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Orientalische Riesenparty in Ottakring

Ottakring ist ja traditionell ein "roter" Bezirk, doch so rot wie in der Nacht auf Montag war er wahrscheinlich noch nie.

Tausende türkische Fans bejubelten den 3:2-Sieg ihres Nationalteams gegen jenes der Tschechen ausgelassen, lautstark, waren kaum zu bändigen. Bereits der Gürtel versank in einem friedlichen Verkehrschaos, garniert mit ohrenbetäubendem Hupkonzert. Die Ottakringer Straße mutierte abermals zur Partymeile.

Am Brunnenmarkt waren die türkischen Cafes leer gefegt, die Lichter brannten, die TV-Geräte liefen, doch alles wirkte fluchtartig verlassen. Aus allen noch so dunklen, engen Seitengassen strömten sie der Ottakringer Straße zu, wo plötzlich riesige Lautsprecher, wie aus dem Nichts herbeigezaubert, für die akustische Untermalung sorgten. Ein Videobeamer warf bewegte Bilder auf die schwarzgraue Mauer einer alten Zinskaserne, und diejenigen, die es doch wagten daheimzubleiben, hingen mit ihren Oberkörpern gefährlich weit aus den Fenstern, klatschten, skandierten, schwenkten Fahnen.

“Türkiye!!!!” – “Türkiyeee!!!” Der kleinste gemeinsame Kommunikationsnenner wurde zum zentralen Element jedes Dialogs. Egal, ob von Fenster zu Fenster, von Autodach zu Gehsteig oder im Kreis tanzend. Einige Omas standen da am Straßenrand, wirkten etwas verloren in ihren Schlafmänteln und Badeschlapfen, von den Enkelkindern aus den Wohnungen gezerrt, hinunter auf den Asphalt, auf dem Knallfrösche explodierten, wo alte Männer in sirtaki-ähnlichen Kreisen zur Musik aus orientalischen Blasinstrumenten tanzten.

“Champioooon!!!”, johlte es aus den weit geöffneten Autofenstern, als wären die Türken bereits Europameister. Das waren sie am Sonntagabend zwar noch lange nicht, doch die nervenzerfetzende Aufholjagd in Genf hatte auch in Wien sämtliche Jubeldämme bersten lassen. Ganze Familien – vom aufgekratzten Fünfjährigen bis zum Opa – feierten mit. Für die nötigen Partynebelschwaden sorgte ein von allen Seiten begeistert angefeuerter Pkw-Dompteur, der auf Höhe Palffygasse so richtig Gummi gab.

Über der Szenerie kreiste wachend ein Hubschrauber, an beiden Enden der improvisierten Mitternachts-Fanzone beobachteten Polizisten das zwar stürmische, aber friedliche Zelebrieren des Aufstiegs der Türkei ins Viertelfinale der EURO. Dort werden sie übrigens auf jene treffen, deren Fans die Ottakringer Straße bereits ebenfalls ausgiebig als Siegesfeier-Areal zu nutzen wussten – die Kroaten.

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