Österreich zeigt auf Biennale "Places of Power"

Innenansicht des Österreich-Pavillon
Innenansicht des Österreich-Pavillon
Eine Vollversammlung aller gebauten Parlamente der Erde zeigt der Österreich-Pavillon auf der am Samstag eröffnenden 14. Architektur-Biennale von Venedig. 196 an den Wänden angebrachte 1:500-Modelle bieten in "Plenum. Places of Power" die Möglichkeit zum Vergleich.


“Obwohl nur rund 50 Parlamente vor Kriegsende gebaut wurden, sind es überwiegend klassizistische Bauten”, sagte Österreich-Kommissär Christian Kühn am Freitag bei einer Pressekonferenz. “Man möchte offenbar die Moderne nicht haben”, meinte er in Anspielung auf das von Chefkurator Rem Koolhaas ausgegebene Motto “Absorbing Modernity: 1914-2014”.

Gerade jene nationalen Pavillons, die sich nicht an dieses Motto hielten, seien die spannendsten, feixte Wolf D. Prix. “Es ist spannend, dass die Demokratie noch keine Formensprache gefunden hat.” Sein Architekturbüro Coop Himmelb(l)au ist in einem Nebenraum – neben dem Entwurf für das Konferenzzentrum im chinesischen Dalian – mit Plänen für das albanische Parlament in Tirana vertreten. “Es ist eine noble Aufgabe für ein Architekten, ein Parlament zu entwerfen.” Das Gebäude in Tirana soll ein Offenheit ausstrahlender Glaspalast werden – für ein Land, in dem vor wenigen Jahren im Parlament noch von der Schusswaffe Gebrauch gemacht wurde, ein ungewöhnliches Wagnis.

“Ich bin überzeugt davon, dass das, was hier stattfindet, einmalig ist”, sagte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ), verwies aber auf einen wichtigen Aspekt: “Parlament heißt nicht automatisch Demokratie.” Die parallel zu der von Studenten der TU Wien vorgenommenen Datenerhebung gemachten politikwissenschaftlichen Studien, die in einem handlichen und informativen Booklet ihren Niederschlag finden, hätten gezeigt, dass von den Ländern mit Parlamenten gemäß dem internationalen Demokratieindex der Zeitschrift “The Economist” nur 25 voll entwickelte Demokratien seien, ein Drittel semidemokratische Staatsformen hätten und der Rest letztlich mehr oder weniger autoritär geführt werde. “Demokratie in seiner vollen Ausprägung ist ein Minderheitenprogramm”, meinte auch Kühn.

Unter den in ihrer Gesamtheit wie ein Wandornament wirkenden und nach den Länder-Autokennzeichen geordneten Parlamentsmodellen, die eine unglaubliche Vielfalt an Größen und Formen bieten, nimmt das österreichische Parlament eine Durchschnittsstellung ein. In einem Nebenraum wird in einer Videoinstallation das von Theophil Hansen entworfene österreichische Parlament an der Ringstraße vorgestellt. Das Generalsanierungsprojekt, das 2017 für 350 Mio. Euro in Angriff genommen werden soll, war auch Gegenstand für Nachfragen bei der heutigen Pressekonferenz.

Man hoffe, demnächst den Findungsprozess für einen Generalplaner abschließen zu können, sagte Parlamentsdirektor Harald Dossi, der in Vertretung von Parlamentspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) nach Venedig gekommen war. Man wolle “innerhalb des Gesamtbudgets so viel wie möglich an Innovation und Kreativität” erhalten – ob das möglich sei, wurde nicht nur von Prix bezweifelt. Er plädierte für die Übergabe des Parlaments an das Wien Museum (“Damit erspart man sich für das Museum gleich den Zubau”) und einen Parlamentsneubau auf dem Heldenplatz. Das wäre ein echtes Statement – und billiger wäre es auch, glaubte Prix. Für Kühn steht bei den Renovierungsplänen zumindest eines fest: Der stählerne Adler im Plenarsaal müsse weg.

Im Hof des Josef-Hoffmann-Pavillons haben die Landschaftsarchitekten Maria Auböck und Janos Karasz einen Garten angepflanzt, der “das rationalistische Quadratraster der Bodenplatten” ersetzen und “das ungeordnete Grün der Umgebung” hereinholt. Dazu gibt es eine von der Gruppe Kollektiv/Rauschen entwickelte Klanginstallation: Einerseits wurden Meldungen sozialer Netzwerke zu den politischen Protestbewegungen der jüngeren Vergangenheit abstrakt vertont und damit “die Massen hineingeholt”, wie Sebastian Bauer erläuterte. Andererseits strahlen zwei Lautsprecher mit politischen Reden nach außen.

Insgesamt stand für den von Christian Kühn gemeinsam mit seinem TU-Wien-Kollegen Harald Trapp konzipierten Österreichbeitrag, der am Nachmittag eröffnet und am Samstag mit einer Podiumsdiskussion ergänzt wird, ein Budget von 400.000 Euro zur Verfügung. Die bis 23. November laufende 14. Architektur-Biennale wird morgen offiziell eröffnet. Dabei werden auch ein Goldener und ein Silberner Löwe für die besten Nationen-Pavillons vergeben.

(S E R V I C E -;)

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