ORF-Stiftungsrat bestellt vier zentrale Direktoren

Der designierte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann im Rahmen des ORF-Stiftungsrates am Donnerstag.
Der designierte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann im Rahmen des ORF-Stiftungsrates am Donnerstag. ©APA/ROBERT JAEGER
Der ORF-Stiftungsrat bestellte am Donnerstag vier zentrale ORF-Direktoren. Darunter sind Eva Schindlauer, Ingrid Thurnher, Stefanie Groiss-Horowitz und Harald Kräuter.
Roland Weißmann ist neuer ORF-Generaldirektor
Frauen für ORF-Direktionen gesucht

Der 35-köpfige ORF-Stiftungsrat hat am Donnerstag die vier zentralen ORF-Direktoren bestellt. Unter dem designierten ORF-Generaldirektor Roland Weißmann wird ORF III-Geschäftsführerin Eva Schindlauer Finanzdirektorin, ORF III-Chefredakteurin Ingrid Thurnher Radiodirektorin, Puls 4-Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz Programmdirektorin und GIS-Chef Harald Kräuter zum Technikdirektor.

ORF-Direktoren bekamen 90 Prozent der Zustimmung

Die vier zentralen Direktoren kamen auf 32 von 35 Stimmen. Das entspricht über 90 Prozent Zustimmung. Dabei gab es keine Gegenstimme, nur drei Enthaltungen. Diese entfielen auf den FPÖ-Freundeskreis, wie deren Leiterin Barbara Nepp der APA sagte. Neben Nepp enthielten sich noch Georg Watschinger und Corinna Heinreichsberger. Damit stimmten weit mehr Stiftungsräte für das Personalpaket als im August für Weißmann. Er kam mit türkis-grüner Unterstützung auf 24 von 35 Stimmen, wobei ihm auch mehrere Unabhängige und Stiftungsratsvorsitzender Norbert Steger ihre Stimme gaben. Die Bestellung der Landesdirektoren erfolgt in Kürze. Überraschungen werden nicht erwartet.

Frauenanteil bei Direktorposten künftig bei 75 Prozent

Bei den zentralen Direktorenposten beträgt der Frauenanteil künftig 75 statt bisher 50 Prozent, wobei Weißmann die unter dem amtierenden ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eingeführte Direktionsstruktur beibehält. Eine Anpassung hat er in den Raum gestellt. Ausschlag könnte etwa der Abschluss der Besiedelung des derzeit in Bau befindlichen multimedialen Newsroom geben. Im Zuge dessen übersiedeln auch die für das Radio beschäftigten ORF-Mitarbeitenden auf den Küniglberg.

Neufestsetzung der GIS-Gebühren

Wrabetz, der noch bis 1. Jänner 2022 als Generaldirektor das größte Medienunternehmen des Landes führt, will die zahlreichen teils gewichtigen Führungspositionen im multimedialen Newsroom noch heuer besetzen. Dabei soll es zu einer Abstimmung mit Weißmann kommen - wie auch bei der im Herbst fälligen Neufestsetzung der GIS-Gebühren und Gesprächen für eine ORF-Gesetzesnovelle.

Weißmann: Entscheident sei fachliche Kompetenz

Für den designierten ORF-Generaldirektor Weißmann soll das neue zentrale Direktorium "abbilden und vorleben, was wir gemeinsam erreichen wollen". Alle von ihm heute vorgeschlagenen Damen und Herren seien "starke Persönlichkeiten, die fachlich etabliert sind und in den letzten Jahren Innovationskraft und Umsetzungswillen bewiesen". Entscheidend seien für ihn Professionalität und fachliche Kompetenz, Erfahrung in verschiedenen Bereichen des Hauses sowie die große Teamfähigkeit und Führungskompetenz jeder und jedes einzelnen gewesen. "Ich bin damit angetreten, dass der ORF weiblicher und jünger werden muss, und das ist mit diesem Team gewährleistet."

Zach: "Bestätigung für Team" sei "großer Vertrauensbeweis"

Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen Freundeskreises, reagierte gegenüber der APA: "Mehr als 90 Prozent Zustimmung im Stiftungsrat für das neue ORF-Team sprechen für sich. Nach einer klaren Zweidrittelmehrheit für Weißmann im August, ist diese große Bestätigung für sein Team ein großer Vertrauensbeweis und klarer Auftrag für einen modernen und starken ORF."

Grüne erfeut, das ORF-Spitze nun "weiblicher, jünger und diverser"

Lothar Lockl, der für die Grün-nahen Stiftungsräte spricht, zeigte sich erfreut, dass der ORF in der Führungsspitze nun "weiblicher, im Schnitt jünger und diverser" wird. Das neue Team vereine "Kompetenz, Zukunftsorientierung und auch Erfahrung" und sei das Richtige, um die anstehende Veränderungsprozesse durch die Konkurrenz von Google, Facebook & Co. in Angriff zu nehmen. "Sie alle haben heute sehr viel Feuer, Leidenschaft und Motivationsgeist erkennen lassen und gehen mit frischem Wind an die Aufgaben heran", so Lockl, der sich erfreut zeigte, dass auch "Menschen außerhalb des Hauses, wiewohl mit ORF-Erfahrung", unter den neu bestellten Direktorinnen und Direktoren seien. Die Abstimmung im Paket sei "im Wesentlichen so vorgegeben", eine Einzelabstimmung hätte - bei den Zentraldirektoren - aus seiner Sicht heute kein anderes Ergebnis gebracht, kommentierte er Kritik am Bestellmodus.

SPÖ sprach von einer "Zäsur"

SPÖ-Freundeskreisleiter Heinz Lederer sprach weiterhin von einer "Zäsur". Der amtierende ORF-Chef Alexander Wrabetz habe eine hervorragende Bilanz hinterlassen. Der SPÖ-Freundeskreis verständige sich nun auf eine "konstruktive, aber sehr harte Kontrolle". Er mahnte ein, dass der von Weißmann geplante Ausbau der Regionalisierung und die "Verländerung der Digitalisierung" nicht Unsummen verschlingen dürfen. "Wir brauchen alle Kraft, um gutes Programm zu machen", so Lederer. Den neuen Direktorinnen und Direktoren attestierte er "extreme Motivation" und "inhaltliches Engagement". Eine Diskussion habe es über die Wiederbestellung von Markus Klement in Vorarlberg gegeben. Dabei habe man sich jedoch darauf verständigt, die Debatte um dessen Führungsstil den zuständigen Gremien zu überlassen.

Leichtfried sieht Herausforderung auf ORF-Führungsteam zukommen

SPÖ-Mediensprecher Jörg Leichtfried sieht große Herausforderungen auf das künftige Führungsteam des ORF zukommen. "Nachdem die Bestellung von Generaldirektor Weißmann leider nach dem bekannten Muster türkiser Hinterzimmer-Politik abgelaufen ist, muss der designierte Generaldirektor mit seinem Team jetzt beweisen, dass für ihn die journalistische Unabhängigkeit des ORF an erster Stelle steht", wurde Leichtfried in einer Aussendung zitiert. Es brauche ein stärkeres Redaktionsstatut, der ORF müsse im digitalen Zeitalter ankommen und neben einer starken regionalen Verankerung auch eine deutlich europäischere Ausrichtung haben, forderte der SPÖ-Mediensprecher.

NEOS kritisieren Bestellungsvorgang

Kritik am Bestellungsvorgang kam bereits am Donnerstagvormittag von den NEOS. "Die Art und Weise, wie die neuen Direktorinnen und Direktoren ernannt werden, bleibt weiterhin höchst kritikwürdig, intransparent und von parteipolitischen Interessen geprägt", wurde NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter in einer Aussendung zitiert. Sie fordert eine Abschaffung des im ORF-Gesetz vorgesehenen Anhörungsrechts der Landeshauptleute für die jeweiligen Landesdirektoren. Dieses sei in Wahrheit ein "Ernennungsrecht".

(APA/Red)

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