hat. Sonst wäre das Ganze nicht möglich gewesen”.

Bei aller Euphorie warnte Pacult bereits vor den anstehenden schwierigen Aufgaben im kommenden Spieljahr. “Meister zu werden ist schwer, aber den Titel zu verteidigen ist noch schwerer. Wir gehen mit einem gewissen Druck in die nächste Saison.” Dieser Drucksituation soll nach den Wünschen des Trainers mit der überwiegend gleichen Mannschaft standgehalten werden. “Aber das betrifft nicht mich. Es sind andere damit beauftragt, den Kader zu halten oder vielleicht zu verbessern.”

Sauer stieß Pacult eine Aussage von Rudolf Edlinger in der “Presse” auf, wo der Ex-Finanzminister meinte, er sei “auch zu ihm gestanden, als wir weniger Erfolg hatten”. Dafür zeigte der Coach Unverständnis. “Es tut mir weh, wenn ich lese, dass man auch in schlechten Zeiten zu mir gehalten hat. Man darf nicht vergessen, in welcher Situation sich die Mannschaft damals befunden hat. Man kann die Arbeit eines Trainers nicht schon nach zwei Monaten infrage stellen.”

Edlinger sieht trotz dieser Pacult-Wortmeldung keinen Konflikt mit seinem Trainer. “Das kann man nicht so interpretieren. Ich habe mich damals vor ihn gestellt, weil er nur kurz bei uns war und es schon Kritik in den Medien gegeben hat. Er war mein Wunschkandidat, daran hat sich nichts geändert und das weiß er auch”, beteuerte Edlinger.

Pacult hatte die Hütteldorfer im September 2006 übernommen und die Hinrunde wenige Wochen später auf dem letzten Platz abgeschlossen. Nach zwei Siegen unmittelbar vor der Winterpause und einer Steigerung im Frühjahr schaute aber noch die vierte Endplatzierung heraus.

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