Organtransplantationen: Österreich im internationalen Spitzenfeld

Österreich liegt auf dem Gebiet der Organverpflanzungen zwar international im Spitzenfeld, doch das Spenderaufkommen sollte trotzdem weiter verbessert werden.

Immerhin beträgt bei allen Erfolgen die durchschnittliche Wartezeit für eine “neue” Niere noch immer 39 Monate. Kommende Woche (27. bis 29. Oktober) diskutieren Experten bei der “Austrotransplant 2010”-Tagung in Villach die neuesten Entwicklungen ihres Fachgebietes.

Transplantationen gehören immer mehr zum medizinischen Alltag in Österreich. Laut österreichischem Transplant-Jahresbericht (ÖBIG) wurden im vergangenen Jahr 790 Organtransplantationen durchgeführt. Das entspricht einer Steigerung um mehr als 100 Transplantationen gegenüber dem Jahr 2008.

Josef Kovarik, Vorstand der 6. Medizinischen Abteilung mit Nephrologie und Dialyse am Wilhelminenspital in Wien und Tagungspräsident: “Im Jahr 2009 wurden in Österreich 209 verstorbene Organspender gemeldet und in der Folge auch explantiert. Bezogen auf die Einwohnerzahl sind das 25 realisierte Organspender pro Million Einwohner. Gegenüber dem Jahr 2008 ist dies eine deutliche Steigerung. Neben der Organspende von Verstorbenen gewinnt die Lebendspende – vor allem im Bereich der Nierentransplantation – zunehmend an Bedeutung und stellt ein akzeptiertes Therapieverfahren dar. Die im Jahr 2009 realisierten 65 Lebendspenden der Niere sind international ein ausgezeichneter Wert, dennoch gibt es im Bereich der Lebendspende noch genügend Potenzial.”

Weiterhin mit an der Weltspitze ist Österreich bei den Nierentransplantationen mit 44,2 Organen von toten Spendern pro Million Einwohner. Lediglich in Spanien (47,3) und in Belgien (45,7) werden höhere Werte erreicht. Auch mit 10,8 Herztransplantationen, 7,1 Lungentransplantationen und 13,5 Lebertransplantationen pro Million Einwohner sei die Versorgung in Österreich hervorragend.

Trotzdem gibt es eigentlich zu wenige Spenderorgane: Derzeit befinden sich etwa 1.100 Patienten auf den österreichischen Wartelisten für eine Organtransplantation. Während man auf eine Niere durchschnittlich 39 Monate wartet, finden Leber-, Herz-, Lungen- und Bauchspeicheldrüsentransplantationen nach einer durchschnittlichen Wartezeit von 5,7 bis 9,7 Monaten statt. Ziel, so der Experte, ist es, einerseits den hohen Standard von 25 Leichenspendern pro Million Einwohner auf 30 Spender pro Million zu erhöhen, andererseits weiterhin die Lebendspende durch vermehrte Aufklärung zu forcieren.

Ein anderes Gebiet ist Stammzelltransplantation. Im Jahr 2009 waren in Österreich mehr als 60.000 Stammzellspender registriert. Diese nationalen Spender sowie die weltweite Vernetzung des Registers ermöglichen im Bedarfsfall eine ausgezeichnete Patientenversorgung von etwa 85 Prozent, wobei bis zur Identifizierung eines nichtverwandten Spenders etwa 50 Tage benötigt werden. Blutstammzellen und Knochenmark werden in Österreich an elf Zentren transplantiert. Die Anzahl der Knochenmarkstransplantationen ist 2009 im Vergleich zu den Vorjahren weiter angestiegen.

Für Organtransplantationen gibt es in Österreich vier Zentren: an den drei Universitätskliniken Wien, Graz und Innsbruck sowie in Linz, wo ausschließlich Nieren transplantiert werden. Das größte Transplantationszentrum ist das AKH-Wien, wo im Jahr 2009 176 Nieren, 64 Lebern, 51 Herzen, 94 Lungen und sieben Bauchspeicheldrüsen transplantiert wurden. Das zweitgrößte Zentrum ist an der Universitätsklinik Innsbruck etabliert, wo neben allen anderen Organen besondere Erfahrung im Bereich der Transplantation der Bauchspeicheldrüse besteht.

Die Funktionstüchtigkeit der in Österreich transplantierten Organe (Transplantat-Überlebenszeit) ist ausgezeichnet. Sie liegt nach 60 Monaten für Niere, Leber und Herzen bei etwa 70 Prozent und entspricht damit der Erfolgsquote anderer internationaler Registerdaten renommierter Zentren.

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