Österreich: Handel steht bei Umsätzen besser da als vor Corona-Krise

Der Handel steht mit Blick auf den Umsatz nicht schlechter da als im Vergleichszeitraum 2019.
Der Handel steht mit Blick auf den Umsatz nicht schlechter da als im Vergleichszeitraum 2019. ©APA/BARBARA GINDL (Symbolbild)
Der Handel in Österreich ist in den ersten fünf Monaten des aktuellen Jahres zum ersten Mal zu mehr Umsatz gekommen als im Vergleichszeitraum von 2019.

Die Netto-Erlöse betrugen insgesamt 114,2 Mrd. Euro, das entspricht einem Plus von 11,8 Prozent gegenüber dem Corona-Jahr 2020 und 0,8 Prozent in Vergleich zu 2019. Wie sich die Umsätze weiterentwickeln, hänge vor allem vom Infektionsgeschehen ab, erklärte WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

Möbelhandel anders als Modehandel

Während beispielsweise der Einzelhandel mit Bau- und Heimwerkerbedarf (plus 20,5 Prozent gegenüber 2020; plus 13,1 Prozent gegenüber 2019), sowie der Möbelhandel (plus 4,6 Prozent gegenüber 2020; plus 1,7 Prozent gegenüber 2019) profitiert haben, liegen andere Branchen wie der Mode- (minus 2,7 Prozent gegenüber 2020; minus 21,7 Prozent gegenüber 2019) und Schuhhandel (minus 6,1 Prozent gegenüber 2020; minus 26,1 Prozent gegenüber 2019) noch weit unter dem Vorkrisenniveau. Auch der Schmuckhandel, Spielwaren- und Sportartikelhandel, sowie Bücher- und Zeitschriftenhandel haben das Umsatzniveau von 2019 noch nicht erreicht. "Eine derart große Divergenz (zwischen den Handelssparten, Anm.) hat es noch nie gegeben" so Peter Voithofer vom Economica Institut, das die Zahlen der Statistik Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer analysiert hat.

"Alles um die eigenen vier Wände ist im letzten Jahr und heuer wichtiger geworden", so Peter Voithofer vom Economica Institut. Der Einzelhandel konnte seine Umsätze im Zeitraum Jänner bis Mai heuer auf 35,2 Mrd. Euro steigern, das entspricht einem Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum von 2020 und 4,3 Prozent gegenüber 2019. Der Großhandel verzeichnete in den ersten fünf Monaten einen nominellen Zuwachs von 11,1 Prozent gegenüber 2020 und 0,4 Prozent gegenüber 2019, wobei hier vor allem der Lebensmittelgroßhandel, bedingt durch die Gastroschließungen, Umsätze einbüßte (minus 4,0 Prozent gegenüber 2020, minus 8,8 Prozent gegenüber 2019). Der KFZ-Handel entwickle sich insgesamt positiv, habe seinen Umsatz-Höhepunkt aber heuer bereits im März und April erreicht, auch aufgrund der Nova-Änderung, und liege insgesamt noch unterhalb des Vorkrisenniveaus, erklärte Voithofer.

Plus bei Online-Handel

Der Online-Handel ist heuer im Zeitraum Jänner bis Mai um 10,8 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode und um 24,2 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2019 gewachsen. Trotzdem kämen 9 von 10 Euro noch immer aus dem stationären Handel, so Trefelik.

Am Arbeitsmarkt habe es heuer "steigende Beschäftigungszahlen, sinkende Arbeitslosenzahlen und eine steigende Zahl der offenen Stellen" gegeben, so Voithofer. Auch die Kurzarbeit sei deutlich zurückgegangen. Mit 555.000 Beschäftigten im Handel ergab sich in den ersten 5 Monaten 2021 ein Zuwachs von 2,3 Prozent gegenüber 2020, und 1,1 Prozent verglichen mit 2019. Vor allem die Sparten Groß- und Einzelhandel haben mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. Der Einzelhandel beschäftigte 2021 erstmals 300.000 Personen. Im Online-Handel betrug der Beschäftigungszuwachs weit überdurchschnittliche 29,0 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen sei heuer um 9,6 Prozent geringer als im Vergleichszeitraum 2020, gleichzeitig sei die Zahl der offenen Stellen auf 13.250 gestiegen.

Seit März 2020 seien im Handel rund 300.000 Beschäftigte zur Kurzarbeit angemeldet worden, davon hätten sich im Mai 2021 noch weniger als 10 Prozent tatsächlich in Kurzarbeit befunden, erklärte Voithofer.

"Das Worst-Case-Szenario ist der Lockdown"

Für das zweite Halbjahr 2021 geht Voithofer von einer Fortsetzung des positiven Trends aus: Dafür sprächen ein laut Wifo-Prognose für Juni reales BIP-Wachstum im Gesamtjahr von 4,0 Prozent, eine Steigerung der Bruttowertschöpfung von 6,0, Prozent, mit der der Handel rechne, und ein erwarteter Rückgang der Sparquote.

Das Wachstum könne jedoch vom aktuellen Infektionsgeschehen beeinträchtigt werden: "Das Worst-Case-Szenario ist der Lockdown", so Trefelik. Das heiße jedoch nicht, dass er sich für eine 3G-Regelung im Handel ausspreche. "3G- oder 1G-Eintrittstests wären ein Online-Förderprogramm, da würde uns der Jeff Bezos (Amazon-Chef, Anm.) ein Dankesbrieferl schicken". Es brauche einheitliche Regelungen für ganz Österreich und die Impfquote müsse weiter erhöht werden. Dass die Maskenpflicht im Handel im Herbst fällt, bezweifelte Trefelik: "Mir fehlt der Glaube, dass die Zahlen mit Schulbeginn runter gehen".

Zum zuletzt von Spar-Chef Fritz Poppmeier vorgeschlagenen "Österreich-Tausender", den man im Lohnsteuerausgleich zusätzlich für in Österreich konsumierte Leistungen absetzen können soll, sagte Trefelik: "Alles was den Handel unterstützt, begrüße ich auch." Das gelte auch für die Senkung der Lohnnebenkosten und der Körperschaftsteuer.

(APA/Red)

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