Opernball-Organisatorin Desiree Treichl-Stürgkh im Interview

Desiree Streichl-Türkgh stand vor dem Wiener Opernball 2013 Rede und Antwort.
Desiree Streichl-Türkgh stand vor dem Wiener Opernball 2013 Rede und Antwort. ©APA
Der Opernball 2013 ist bereits der sechste, der von Desiree Treichl-Stürgkh organisiert wird. Die Arbeiten laufen bereits auf Hochtouren um die Vorbereitungen bis zum 7. Februar rechtzeitig abzuschließen. Im Interview mit der APA verrät sie, wer heuer kommt, wer ihr Wunsch-Gast wäre, was ihr Spaß macht und was weniger.
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APA: Wie laufen die Vorbereitungen?

Treichl-Stürgkh: Die größte Stressphase haben wir schon hinter uns. Das, was jetzt kommt, ist: Anrufe beantworten. Leute wollen wissen, wo sie sitzen, wo es Karten gibt, ob es noch Karten gibt, was sie anziehen sollen. Zudem stehen jetzt Debütantenproben an.

APA: Wer wird kommen?

Treichl-Stürgkh: Ich muss da immer ein bissl vorsichtig sein, weil ich mich immer rückinformieren muss, ob ich nennen darf oder nicht. Da herrscht zwischen den Logengästen und mir ein großes Vertrauen und solange ich nicht das Okay bekomme, sage ich da auch nichts. Aber was ich sagen kann: Vom Ensemble und von der Wiener Staatsoper kommen fast alle Mitglieder. Ich finde es irrsinnig schön, dass es Direktor Dominique Meyer geschafft hat, da wieder eine gute Stimmung im Haus zu machen. Dann kommen Harald Glööckler mit einer ganzen Entourage, Maximilian Schell, Thomas Muster, Johann Lafer und Franziska Knuppe. Von der Politik kommen, so viel ich weiß, natürlich Bundespräsident Heinz Fischer, Vizekanzler Michael Spindelegger, Verkehrsministerin Doris Bures und Kulturministerin Claudia Schmied.

APA: Wer wäre Ihr Traum-Opernball-Gast?

Treichl-Stürgkh: Ich würde sagen, Herzogin Kate. Die würde mir gut gefallen für den Opernball. Wenn ich mir einen Gast wünschen könnte, dann wäre es so jemand: Jung, aber doch mit Stil. Der das Moderne verkörpert, aber doch das Traditionelle nicht verlassen hat.

APA: Was sagen Sie eigentlich zu Richard Lugners diesjähriger Begleitung Mira Sorvino. Sind Sie erleichtert, dass er heuer so einen “harmlosen” Ballgast bringt?

Treichl-Stürgkh: Ich bin weder verärgert noch erleichtert. Er kauft diese Loge und es ist sein gutes Recht dort einzuladen, wen immer er will. Ich finde es schön, dass es so eine anerkannte Künstlerin ist. Das freut mich auch für ihn.

APA: Gibt es eigentlich Beschwerden von Gästen über Herrn Lugner, die sagen: Jetzt muss ich so viel zahlen und dann sind dann solche Leute am Ball?

Treichl-Stürgkh: Nein. Bei mir hat sich noch überhaupt keiner aufgeregt. Es gibt viele Gäste, die sehr viel Geld in der Oper lassen, als Sponsoren, die unter dem Jahr viel in die Oper gehen. Die mir schon unter Hand sagen: Bitte, wenn geht, setz uns nicht daneben. Also, das sind Leute, die wegen dem Kunstverständnis kommen, die kommen wegen der Eröffnung, den Philharmonikern, wegen den Sängern, wegen dem Ballett. Die kommen nicht, um eine Show abzuziehen, wie manch andere. Diesen Wunsch respektiere ich.

APA: Wie wird Ihr Kleid heuer aussehen?Treichl-Stürgkh: Da sage ich gar nichts dazu. Beim ersten Ball, den ich organisiert habe, habe ich das ein bisschen gezeigt und ich bin drauf gekommen, ich möchte auch nicht so einen Tanz um mein Kleid machen, eher um die Kleider der Gäste und um unsere Künstler. Ich werde ein sehr schönes Kleid haben und hoffentlich wird alles gut passen.

APA: Viele Gäste, vor allem die Damen, spulen vor dem Ball ein richtiges Vorbereitungsprogramm ab: Friseur, Fitness, Beauty, Maniküre, Pediküre – haben Sie eigentlich auch Zeit für so etwas?

Treichl-Stürgkh: Mache ich alles. Da nehme ich mir schon die Zeit. Ich trainiere viel, das brauche ich auch, um mich einfach für diesen Job fit zu halten. Ich habe vor dem Ball einen Stylisten und jemanden, der mir die Haare macht. Ich mache das nicht selber, das wird von Spitzenleuten organisiert, die das gerne machen und die drauf achten, dass das halbwegs gut aussieht.

APA: Schlafen Sie in der Nacht vor dem Ball gut oder sind Sie nervös?

Treichl-Stürgkh: Ich komme relativ spät ins Bett. Am Abend vor dem Ball findet die Generalprobe statt und danach gibt es dann immer noch Besprechungen oder man trifft sich dann noch in der Kantine und man überlegt: Wie könnte man es besser machen, anders machen? All diese Dinge gehen einem durch den Kopf. Da schlafe ich insofern nicht so gut, als dass ich das alles Revue passieren lasse.

APA: Wie sieht Ihr Programm am Balltag selbst aus? Ist es dicht gedrängt?

Treichl-Stürgkh: Ich bin sehr früh in der Oper, wir haben etliche Soundchecks. Viele Gäste kommen erst am Mittwochabend an, wollen noch einmal schnell schauen, wo ihre Logen sind, damit sie mit ihren Gästen schnell den Weg hinfinden. Die begleite ich auch. Dann schaue ich, dass ich um zwei, drei zu Hause bin. Dann wird eine fette Portion Nudeln gegessen, viel Kohlenhydrate, damit ich Kraft habe. Ab halb sieben, sieben bin ich dann in der Oper.

APA: Kommen Sie beim Opernball auch zum Feiern?

Treichl-Stürgkh: Oh ja, aber erst spät. Natürlich ist es Arbeit im Vordergrund, aber es ist auch ein riesig schönes Fest, wo man Spaß haben soll. Ich arbeite ein Jahr mit meinem Team auf diesen Abend zu, da ist man schon froh, wenn gewisse Dinge funktionieren und man freut sich. Dann stoßen wir auch an. Aber das ist halt dann erst so um drei, vier herum. Da kann es schon passieren, dass ich in der Disco bin und die Energie rausfetze.

APA: Bekommt Sie Ihre Familie eigentlich in den Tagen vor dem Opernball zu Gesicht?

Treichl-Stürgkh: Ich frühstücke mit meinen Kindern und bringe sie in die Schule. Das mache ich, weil ich ein bissl von ihnen noch hören will, was los ist, weil ich eben zu Mittag nicht zu Hause bin. Was ich mache, ich bin immer zum Abendessen zu Hause. Dieses gemeinsame Zusammensitzen an einem Tisch ist im Moment wichtig und das schätzen die Buben auch sehr, weil sie genau wissen: Die Mami hat jetzt Stress.

APA: Ist das Ballorganisieren eigentlich Arbeit oder Vergnügen?

Treichl-Stürgkh: Es ist beides. Natürlich macht es mir Spaß. Wenn man so viel Energie hineinsteckt in eine Sache, bei der – sag ich jetzt einmal – finanziell nichts herausschaut, da fragen sich viele Leute: Warum macht die das? Ich mache es, weil es mir Spaß macht. Weil ich sehe, ich kann hier etwas bewegen. Zu sehen, dass jetzt auch junge Leute ein Ticket kaufen, das macht mir unheimlich Spaß und das freut mich.

APA: Wie lange wollen Sie den Opernball noch organisieren?

Treichl-Stürgkh: Ich habe keinen Vertrag mit der Oper. Ich habe Lady’s Agreement mit Direktor Dominique Meyer. Solange er findet, dass ich das gut mache und ich finde, ich passe in dieses Bild des Opernballs, solange werde ich das machen. Aber ich sag immer: Ich möchte dort nicht alt werden. Aber was weiß man?

APA: Hand aufs Herz: Was nervt Sie bei der Ballorganisation?

Treichl-Stürgkh: Was nervt, sind so die Zurufe von außen, weil keiner sich wirklich vorstellen kann, was das hier für eine Arbeit ist, wie sehr die Leute hier arbeiten, wie viel Zeit man investiert, wie viel Fingerspitzengefühl es braucht.

APA: Was machen Sie am Tag nach dem Ball?

Treichl-Stürgkh: Die Wirtschaftskammer und Bürgermeister Michael Häupl machen einen Empfang für die Logengäste im Rathaus. Da bin ich dann noch kurz. Ich gehe außerdem mit meinen Kolleginnen in den Tirolerhof und wir essen ein “Retro”-Ei, das kennt man auch unter Mayonnaise-Ei. Das ist ein ganz fettes, deftiges Essen. Das gönnen wir uns.

APA: Wann starten die Planungen für den Opernball 2014?

Treichl-Stürgkh: Die sind jetzt schon im Gang. Es gibt schon Kooperationen, die für 2014 stehen.

(Das Interview führte Dorit Ausserer/APA)

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