Nope - Kritik und Trailer zum Film

"Nope" ist nach "Get Out" und "Wir" das dritte Werk von Schauspieler, Autor und Regisseur Jordan Peele. Sein neues Werk ist eine Mischung aus Horror und Science-Fiction, in dem die Geschwister Jill (Keke Palmer) und James (Daniel Kaluuya) eine Farm für Hollywood-Filmpferde besitzen. Sie leben soweit glücklich und einsam auf ihrem Hof am Ende der Welt - bis sie eines Nachts überirdische Phänomene beobachten, für die sie keinerlei Erklärung haben. Was Jill und James ebenfalls noch nicht ahnen, ist, dass diese Phänomene lediglich die Vorboten für etwas weit Größeres sind.

Jordan Peeles "Nope" ist ein beeindruckendes Wunderwerk über unsere eigene unerbittliche Besessenheit vom Spektakel. Sein Cowboy-und-Aliens-Monsterfilm orientiert sich nicht zufällig an Steven Spielbergs "Weißer Hai", der 1975 die Ära der Blockbuster einleitete. Wenn man UFOs, Pferde und Killerschimpansen mag, wird man sich schwer tun, außer "Top Gun", einen spektakuläreren Sommerfilm zu finden. Ab Donnerstag im Kino.

Nope - Kurzinhalt zum Film

Nachdem Jordan Peele seinen Ruf mit einer unverwechselbaren Art von Social Horror fest etabliert hatte, bewarb er seinen dritten Spielfilm "Nope", den Nachfolger von "Get Out" (2017) und "Wir" (2019) mit großer Umsicht und hinterließ den Fans nur vage Hinweise auf das Genre und das Thema des Films. Das Rätselfragen endet nicht, wenn der Film beginnt, dem ein mahnendes Zitat aus dem Alten Testament vorangestellt ist: "Ich werde abscheulichen Schmutz auf dich werfen, dich abscheulich machen und dich zu einem Spektakel machen."

Soweit so unheilvoll. Sein Haus- und Hofschauspieler Daniel Kaluuya spielt OJ Haywood, einen Pferdezüchter, der mit seiner Schwester Emerald (eine großartige Keke Palmer) eine Ranch in Kalifornien betreibt und Pferde für Hollywoodproduktionen zur Verfügung stellt. Diese beiden, so sagen sie, sind die Ur-Ur-Ur-Enkel des namenlosen schwarzen Jockeys, der in Eadweard Muybridges chronofotografischem Bewegtbild eines Pferdes auftauchte: der Urahn aller Filmstars sozusagen, dessen Geschichte ausgelöscht wurde - wie die von so viele Schwarzen in Hollywood.

Da erblicken die Geschwister eine fliegende Untertasse am Horizont, die Tiere wie Menschen verschluckt, und wollen das unbekannte Flugobjekt filmen, um daraus Kapital zu schlagen. Sie tun sich mit einem Technikverkäufer (Brandon Perea) und einem Dokumentarfilmer (Michael Wincott) zusammen, die alle bereit sind, bis ans Äußerste zu gehen, um einen Schnappschuss vom dem Ding zu erhaschen. Sie sind damit auch nicht allein. Ein Unternehmer namens Ricky "Jupe" Park (Steven Yeun), der seine Ecke der Wüste in eine Wild-West-Touristenattraktion verwandelt hat, versucht das Gleiche.

Nope - Die Kritik

Manchmal ist es schwer, seine Augen von etwas Außergewöhnlichem abzuwenden, egal ob es ein Hai, ein UFO, oder die eigenen Ängste sind. In "Get Out", dem politisch pointierten Sozialthriller, der Peeles Durchbruch bewies, gibt es eine legendäre Szene in der die Figur von Daniel Kaluuya mit weit aufgerissenen Augen, mit Tränen übersäht, in die eigenen Abgründe starrt. Der Ausdruck lebte in Lupita Nyong'os bahnbrechender Doppelperformance im nächsten Film des Regisseurs "Wir" weiter. Der stille Ausdruck des Grauens ist zum Markenzeichen des Regisseurs geworden. Es scheint deshalb nur passend, dass angesichts der surrealen Dinge, die es in "Nope" zu sehen gibt - darunter ein blutverschmierter Schimpanse, der auf dem Set einer amerikanischen Sitcom Amok läuft - eines der markantesten Bilder des Films, die weit aufgerissenen Augenpaare der Protagonisten sind.

"Nope" ist gleichzeitig Kritik und Ode ans Spektakelkino, an all die Wunder und den Horror, und wer kennt das besser als Steven Spielberg. Ähnlich wie "Der Weiße Hai" von dem sich Peele eindeutig inspirieren hat lassen, nutzt "Nope" das Unbekannte auf unheimliche Weise und bietet damit eine bizarre Interpretation des ersten Sommerblockbusters. Peele richtet den Blick nicht nur auf das Monster, sondern immer auch auf uns selbst. "Nope" wurde von dem großartigen niederländischen Kameramann Hoyte van Hoytema ("Dunkirk", "Ad Astra", "Tenet") auf einem 65-mm-IMAX-Film gedreht, und man muss konstatieren: Man kann seinen Blick wirklich nicht von dem Film abwenden.

Es ist gleichzeitig eine fiktive Geschichte über schwarze Cowboys, die im amerikanischen Western schon immer weiß getüncht wurden. Vorbild einiger Szenen in "Nope" war ein Poster von Sidney Poitiers Western "Buck und der Prediger" (1972). Peele hat gesagt, dass es der erste Film gewesen sei, in dem er einen afroamerikanischen Cowboy gesehen hat. Sein eigener Film beweist einmal mehr, dass er einer der interessantesten, lebenden amerikanischen Regisseure ist. Angesichts all der anderen Spektakel in unseres Kinos, den Remakes und Multiversen, grenzt es an ein Wunder, dass ein so bizarrer Blockbuster wie "Nope" überhaupt existiert.

(APA/Red)

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