Öffnung der Schanigärten: Pro und Contra

Ein großer Schanigarten in der Wiener Innenstadt.
Ein großer Schanigarten in der Wiener Innenstadt. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Ende März sollen in Österreich zumindest die Schanigärten wieder öffnen. Ob die "Auferstehung" kurz vor Ostern klug ist oder nicht, diskutieren wir in unserem heutigen "Pro & Contra".
Schnelltest beim Wirten: Pro und Contra

PRO

Ein Jahr Pandemie, ein Jahr Kontakte reduziert, ein Jahr Gefühle der Einsamkeit, Langeweile und einer näher kommender Decken. Und nun ein Lichtblick: Die Schanigärten werden Ende März wieder geöffnet.

Es ist ein Stück Normalität, das hier nach langer Abstinenz in Aussicht gestellt wird. Endlich wieder ein Zusammentreffen, das auf vielen Ebenen einen Vorteil mit sich bringt. Einerseits profitieren die Wirte. Seit Anfang November haben Gastronomiebetriebe geschlossen und müssen auf ihre Gäste verzichten. Arbeit und Umsatz wurden mehr oder weniger an die Umstände angepasst. Auch Wirte könnten also ein Stück weit wieder in den gewohnten Alltag zurückkehren.

Die größte Veränderung bringt es aber bestimmt für die Gäste. Diese können sich in viel sicherem Rahmen treffen – nämlich nach vorangegangener Testung. Zum Feierabendbier im Schanigarten gibt es somit ein Gefühl der Sicherheit und frische Luft gratis dazu.

„Das Öffnen bringt sich nix“, „Das ist mir zu viel Aufwand“ "Was tun, wenn es zu regnen beginnt?"– solche Aussagen wird es immer wieder geben; von Wirten und von Gästen. Doch warum finden wir es nicht einfach raus? Ja, der Aufwand ist größer; ja, es wird sich erst zeigen, ob sich das Öffnen rentiert; und ja, Wetterumschwünge machen es nicht leichter. Ich halte es dennoch für einen Versuch wert, bei dem man einfach zusammenhelfen muss. Mir wäre es den Test und ein bisschen Wind um die Ohren sehr wohl wert, mal wieder in einem Schanigarten zu sitzen. Und sollte es zu regnen beginnen: Schade um das Bier, den Wirten habe ich trotzdem gern unterstützt.

(lyd)

CONTRA

Bitte hört auf! Bitte Regierung, nur eine Woche keine Pressekonferenz, nur einen Tag, ohne dass zwei Minister zu einem Thema das genaue Gegenteil sagen. So geschehen zum "Wohnzimmertests für Schanigärten". Laut Köstinger sei das möglich, sofern es eine zweite Person bezeugen kann. 30 Minuten später dementiert Anschober. Eine Hand weiß nicht, was die andere macht, obwohl beide Hände damit beschäftigt sein müssten, sowohl Österreichs Wirtschaft als auch Leben zu retten.

Es bräuchte einen Plan, worauf man sich verlassen kann: Schanigärten zu öffnen, irgendwann, je nach Inzidenz, mit oder ohne Test, für nicht einmal die Hälfte der Wiener Gastronomen - das ist kein Plan. Die scheibchenweise Lockerungen sollen wohl eher die Bevölkerung bei Laune halten.

3.500 Schanigärten gibt es in Wien, bei 9.000 Gastro-Betrieben. Manche so groß wie ein, vielleicht zwei Autoparkplätze. Da ist der Gastgarten ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn es um den Umsatz geht. Welcher Wirt sperrt da noch auf? Höchstwahrscheinlich muss er noch selbst kontrollieren, ob jeder Gast einen Test gemacht hat - mit Bestätigung eines Zeugen. Das setzt zudem voraus, dass die "Lagebewertung" am 15. März nicht wieder völlig andere Pläne bringt.

Die Regierungsstrategie bleibt weiter dabei: Zeit schinden und hoffen, dass es im Frühjahr und Sommer besser wird. Nur ein Plan, woran sich die Bevölkerung auch halten kann, ist das beim besten Willen nicht.

(obl)

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Öffnung der Schanigärten: Pro und Contra
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen