ÖFB-Chef Windtner will mit "Geist von Wembley" zur Fußball-WM

Leo Windtner blickt positiv in die Zukunft des ÖFB-Teams.
Leo Windtner blickt positiv in die Zukunft des ÖFB-Teams. ©APA/EXPA/JOHANN GRODER

Die Auftritte bei der EM lassen ÖFB-Präsident Leo Windtner positiv auf die Zukunft des österreichischen Fußball-Nationalteams blicken. Auf den "Geist von Wembley" und den beim Turnier entstandenen Spirit könne man aufbauen, betonte der Oberösterreicher nach dem knappen Achtelfinal-Aus gegen Favorit Italien (1:2 n.V.) in London gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. Ziel des Verbandes ist es, diesen zu nutzen, um in naher Zukunft auch wieder einmal zu einer WM zu fahren.

Windtner: "Wollen Qualifikation unter allen Umständen schaffen"

"Unser Team hat hier klar den Nachweis geliefert, dass wir absolut die Stärke haben, um nicht nur wieder zur WM zu kommen, sondern auch dort vielleicht wieder eine Rolle zu spielen wie dieses Mal bei der EM", meinte Windtner. Die Österreicher sind nach einem Fehlstart im März in der WM-Quali bereits im Hintertreffen. Anfang September geht es weiter. "Wir wollen trotz des März-Lehrganges die Qualifikation unter allen Umständen schaffen", betonte Windtner.

Seit Frankreich 1998 war das ÖFB-Team bei keiner WM mehr vertreten. Selbst wenn es in der Quali nicht zu einem der beiden ersten Gruppenplätze reichen sollte, würden die Österreicher dank ihres Nations-League-Gruppensieges von 2020 aller Voraussicht nach im Play-off im März 2022 um drei WM-Restplätze spielen. Franco Fodas Vertrag als Teamchef läuft allerdings nur bis Jahresende - und würde sich nur bei einer WM-Teilnahme automatisch verlängern.

Foda als Teamchef nicht fix

Ob der Deutsche bei den beiden K.o.-Spielen im Frühjahr 2022 noch Teamchef wäre, ist nicht endgültig gesichert. Windtner hält es für "absolut unangebracht", diese Frage im Moment zu diskutieren. Es gebe eine bestehende Vertragslage. "Da brauchen wir nicht orakeln. Wir müssen (im Herbst) auf der Leistungskurve aufsetzen, die wir hier bei der EM gezeigt haben, dann bin ich überzeugt, dass wir dieses Thema nicht mehr haben."

Das Turnier, das zweite seiner Präsidentschaft mit dem A-Team nach der verpatzten EM 2016 in Frankreich, bilanzierte Windtner am Sonntag "absolut positiv" - auch wenn man mit einer Niederlage zum Abschluss nicht zufrieden sein könne. "Aber die Art, wie wir aufgetreten sind, hat eine neue Wegmarke für den österreichischen Fußball gesetzt." Das Teambuilding und weitere Maßnahmen hätten gegriffen. Spieler und Staff seien die "berühmte verschworene Einheit geworden, in der jeder für jeden durchs Feuer geht".

Ein Teamchef als CEO sei dafür "ein maßgeblicher Faktor", erklärte Windtner. Besonders positiv überrascht hätte ihn, wie die Mannschaft beim Turnier nach Rückschlägen immer wieder zurückgekommen sei. "Das war beeindruckend. Selbst nach dem 2:0 haben wir die Italiener noch einmal gewaltig in Bedrängnis gebracht, dass alle im Stadion erstaunt waren über diese Willensstärke."

Altersstruktur im ÖFB-Team sorge für Kontinuität

Die Altersstruktur im ÖFB-Team würde auch in den kommenden Jahren Kontinuität garantieren, meinte der Verbandschef. Die jungen Akteure, die 2019 noch die U21-EM in Italien bestritten hatten, hätten der Mannschaft "einen Schub" gegeben. "Der klar überwiegende Teil wird in den nächsten Jahren den Stamm des Nationalteams bilden." Dazu würde in der aktuellen U19 einiges heranwachsen. "Man kann Vertrauen haben, dass auch da für Kontinuität gesorgt ist."

In den entscheidenden Momenten gegen Italien hätte auch das Glück gefehlt - etwa als das vermeintliche 1:0 gegen Italien durch Marko Arnautovic durch den Video-Assistenten aberkannt wurde. "Es war ein Wechselbad der Gefühle. Speziell nach diesem VAR-Check war es zwischen Himmel und Hölle", schilderte Windtner. Der Video-Referee würde dem Fußball zwar mehr Gerechtigkeit verleihen. Wenn es zwischen Abseits und nicht Abseits um wenige Zentimeter gehe, würde er den Sport aber "an der Grenze zur Fairness" treffen.

Gemeinsames Abschlussessen für ÖFB-Team

Für die ÖFB-Auswahl ging es Sonntagmittag zurück in ihr EM-Quartier nach Seefeld. Dort stand laut Windtner noch ein gemeinsames Abschlussessen an. "It's hard to say goodbye", sagte der 70-Jährige - einerseits, weil das Team in den vergangenen vier Wochen so zusammengewachsen sei, andererseits "weil wir wirklich unglücklich ausgeschieden sind. Eine Niederlage, speziell in der Form, tut immer weh."

Die Spieler würden am Nachmittag ihren verdienten Urlaub antreten. "Auch wir von der Delegation werden einmal ein paar Erholungstage brauchen", meinte Windtner. "Die Realität ist, dass wir in rund zwei Monaten den Lehrgang für die September-Qualifikationsspiele vor uns haben." Das nächste Heimspiel am 7. September gegen Schottland könnte "ein richtiges Highlight" werden. Davor geht es auswärts gegen die Republik Moldau und Israel. Windtner: "Das sind schon wieder Entscheidungsspiele. Aber wir haben gerade hier beim Turnier und unter großem Druck gezeigt, dass wir das handeln können."

Ob das EM-Abschneiden Rückenwind für seine Bewerbung zur Wiederwahl als ÖFB-Chef, die im Oktober ansteht, auswirken könnte, wollte Windtner nicht bewerten. "Jetzt müssen wir zuerst diese EM verdauen, dann schauen wir weiter. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir auf sportlicher Ebene wirklich positiv reüssieren konnten." An UEFA-Prämien spielte das ÖFB-Team insgesamt 12,75 Mio. Euro brutto ein. Ein Teil des Betrages abzüglich aller Kosten für das Turnier wird über einen Verteilungsschlüssel auch an die Landesverbände und an die Bundesliga ausgeschüttet.

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(APA/Red)

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