NR-Wahl: 200.000 Stimmen für den Einzug ins Hohe Haus

Rund 200.000 Stimmen sind nötig um die Vier-Prozent.Hürde zu schaffen.
Rund 200.000 Stimmen sind nötig um die Vier-Prozent.Hürde zu schaffen. ©APA/Roland Schlager (Themenbild)
Am 29. September finden die Nationalratswahl statt. Wer die Vier-Prozent-Hürde schaffen möchte, braucht etwa 200.000 Stimmen. Vor allem für Kleinparteien wird dies eine Herausforderung.

Rund 202.000 Österreicher muss Peter Pilz davon überzeugen, seine Liste JETZT zu wählen, damit sie im Nationalrat bleibt. So viele Stimmen sind nötig, um die Vier-Prozent-Hürde zu nehmen - wenn man von annähernd gleich vielen gültigen Stimmen wie 2017 ausgeht. Theoretisch würde auch ein Direktmandat in einem Regionalwahlkreis reichen - aber das ist für Kleinparteien so gut wie unerreichbar.

Grünen können mit Einzug rechnen

2017 holte sich Pilz 223.543 Stimmen. Das waren 4,41 Prozent und acht Mandate. Den Grünen fehlten damals 10.160 Stimmen für den Verbleib im Nationalrat. 202.798 Stimmen wären nötig gewesen, sie hatten aber nur 192.638, also 3,80 Prozent. Heuer können sie damit rechnen, wieder einzuziehen. Pilz geben die Meinungsforscher dafür kaum Chancen - und auch nicht den beiden anderen österreichweit kandidierenden Parteien KPÖ und "Wandel".

Die Wahlbeteiligung wird heuer - sagen die Meinungsforscher - ähnlich hoch bleiben wie letztes Mal. Damals nutzten genau 80,00 Prozent der 6.400.993 Wahlberechtigten ihr Stimmrecht. 5.120.881 gaben die Stimme ab, und 5.069.929 Stimmen waren gültig. Heuer ist die Zahl der Wahlberechtigten - mit 6.396.796 - etwas kleiner. Aber mit 80 Prozent Beteiligung und bei annähernd gleich vielen ungültigen Stimmen werden letztlich wieder zwischen 5,05 und 5,1 Millionen Stimmen gültig sein.

Vier Prozent oder höher für Mandatsverteilung

Nur Parteien, die vier Prozent der gültigen Stimmen österreichweit - oder eben ein Direktmandat - holen, nehmen an der Mandatsverteilung teil.

Dass kleine Parteien so gut wie keine Chancen auf Direktmandate haben, sieht man an den Grünen: Sie schafften 2013 zwei, in Graz und Umgebung sowie Linz und Umgebung. Damals hatten sie auch österreichweit mit 12,42 Prozent ihren bisher höchsten Stimmenanteil. 2017 verloren sie beide.

Auch NEOS (5,30 Prozent) und JETZT (4,41) gingen 2017 bei den Direktmandaten leer aus. Ihre Abgeordneten kamen alle über die Landes- und Bundeslisten ins Parlament.

Direktmandate am schwierigsten in kleinen Wahlkreisen zu erreichen

Dass de facto nur die größeren, etablierten Parteien Chancen auf Wahlkreis-Mandate haben, liegt daran, dass sie unter elf bis zwölf Prozent nicht zu haben sind. 2017 kostete ein Direktmandat in einem der 39 Wahlkreise zwischen 11,42 und 40,91 Prozent der Stimmen - mit dem "Ausreißer" des kleinstens Wahlkreises Osttirol: Dort hätte eine Partei allein 93,31 Prozent gebraucht. Denn Direktmandate sind am teuersten in kleinen Wahlkreisen: Im ganzen Wahlkreis Osttirol wurden 29.395 gültige Stimmen abgegeben, für das eine zu vergebene Direktmandat waren aber 27.429 Stimmen erforderlich. Dort kam noch nie eine Partei zum Zug.

Billiger sind Mandate in großen Wahlkreisen zu holen, in denen viele Mandate vergeben werden können: Im (nach Wahlberechtigten und Mandaten) größten Wahlkreis "Graz und Umgebung" reichten 2017 schon 11,42 Prozent. Dort hatten die Grünen ja auch 2013 eines ihrer zwei Direktmandate geschafft.

Wahlzahlen werden auf Ebene der Bundesländer berechnet

Relativ leicht ist es auch in den beiden oberösterreichischen Wahlkreisen Hausruckviertel und Linz/Umgebung, wo man - ebenso wie in der Obersteiermark - in der Regel mit weniger als 15 Prozent zu einem Mandat kommt. Teure Pflaster sind hingegen - auch bei den Mandaten - Innsbruck und Salzburg, wo eine Partei rund 40 Prozent braucht.

Die Wahlzahlen - also die für ein Mandat nötigen Stimmen - werden auf Ebene der Bundesländer berechnet (Zahl der gültigen Stimmen dividiert durch die im Land zu verteilenden Mandate) und gelten in allen Regionalwahlkreisen im ganzen Land.

Dieselben Wahlzahlen werden auch für die Vergabe der Landesmandate verwendet - und diese sind damit wesentlich preiswerter als die Wahlkreis-Mandate: Nur 2,70 Prozent kostete ein Landesmandat 2017 in Niederösterreich, dem Land mit den meisten Wahlberechtigten und meisten (37) Mandaten. In Wien, Oberösterreich und der Steiermark waren zwischen drei und vier Prozent nötig, in Tirol beinahe sieben, in Kärnten mehr als sieben Prozent und in Salzburg rund neun. In den kleinsten Bundesländern Vorarlberg (12,50 Prozent) und Burgenland (14,29 Prozent) waren die Landesmandate am teuersten.

Die Wahlzahlen lagen 2017 zwischen 24.486 (Vorarlberg) und 29.177 (Niederösterreich). Wie immer vergleichsweise billig waren die Bundesmandate: Sie kosteten bei der vorigen Wahl 25.735 Stimmen, das entsprach 0,51 Prozent der gültigen Stimmen.

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(APA/Red)

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