Orientierung an Intensivauslastung erfreut Mediziner

Die Auslastung der Intensivstationen wird als Maßstab für strengere Corona-Regeln gesetzt.
Die Auslastung der Intensivstationen wird als Maßstab für strengere Corona-Regeln gesetzt. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Dass sich die Corona-Maßnahmen im Herbst an der Auslastung der heimischen Intensivstationen mit Covid-Patienten orientiert, wird von Medizinern sehr begrüßt.
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Die Intensivmediziner begrüßen das Vorhaben der Bundesregierung, die sich im Kampf gegen die vierte Corona-Welle mit zusätzlichen Maßnahmen an der Auslastung der Intensivstationen mit Covid-Patientinnen und -Patienten orientieren will. "Wir haben seit Beginn der Pandemie darauf hingewiesen, dass die Entwicklung auf den Intensivstationen ein zentraler Kennwert für das Ausmaß der Krise ist", meinte ÖGARI-Präsident Walter Hasibeder am Mittwochnachmittag.

Zehn-Prozent-Marke als Auslöser für Zusatzmaßnahmen erfreulich

Der Weg vom Normalbetrieb zur Systemüberlastung gehe "in Schritten vor sich und muss daher immer im Auge behalten werden", betonte die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) in einer Aussendung. "Unsere Intensivstationen sind regelmäßig, auch ohne zusätzliche Belastungen, zu einem sehr hohen Maß belegt. Übersteigt die Zusatzbelastung durch Covid-19-Patientinnen und -Patienten oder andere krisenhafte Entwicklungen ein Ausmaß von zehn bis 15 Prozent, kann man sich im Krankenhaus nicht mehr im Rahmen der üblichen Routine bewegen, sondern muss schrittweise andere Leistungen zurückfahren", stellte Hasibeder fest. Es sei daher erfreulich, "wenn die Bundesregierung jetzt vorsieht, die Zehn-Prozent-Marke als Auslöser für Zusatzmaßnahmen festzulegen."

Sind bis zu zehn Prozent der Intensivbetten einer Region durch eine zusätzliche Belastung wie derzeit Covid-19 belegt, kann aus Sicht der ÖGARI ein weitgehend unveränderter Normalbetrieb gewährleistet werden. Bei einer zusätzlichen Belegung zwischen zehn und 30 Prozent wären jedoch Maßnahmen zur Ressourcenentlastung zu ergreifen. Bewegt sich die zusätzliche Belegung in den Bereich von 30 bis 50 Prozent, kommt es in zunehmendem Maß zu Engpässen auf den Intensivstationen. Immer mehr geplante Operationen müssten dann längerfristig verschoben werden. Reguläre Operationssäle wären für den Routinebetrieb zu sperren, Überstunden und zusätzliche Nachtdienste müssten eingeschoben werden.

Intensivmediziner mit dringendem Impfappell an Ungeimpfte

Übersteigt die Zusatzbelastung 50 Prozent der Intensivbetten, müsste der chirurgische Routinebetrieb im großen Maß eingeschränkt werden. Das hieße laut ÖGARI Folgendes: "Die Qualität der medizinischen Versorgung ist angesichts mangelnder Ressourcen herabgesetzt. Für manche Patientinnen und Patienten kann eine Versorgung auf gewohnt hohem Niveau nicht mehr durchgeführt werden. Der Normalbetrieb auf Intensivstationen ist nicht mehr für alle Patientinnen und Patienten garantiert, es kommt es schließlich zur viel zitierten 'Triage'. Das System nähert sich schrittweise dem Kollaps."

Um das zu verhindern, richteten die Intensivmediziner einen "dringenden Impfappell an alle, die noch nicht gegen SARS-CoV-2 immunisiert sind". Die Anzahl der Covid-Patientinnen und -Patienten auf Intensivstationen steige rasch und stetig: "Das müsste nicht so sein. Die Datenlage ist klar, dass Risiko eines schweren Verlaufs ist bei einer vollständigen Immunisierung verschwindend gering, geimpfte Intensivpatientinnen oder -patienten mit Covid-19 sind die absolute Ausnahme."

(APA/Red)

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