AA

Opernstars verlieren beim Arien-Elferschießen

Wie ein langes, langes Elferschießen möglichst bekannter Fußballstars ohne vorhergehendes Match gestalten sich viele Operngalas: Jeder Opernhit wird bemüht, jeder Spitzenton mit Jubel gewürdigt, und je mehr große Namen, desto euphorischer das Publikum.

Auch Montag liefen beim ersten “Ball-Künstler”-Konzert im Rahmen der EURO 2008 große Sänger und Sängerinnen wie Elina Garanca, Edita Gruberova, Ramon Vargas und Carlos Alvarez in der Wiener Stadthalle auf, tatkräftig unterstützt von Opern-Goalgettern wie Verdi, Bizet und Donizetti. Doch in der nur luftig gefüllten Halle gab es trotz viel Jubels keinen Sieger.

Es war letztendlich eine gute Fügung, dass die Konzerte der “Ball-Künstler” nun doch nicht auf der Hohen Warte, sondern in der Stadthalle absolviert werden: Nach dem Opernhit-Reigen empfing ein starker Regenschauer das nach Hause eilende Publikum, der bei einem Freiluft-Konzert doch deutlich die Stimmung getrübt hätte. Ein bisschen Open-Air-Feeling wurde dennoch zuvor auch in der Halle eingefangen: Entweder Ton- oder Klimaanlage rauschte wie ein gar nicht laues Juni-Lüfterl. Und das Bratislaver Nationalopern-Orchester unter Karel Mark Chichon (durch die Lautsprecher-Verstärkung mit ihren undefinierten Bässen ohnehin schon eines Großteils seiner Dynamik beraubt) kämpfte in zarten Momenten mit dem Nebengeräusch. Auch Garanca (stark und präsent), Gruberova und Alvarez mussten im ersten Teil ausgerechnet bei den vom Publikum so sehnsüchtig erwarteten lauten und hohen Momenten ein Knistern im Mikrofon übertönen.

Das tat der Stimmung in der Halle jedoch keinen Abbruch. Der sympathischen und wie immer mit viel Showtalent ausgestatteten Gruberova wurde so manches Schwungholen vor schwierigen Tönen ebenso freudig erlaubt wie Alvarez sein so Star-taugliches wie feuriges Haare-aus-dem-Gesicht-Schütteln. Das hochklassige Sängerensemble ließ keine Wünsche offen und lieferte nicht zuletzt aus der Pizzawerbung bekannte Musik wie beim Italiener ebenso wie Operetten-Heiterkeiten aus “Fledermaus”, “Land des Lächelns” oder der “Lustigen Witwe”, die am Freitag als “Ball-Künstler”-Event ebenfalls in der Stadthalle zu erleben sein wird. Die Sängerknaben liefen auf die Bühne auf, trällerten die Tritsch-Tratsch-Polka und liefen wieder ab, Paata Burchuladze und Miro Dvorsky ergänzten die Solisten: Trotz mehr als zweieinhalb Stunden Dauer blieb fast nicht genügend Zeit für die vielen großen Namen und Schlager. Vom “Traviata”-Hit “Brindisi” über den “Toreador” aus “Carmen” bis zu “Dein ist mein ganzes Herz” war alles dabei, rauschender Applaus aus dem Publikum für jeden Hit.

Dass eine Operngala in der Stadthalle bald starten wird, merkt man schon in der Zielgeraden vor dem Rainer-Bau: Von Abendkleid bis zu Jeans reicht das Kleidungsspektrum. Von rund 50 bis rund 130 Euro für die regulären Tickets, mehr als 200 Euro als VIP bis zu 300 Euro für ein Diamond VIP-Ticket mit u.a. Getränken, Garagenplatz und Galadiner machten die Opernfreunde locker, der Reingewinn soll laut dem “Ball-Künstler”-Verein dem Nachwuchs in Sport und Kunst zu Gute kommen. Das ist ein nobler Zweck, und über Operngalas rümpfen seit den drei Tenören nur noch die verkniffensten Opernfreunde die Nase (zumindest öffentlich). Dennoch: Viel Charme hatte die Nummern-Revue in der für diesen Zweck doch etwas tristen und durch Vorhänge verkleinerten Halle nicht, zu sehr war Besetzung und Programm auf Superlativ, auf Oberfläche getrimmt. Derartiges Opern-Fast Food wird auch mit noch so großen Namen nicht verdaulicher.

Die spielfreien Tage der EURO werden auch weiter musikalisch bespielt: Heute, Dienstag, folgt ein Austropop-Abend mit den “Ball-Künstlern” Toni Polster und Hans Krankl und den Austropop-Größen Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich und Willi Resetarits. Und nach der “Lustigen Witwe” am Freitag beschließt Elton John am Samstag das Warten auf das EURO-Finale.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Wien - 15. Bezirk
  • Opernstars verlieren beim Arien-Elferschießen
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen