Österreichisches Ehrenkreuz für Barbara Frischmuth

Frischmuth kritisierte Benachteiligung von Frauen
Frischmuth kritisierte Benachteiligung von Frauen
Die österreichische Schriftstellerin Barbara Frischmuth ist am Donnerstag im Kulturministerium mit dem "Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse" ausgezeichnet worden. Die 71-Jährige nützte ihre Dankesrede dazu, auf die nach wie vor bestehende Benachteiligung von Frauen in Beruf, Alltag und eben auch bei Auszeichnungen einzugehen.


“Unter 155 Empfängern des Ehrenkreuzes seit 1955 sind nur neun, ab heute zehn Frauen”, so Frischmuth, die ähnliche Verhältnisse auch in Bezug auf weitere staatliche Auszeichnungen sowie Professuren an Universitäten vorrechnete. “Da frage ich mich: was ist los mit uns österreichischen Frauen, die wir alle angeblich in allem gleichstellt werden?” Gehe es noch immer vordringlich “um die sogenannte Brutpflege”? Die meisten für eine (Universitäts-)karriere infrage kommenden Frauen würden sich – im Vergleich zu Frankreich – ohnehin gegen Kinder entscheiden.

Kulturministerin Schmied würdigte Frischmuth als “disziplinierte Vielschreiberin”. Die Autorin gelte als “personifizierte Toleranz zwischen Religionen und Kulturen”. Sie verbinde “hochdifferenzierten Sprachreichtum, scharfen Intellekt und Sinn für Gerechtigkeit, Wertschätzung und Respekt”, so die Ministerin.

Barbara Frischmuth wurde am 5. Juli 1941 in Altaussee geboren. Sie studierte Türkisch und Ungarisch (Dolmetsch) an der Universität Graz, später Orientalistik in Wien. Ein Stipendium führte sie 1960/61 erstmals in die Türkei – an die ostanatolische Universität in Erzurum. Ihren Romanerstling legte sie 1968 mit “Die Klosterschule” vor, in dem Frischmuth die autoritären Strukturen eines Mädchengymnasiums beschrieb. Nach ihrem Debüt und dem Roman “Das Verschwinden des Schattens in der Sonne” (1973) erzielte die Autorin vor allem mit der “Sternwieser-Trilogie” (1976-1979) und der “Demeter-Trilogie” (1986-1990) Erfolge.

Neben Erzählungen, Essays, Hör- und Fernsehspielen erschienen zuletzt u.a. die Romane “Der Sommer, in dem Anna verschwunden war” (2004), der Reiseroman “Vergiss Ägypten” (2008) und “Woher wir kommen” (2012). In ihren literarischen Gartentagebüchern “Fingerkraut und Feenhandschuh” (1999), “Löwenmaul und Irisschwert” (2003) und “Marder, Rose, Fink und Laus” (2007) hat sie ihre schriftstellerische mit der gärtnerischen Passion vereint.

Frischmuth erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der österreichische Kinder- und Jugendbuchpreis 1972, der Anton-Wildgans-Preis 1973 und der Franz-Nabl-Literaturpreis 1999. 2005 wurde sie mit dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln gewürdigt. Seit 1999 lebt die Autorin wieder in Altaussee.

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