Obdachlosen in Wien aufgeschlitzt: Prozess im September

Der Prozess gegen jenen mittlerweile 20-jährigen Deutschen, der im August 2007 in einer Notschlafstelle in Wien-Rudolfsheim einen 49 Jahre alten Obdachlosen mit einer Zehn-Kilo-Hantel erschlagen und aufgeschlitzt hat, wird Anfang September stattfinden.

Die Schwurverhandlung wird Richterin Michaela Sanda leiten. Das Verfahren, in dem Staatsanwalt Christian Mayer die Einweisung des 20-Jährigen in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragen wird, ist auf einen Tag anberaumt.

Der 20-Jährige muss sich nicht wegen Mordes verantworten, weil er zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war. Zu diesem Schluss kommt der psychiatrische Sachverständige Heinrich Pfolz in seinem ausführlichen Gutachten. Demnach leidet der Betroffene an einer ausgeprägten Schizophrenie und war in Folge dessen nicht in der Lage, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.

Somit ist ein Schuldausschließungsgrund gegeben, und die acht Geschworenen werden lediglich die Frage zu beantworten haben, ob der 20-Jährige im Hinblick auf die offenkundig von ihm ausgehende Gefährlichkeit unbefristet in einer Sonderstrafanstalt anzuhalten und therapeutisch zu behandeln ist. Der Psychiater geht in seiner Expertise davon aus, dass der junge Mann, der ohne entsprechende therapeutische und medikamentöse Maßnahmen unter dem Einfluss seiner Abartigkeit neuerlich eine mit Strafe bedrohte Handlung mit schweren Folgen begehen könnte.

Meldungen, wonach der von manchen Medien immer wieder als “Kannibale” bezeichnete Deutsche Leichenteile seines Opfers verzehrt haben soll, sind inzwischen als überholt anzusehen. Laut gerichtsmedizinischem Gutachten ließ sich ist ein derartiges Verhalten im Zuge der Obduktion und anschließender Untersuchungen nicht nachweisen. Fest steht, dass der Mann die Leiche geöffnet hat, um sie seinen Angaben zufolge “medizinisch zu untersuchen”. Er hat auch das Gehirn und Organe genommen und auf einem Teller abgelegt, um diese “anzuschauen”.

Laut Gerichtsmediziner starb der 49-jährige Obdachlose an einem ausgeprägten Schädel-Hirn-Trauma. Der um 30 Jahre jüngere Mann hatte ihn im Zug einer heftigen Auseinandersetzung mit wuchtigen Hantel-Hieben erschlagen. Er dürfte seinen Mitbewohner in der Notschlafstelle bestohlen haben und von diesem zur Rede gestellt worden sein.

Der gebürtige Deutsche soll seit mehreren Jahren an einer Sonderform der Schizophrenie leiden und mehrfach in Spitälern behandelt worden sein. Regelmäßiger Suchtmittelkonsum dürfte sich negativ auf den Verlauf seiner Krankheit ausgewirkt haben. Ein Psychiater hatte dem Mann allerdings noch im Jahr 2005 völlige Ungefährlichkeit bescheinigt, weshalb zuletzt von einer stationären Behandlung abgesehen worden war.

Vorgeschichte: Mord an Obdachlosen

Das Gericht wartet auf ein Gutachten

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